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Inverse Zinsstruktur: Kommt die Rezession oder kommt sie doch nicht?


21.08.19 09:00
Wolfgang Steubing AG

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Die weltweite Konjunktur ist ein scheues Reh, so das Asset Management Team der Steubing AG.

Verschrecke man sie, dann flüchte sie. Da nutze es auch auf Dauer nichts, wenn der Förster als Hüter immer wieder Futter auslege - das bedeute hier, wenn die Politik Einfluss zu nehmen versuche, dass per se unabhängige Notenbanken die Zinsen senken sollten. Dadurch dass es nun zwei nicht berechenbare Staatsmänner gebe, Donald und Boris, die es nicht auslassen würden zu zeigen, dass sie eigentlich nichts anderes interessiere als ihr eigenes Wohlbefinden, gerate langsam aber sicher die Welt ins Ungleichgewicht. Mittlerweile wird unter Ökonomen eigentlich nicht mehr darüber diskutiert, ob eine Rezession noch verhindert werden kann, sondern ob wir uns schon am Anfang einer solchen befinden, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG.

In Amerika sei die Diskussion über eine Rezession weit fortgeschritten. Als Indikator sähen viele Volkswirte die Entwicklung der Zinsstrukturkurve von Staatsanleihen. Eine inverse Zinsstruktur werde allgemein als untrügliches Zeichen angesehen: Die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen lägen über denen langfristiger. Verglichen werde die Differenz zwischen der Rendite 2- und 10-jähriger amerikanischer Staatsanleihen. In den USA beobachte man gerade genau dieses Phänomen. Bisher (bis auf einmal in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts) sei dies immer der Vorbote für eine amerikanische Rezession gewesen.

Es wäre auch überraschend, wenn sich die USA vom Rest der Welt abkoppeln könnten. Denn schließlich sei die "America first"-Politik des sprunghaften und ungezügelten Nationalisten Donald Trump einer der Auslöser dafür, dass es der Weltkonjunktur momentan nicht gut gehe. Das Handelsscharmützel mit China habe sich mittlerweile zu einem handfesten Krieg hochgeschaukelt. Gegenseitig würden Strafzölle erhoben, die den freien Handel erschweren und auch die Wirtschaft in den USA schwächen würden. Das Wirtschaftswachstum in China verlangsame sich auch immer mehr. So habe China im ersten Quartal 2019 noch ein Wachstum von 6,4% verzeichnen können - im zweiten Quartal seien es nur noch 6,2% gewesen. Noch vor zehn Jahren habe es als unmöglich gegolten, dass es der Weltwirtschaft gut gehen könnte, wenn Chinas Wachstum unter 10% fallen würde.

Betroffen sei davon natürlich auch der Exportweltmeister Deutschland als wirtschaftliche Zugmaschine Europas. Im zweiten Quartal 2019 sei die deutsche Wirtschaft leicht geschrumpft - um 0,1%. Laut dem statistischen Bundesamt habe ausschließlich der zurückgegangene Export zu diesem Rückgang geführt. Der innerdeutsche Konsum und eine hohe Investitionstätigkeit der Unternehmen hätten das Minus so klein werden lassen.

Jetzt gebe es noch einen europäischen Verstärker der Maläse: "Unforced Missile Boris Johnson". Ein Politiker, der es genau wie sein Pendant auf der anderen Seite des Atlantiks nicht so genau mit der Richtigkeit von Zahlen und Fakten nehme. Mr. Johnson möchte seinen Brexit haben. Wie ein kleines trotziges Kind sei ihm alles egal, wenn er nur seinen Kopf durchsetzen könne. Seit Juli sei er endlich ohne Wahl ans Ziel seiner Träume gekommen: Premierminister von Großbritannien. Schon in seiner ersten Rede habe er davon gesprochen, dass er kompromisslos auch ohne Deal Ende Oktober aus der EU austreten werde. Er werde sich auch nicht um parlamentarische Mehrheiten scheren. Solche Aussagen hätten sofort konkrete Auswirkungen auf die Handelsvolumina und die Auftragsbücher diesseits und jenseits des Ärmelkanals.

Inverse Zinsstruktur in den USA plus massiver Wachstumseinbruch in China plus massiver Wachstumseinbruch in Europa würden drohender weltweiter Rezession gleichen. Mit ein bisschen gutem Willen könne momentan dieses Ergebnis noch verhindert werden. Nationalistische Eitelkeiten sollten den Wohlstand der Welt nicht gefährden. (21.08.2019/alc/a/a)