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Hochzinsanleihen: Heitere Aussichten oder drohende Investitions-Blase?


23.01.13 09:21
AllianceBernstein

London (www.anleihencheck.de) - Hochzinsanleihen hatten 2012 ein glänzendes Jahr, so die Experten von AllianceBernstein.

Mit Renditen von rund 30 Prozent im gesamteuropäischen Sektor (gemessen am Barclays Capital Pan-European High Yield-Index) hätten die zum Teil als hochspekulativ bewerteten Unternehmensanleihen den Investoren unerwartet hohe Gewinne beschert. Nun jedoch würden sich die Stimmen mehren, die eine Blasenbildung im Hochzinsumfeld befürchten würden. Aber bestehe dafür wirklich ein Grund? Und hätten interessierte Anleger den besten Einstiegszeitpunkt bereits verpasst?

"Wir denken nicht, dass es für den Einstieg in Hochzinsanleihen zu spät ist", habe Jeremy Cunningham, Senior Portfolio-Manager Fixed Income Europe bei ACMBernstein, gesagt. "Denn die Erträge befinden sich im historischen Vergleich weiterhin auf hohem Niveau. Sowohl in Europa als auch in den Emerging Markets bieten diese Anleihen den Investoren weiterhin gute Chancen." Im Unterschied zum vergangenen Jahr werde es in 2013 allerdings wichtiger, die Spreu vom Weizen trennen zu können. "Angesichts der verbesserten wirtschaftlichen Aussichten und der Tatsache, dass viele Unternehmen ihre Schulden deutlich reduzieren konnten, erwarten wir tendenziell bessere Bonitätseinstufungen. Das nimmt Einfluss auf die Auswahl der Anleihen", erläutere Cunningham.

Eine Blasenbildung schließe der Portfolio-Manager aus mehreren Gründen aus: "Erstens erwarten Anleger vom Hochzinsmarkt kein ständig steigendes Wachstum, wie es beispielsweise im Jahr 2000 bei der "New Economy"-Spekulationsblase der Fall war. Zweitens ist der vermehrte Kauf von so genannten High-Yield-Anleihen weniger auf ein Horten dieser Papiere als auf den Mangel an Alternativen zurückzuführen." In Zeiten, in denen Staatsanleihen geringe oder gar negative Realzinsen bringen würden, der Aktienmarkt äußerst volatil sei und der Schock der Finanzkrise vielen Anlegern noch in den Knochen sitze, seien Hochzinsanleihen derzeit eine der wenigen Anlageklassen, mit denen tatsächlich ein verlässlicher Gewinn erwirtschaftet werden könne.

"Drittens überzeugt die finanzielle Stärke des Sektors - die Bilanzen vieler Unternehmen sehen mittlerweile deutlich ausgeglichener aus als noch vor kurzer Zeit. Zudem gehen wir davon aus, dass die meisten Unternehmen ihren Verpflichtungen pünktlich nachkommen werden", so Cunningham. "Und nicht zuletzt spricht viertens die Ausgabesituation eindeutig gegen eine Blasenbildung. Wir beobachten derzeit ein sich ausweitendes Angebot von Hochzinsanleihen, das hauptsächlich auf die Ablösung von Bankkrediten zurückzuführen ist", schließe Cunningham. Der Großteil der ausstehenden Anleihen belaufe sich auf rund fünf Jahre.

So sei zu erwarten, dass es weiterhin Chancen im Hochzinsanleihen-Segment gebe. Anleger sollten jedoch nicht vergessen, dass die Papiere immer auch ein nicht zu unterschätzendes Risiko mit sich bringen würden. Daher gelte es, die Fundamentaldaten der ausgebenden Unternehmen vor der Entscheidung für eine Investition sehr genau zu prüfen und von einer globalen Diversifikation zu profitieren.

Für konservativere Anleger in diesem Bereich gebe es eine neue Generation von High-Yield-Fonds. Zur weiteren Absicherung des Portfolios würden hier Anleihen mit geringer Laufzeit gekauft. Zudem werde der Fokus auf höherwertige Hochzinsanleihen gelegt und die Nutzung von methodischen Hedging-Strategien angewendet. "Mit diesen Strategien wird es möglich, das Risiko deutlich zu minimieren - und trotzdem an der positiven Entwicklung der Anlageklasse teilzuhaben", habe Cunningham gesagt. (23.01.2013/alc/a/a)