Erweiterte Funktionen

Investoren können Contingent Convertible Bonds nicht ignorieren


08.09.14 15:45
ING Investment Management

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Der Markt der Contingent Convertible Bonds, oft auch CoCo-Bonds genannt, ist ein Wachstumsmarkt, der Investoren zwingt, diesem mehr Aufmerksamkeit zu widmen, so die Experten von ING Investment Management im aktuellen "InvestmentView".

Aus der Bankenkrise habe man gelernt, dass bevor Banken, die in eine finanzielle Schieflage geraten seien, vom Staat gerettet würden, zunächst Anteilseigner und Gläubiger in Form von Abschreibungen den Banken unter die Arme greifen sollten.

Mit der Umsetzung von Basel III hätten europäische Banken mit der Ausgabe einer neuen Art von Verlust absorbierenden Kapitalinstrumenten begonnen, die als Contingent Convertibles oder CoCos bekannt seien. Banken würden AT1-CoCos zur Erfüllung neuer Kapitalanforderungen begeben. T2-CoCos hingegen würden ausgegeben, um einen Puffer zum Schutz von vorrangingen Gläubigern und Anlegern einzurichten. ING Investment Management habe erhebliche Zeit darauf aufgewendet, um die Eigenschaften und das Anlagepotenzial dieser neuen Instrumente verstehen und bewerten zu können.

"Es gibt zwei Hauptrisiken, wenn man in AT1-CoCos investiert. Erstens, die Möglichkeit, dass Kuponzahlungen in den Bonds gestundet werden und zweitens, die Gefahr, dass der Kapitalbetrag abgeschrieben wird. Aufgrund der verbesserten Kapitalquoten in den letzten Jahren sehen wir Kuponstundungen als ein Hauptrisiko an."

Die Renditen von AT1-Anleihen seien in den letzten zwölf Monaten deutlich zurückgegangen, dies liege vor allem an der großen Nachfrage Renditehungriger Investoren. Somit habe sich die durchschnittliche Rendite der AT1-CoCos auf rund 6% reduziert. Die durchschnittlichen Eigenkapitalkosten hingegen, die als einziges Mittel des Bankkapitals dazu dienen würden, Verluste vor den AT1-Anleihen aufzunehmen, lägen bei etwa 10%. Angesichts der "eigenkapitalähnlichen" Kuponstundung und des Abschreibungsrisikos von AT1-CoCos sei ING Investment Management der Meinung, dass diese Preisdifferenz noch zu hoch sei.

Van Grafhorst weiter: "Wir schätzen die Volatilität dieser Instrumente als sehr hoch ein. Zusätzlich werden sie in Krisenzeiten ähnlich wie Aktien gehandelt."

Das Risikoprofil der T2-CoCos sei im Vergleich zu den AT1-Cocos wesentlich niedriger, da die Kuponzahlungen nicht aufgeschoben werden könnten. Im Gegenzug scheine das Risikoprofil der T2-CoCos verglichen mit normalen T2-Bonds angesichts der automatischen Auslöser, die die Verluste auffangen würden, viel größer zu sein. Dementsprechend sei die durchschnittliche Rendite von 4,5% für T2-CoCos, die von europäischen Banken begeben worden seien, deutlich höher als die durchschnittliche Rendite von 2,4% für normale T2-Anleihen.

Die neuen Bankenregulierungen würden den Regulierungsbehörden jedoch viel Spielraum einräumen, Verluste bei der Auflösung insolventer Banken mit dem Eigenkapital und den Gläubigern zu verrechnen. Die jüngste Geschichte zeige, dass sie diese Mittel in vollem Umfang gegen alle nachrangigen Anleihegläubiger einsetzen würden, hauptsächlich, um die Kosten für Sparer und Steuerzahler niedrig zu halten. Dabei werde nach Erwartung der Experten nicht zwischen gleichrangigen T2 CoCos und normalen T2-Anleihen unterschieden.

Van Grafhorst abschließend: "Wir suchen nach Investitionsmöglichkeiten im Bereich der T2-CoCos, da unserer Ansicht nach die Risikoprofile von T2-CoCos und normalen T2-Anleihen im Grunde ziemlich ähnlich sind." (08.09.2014/alc/a/a)