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Impact Bonds - Der Markt wird erwachsen


28.04.22 10:15
BNY Mellon IM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Mit dem starken Wachstum des Markts für Impact Bonds differenzieren sich die Anleihen-Kategorien zunehmend aus, so die Experten von BNY Mellon Investment Management.

Neben grünen, sozialen und nachhaltigen Anleihen gebe es mittlerweile Blue Bonds, Gender Bonds, Transition Bonds und sogar Rhino Bonds. Und noch eine weitere Entwicklung lasse sich laut Fabien Collado, Fondsmanager bei Insight Investment beobachten - das sogenannte Impact Washing:

Grüne Anleihen würden den Markt für Impact Bonds dominieren. Seit 2007 seien mehr als 1,43 Milliarden US-Dollar durch die Emission grüner Anleihen eingesammelt worden (Quelle: Financial Times, 12. Okt 2021). Mehr als 500 weitere Unternehmen hätten seither grüne Anleihen begeben.

Die Europäische Kommission habe im Oktober ihre erste grüne Anleihe begeben und dabei 12 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 15 Jahren aufgenommen. Damit habe sie einen neuen Rekord für die Emission grüner Anleihen aufgestellt und das Vereinigte Königreich abgelöst, das zuvor mit einer Emission im Volumen von 10 Milliarden GBP in Führung gelegen habe. Bis 2026 strebe die Europäische Kommission ein Emissionsvolumen von insgesamt 250 Milliarden Euro an. Die Erlöse stünden den EU-Mitgliedstaaten für Projekte wie Energie- und Verkehrsinitiativen zur Verfügung.

Sozialanleihen würden dem Trend zu grünen Anleihen, insbesondere im Zug der COVID-19-Pandemie folgen. Obwohl die Emission von Sozialanleihen im Jahr 2021 im Vergleich zu 2020 um das 1,4-fache gestiegen sei, habe sich der Schwerpunkt des Marktes für Impact Bonds nun auf den Klimawandel verlagert. Dementsprechend habe sich die Emission von grünen und Nachhaltigkeitsanleihen im selben Zeitraum mehr als verdoppelt.

In der Vergangenheit seien Impact Bonds hauptsächlich von staatlichen Emittenten, Finanzdienstleistern und Energieversorgern begeben worden. Andere Unternehmenssektoren wie Konsumgüter, Gesundheit, Kommunikation und Technologie würden allmählich aufholen.

Anleger sollten jedoch beachten, dass vor dem Hintergrund der zunehmenden Emissionstätigkeit und mangelnder Regulierung auch "Impact Washing" immer mehr zur Realität gehöre. Das Phänomen beziehe sich auf Emittenten, die ihre Anleihen als "Impact Bonds" bezeichnen, aber den entsprechenden Nachweis nicht erbringen würden. Von den insgesamt 514 Impact Bonds, die die Experten seit 2017 bewertet hätten, hätten 20 Prozent ihre Anforderungen nicht erfüllt, um als echte Impact Bonds eingestuft zu werden (Stand: 31. Dezember 2021).

Die neuen EU-Standards für grüne Anleihen und die EU-Taxonomie dürften jedoch zu einer stärkeren Standardisierung des Marktes führen und damit künftig den Zugang zu umfassenderen und relevanten Informationen verbessern. Bis zur Durchsetzung der neuen Richtlinien sollten Investoren allerdings eine angemessene Due-Diligence-Prüfung durchführen, um der Impact-Washing-Falle zu entgehen. (28.04.2022/alc/a/a)