Indien: Zentralbank hebt Leitzins um 50 Basispunkte an


08.07.22 13:15
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die indische Notenbank hat auf ihrer Sitzung im Juni den Leitzins zum zweiten Mal in Folge erhöht, berichten die Analysten der DekaBank.

Nach einem Schritt um 40 Bp im Mai sei im Juni ein etwas größerer Schritt um 50 Bp auf nun 4,90% erfolgt. Auch in Indien habe der Inflationsdruck in den vergangenen Monaten zugenommen. Im Mai habe die Teuerungsrate bei 7,0% und damit 100 Bp über dem oberen Rand des Zielbands von 2% bis 6% gelegen. Im Sitzungsprotokoll würden zwei Dinge deutlich: Erstens wolle die Notenbank den Zins früh und schnell anheben, da sie weiteren Anpassungsbedarf sehe. Zweitens schätze sie aber ein, die Entwicklung unter Kontrolle zu haben und mit einer überschaubaren Anpassung ihre geldpolitischen Ziele erreichen zu können. Damit dürften weitere Anhebungen auf den beiden kommenden Sitzungen des geldpolitischen Komitees relativ sicher sein. Die Analysten der DekaBank erwarten, dass das Ausmaß der Zinsanhebungen im August zunächst auf 35 Bp und im Oktober auf 25 Bp reduziert wird. Wie groß der weitere Anpassungsbedarf sein werde, hänge von der Datenlage ab.

Angesichts der deutlichen Eintrübung des globalen Konjunkturumfelds, der hohen Inflation in Indien und der geldpolitischen Straffung sei eine Konjunkturabkühlung in Indien wahrscheinlich. Das Beispiel aus anderen Ländern zeige jedoch, dass dies nicht unmittelbar mit einem Rückgang des Inflationsdrucks einhergehen müsse. Die Währungshüter hätten aber zu erkennen gegeben, dass sie solche Anzeichen wohl nutzen würden, um nach dem Oktobertermin zumindest eine Pause im Zinsanhebungszyklus einzulegen. Die Entscheidung für die nächste Zinsanhebung werde von den soliden Konjunkturdaten erleichtert: Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei zwar um sieben Zehntel zurückgegangen, sei mit 53,9 Punkten jedoch deutlich im Expansionsbereich geblieben. Der Dienstleisterindex sei von hohen 58,9 auf 59,2 Punkte geklettert und zeige keine Schwächezeichen.

Die Hoffnung, Indien könne zur nächsten großen Wachstumsgeschichte werden, sei in den vergangenen Jahren regelmäßig enttäuscht worden. Angesichts fundamentaler Schwächen würden auch nach der Überwindung der Corona-Krise mittelfristig Raten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch erscheinen. So gebe es große Mängel in der Infrastruktur, im Bildungswesen und in der öffentlichen Verwaltung. Anders als in früheren Jahren wolle die Regierung nun die Wirtschaft allerdings durch eine expansive Fiskalpolitik stärken. Der Grenzkonflikt mit China habe das Verhältnis der beiden Länder nachhaltig belastet. Chinesische Unternehmen dürften sich in den kommenden Jahren mit Investitionen in Indien zurückhalten. Durch den Abzug der USA aus Afghanistan sei die strategische Stellung der beiden indischen Konkurrenten China und Pakistan gestärkt worden. So habe Indien ein Interesse an guten Beziehungen zu den USA, um seine Position zu stärken, auch wenn Indien eine offensive Politik der Eindämmung Chinas ablehne.

Moody's habe das Rating für indische Fremdwährungsverbindlichkeiten im Juni 2020 auf Baa3 gesenkt und vor allem die strukturelle Wachstumsschwäche kritisiert. In der Krise sei die Staatsverschuldung gestiegen. Die Staatsfinanzen hätten schon vor der Krise zu den Schwachpunkten im indischen Bonitätsprofil gezählt. Im Oktober 2021 habe Moody's aber den Ratingausblick auf stabil verbessert und damit das Risiko einer weiteren Herabstufung in den Junk-Bereich reduziert. Fitch vergebe allerdings noch einen negativen Ausblick und stufe das Land ebenfalls auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs ein. Die Abkehr von der eher konservativen Fiskalpolitik früherer Jahre erhöhe das Risiko einer Herabstufung. Angesichts der geringen Auslandsverschuldung Indiens stehe die Zahlungsfähigkeit des Landes jedoch nicht in Frage. (Ausgabe vom 07.07.2022) (08.07.2022/alc/a/a)






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