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Indexeinbindung chinesischer Aktien und Anleihen wird globale Finanzmärkte nachhaltig verändern


17.05.19 08:30
UBS Asset Management

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Am 28. Februar gab der Indexanbieter MSCI bekannt, dass er die Einbindung chinesischer A-Aktien im MSCI Emerging Markets Index erhöht, so die Experten von UBS Asset Management.

Seit Mai solle der Inklusionsfaktor in einem dreistufigen Prozess von 5 auf 20 Prozent steigen und der Kreis der für eine Indexaufnahme infrage kommenden Titel werde erweitert. "Danach werden A-Aktien einen Anteil von 3,3 Prozent im MSCI Emerging Markets Index haben", erläutere Geoffrey Wong, Head of Global Emerging Markets und Aktien Asia Pacific bei UBS Asset Management. Schon im Vorfeld habe der Markt die Ankündigung begrüßt. Ausländische Investoren hätten ihr Aktienengagement auf dem chinesischen Festland erhöht. In den ersten beiden Monaten habe das Stock-Connect-Programm Rekordnettozuflüsse in nördlicher Richtung verzeichnet, also von Hongkong nach Schanghai und Shenzen.

Die geplante stärkere Gewichtung von A-Aktien im MSCI-Index werde zu weiteren Kapitalzuflüssen in den entsprechenden Aktien führen. Zwar seien allein die durch indexorientierte Investoren erzeugten erwarteten Zuflüsse gering im Vergleich zum Gesamtvolumen des A-Aktien-Markts, das Ende Februar 7,8 Billionen US-Dollar betragen habe. Dennoch sei die stärkere Indexeinbindung von hoher Bedeutung. "Dadurch wird die Präsenz und Akzeptanz der chinesischen A-Aktien auf der Weltbühne zunehmen", begründe Wong. Zweitens erwarte der Fondsmanager dadurch Verbesserungen bei der Unternehmensführung: "Es dürften nun weitere Reformen der Corporate-Governance-Standards bei A-Aktien erfolgen. Diese werden sich den globalen Standards annähern, was langfristig positiv sein wird."

Diese Entwicklungen dürften mehr internationale Investoren auf den A-Aktien-Markt ziehen, was wiederum einen weiteren Vorteil mit sich bringe. Bislang würden hier chinesische Privatinvestoren dominieren, die häufig stimmungs-getrieben und kurzfristig investieren und für eine hohe Volatilität sorgen würden. "Ein zunehmender Einfluss internationaler institutioneller Investoren könnte die Schwankungsbreite am Markt mindern. Denn diese verfolgen auch andere Anlagestrategien, die häufig an Fundamentaldaten orientiert und langfristig ausgerichtet sind", so Wong.

Nicht nur chinesische A-Aktien würden in den Blick von internationalen Investoren geraten. Auch der Onshore-Anleihemarkt öffne sich der Welt. Bloomberg habe am 1. April begonnen, Anleihen vom chinesischen Festland in den Bloomberg Barclays Global Aggregate Index aufzunehmen. Hayden Briscoe, Head of Fixed Income für den asiatisch-pazifischen Raum bei UBS Asset Management, sei überzeugt, dass die Einbindung von chinesischen Onshore-Anleihen eine der größten Veränderungen an den globalen Kapitalmärkten auslösen werde, die es seit längerem gegeben habe.

Das liege zum einen an den hohen erwarteten Zuflüssen. "Für die erste Phase der Indexeinbindung werden zwischen 250 und 500 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen in den Markt erwartet, und das ist nur das Kapital aus passiven Investments. Wenn man bedenkt, dass auch aktive Investoren, Zentralbanken und Staatsfonds Onshore-Bonds berücksichtigen werden, könnte die Summe sogar in die Billionen gehen."

Zum anderen erwarte Briscoe eine Neugewichtung der globalen Finanzmärkte, da gemessen an Chinas wirtschaftlicher Bedeutung globale Investoren in China unterinvestiert seien. "Mit der Aufnahme in den Index können Vermögensverwalter chinesische Anleihen nicht mehr einfach ignorieren. Asset-Allokationen werden unter der Berücksichtigung Chinas neu aufgestellt werden", so Briscoe. Dies gelte umso mehr, da die aktuelle Einbindung in den Bloomberg Barclays Global Aggregate Index erst ein Anfang sei und ausgebaut werden dürfte. Zudem sei damit zu rechnen, dass weitere Indexanbieter wie FTSE Russell und J.P. Morgen nachziehen würden.

Chinesische Staatsanleihen hätten das Potenzial, künftig als sicherer Hafen zu dienen. China sei eine Nettogläubigernation. Mit Leistungsbilanzüberschüssen und Währungsreserven von fast drei Billionen US-Dollar sei China sehr gut aufgestellt. Zudem sei die Staatsverschuldung mit rund 65,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich geringer als in den USA oder Japan.

"Chinas Aktien- und Anleihemärkte werden so groß werden, und der Handel im asiatisch-pazifischen Raum wird so stark verknüpft mit der chinesischen Wirtschaft und von ihr abhängig sein, dass neben dem Euro- und dem US-Dollar-Währungsblock ein dritter Renminbi-Währungsblock entstehen wird", prognostiziere Briscoe und fasse zusammen: "Wir sehen die Indexaufnahme als eine große Gelegenheit und bereiten uns schon seit Jahren darauf vor. Wir haben unsere Kapazitäten in Festlandchina ausgebaut, unser Wissen vertieft und Produkte entwickelt, um den Bedarf der Investoren an chinesischen Anlagen zu begegnen." (Ausgabe vom 16.05.2019) (17.05.2019/alc/a/a)