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High Yield auch bei steigenden Staatsanleiherenditen positiv


16.08.13 15:16
ING Investment Management

Den Haag (www.anleihencheck.de) - In unserer taktischen Asset-Allokation sind wir bei Spread-Produkten neutral positioniert, so die Experten von ING Investment Management.

Hochverzinsliche (High Yield) seien die Favoriten der Experten im Anleiheuniversum. Das liege u. a. an ihrer bewährten Fähigkeit, auch in einem Umfeld steigender Staatsanleiherenditen noch positive Erträge abzuwerfen.

Im Market Express der vergangenen Woche hätten die Experten erläutert, warum sie die Kreditmärkte jetzt positiver bzw. weniger negativ einschätzen würden. Seitdem ein mögliches Ende der QE aktuelles Thema sei, seien Volatilität und Credit-Spreads an den Rentenmärkten deutlich gestiegen. Verschreckte Anleger hätten sich von den Rentenmärkten zurückgezogen und hätten das Risiko in ihren Anleiheportfolios gedrosselt.

Nach beschwichtigenden Worten vonseiten der Zentralbanken und zunehmenden Hinweisen auf eine Erholung in den Industrieländern sei die Volatilität einen Monat später wieder zurückgegangen, die Märkte hätten sich beruhigt. Inzwischen habe sich die Spread-Ausweitung weitgehend umgekehrt, obwohl die Renditen 10-jähriger US-Treasuries nicht wesentlich gesunken seien, sondern in etwa auf dem Niveau von Anfang Juli verharren würden.

Höhere Treasury-Renditen und niedrigere Credit-Spreads würden seit jeher Hand in Hand gehen. Das mache Sinn, denn höhere Treasury-Renditen seien häufig Ausdruck besserer Wirtschaftsdaten. Eine dynamische Wirtschaft sei auch für die Unternehmensgesundheit positiv. Insofern dürften Unternehmensanleihen von solideren Bilanzen und geringerem Ausfallrisiko profitieren. Das illustriere den eigenkapitalähnlichen Charakter von (hochverzinslichen) Unternehmensanleihen und gelte immer noch.

In der entwickelten Welt würden sich die Konjunkturdaten erholen, das Gewinnwachstum habe die Talsohle erreicht. Letztlich seien gute Konjunkturnachrichten gleichbedeutend mit fallenden Credit-Spreads und einer Outperformance ggü. Staatsanleihen.

Die negative Korrelation zwischen Credit-Spreads und Treasury-Renditen impliziere, dass die Nettowirkung steigender Treasury-Renditen auf die Erträge von Kreditinstrumenten davon abhänge, inwieweit die Spread-Verengung für Ausgleich sorge. Hier würden die Experten zwischen Investment Grade Credits (IGC) und High Yield (HY) Bonds unterscheiden. In der Vergangenheit sei diese Spread-Verengung für IGC nicht ausreichend gewesen und habe zu höheren Renditen bei gleichzeitig negativen Erträgen geführt.

Dank höherer Carry und Renditekompression hätten Hochverzinsliche dagegen häufig positiv abgeschnitten. Die Experten hätten 15 Phasen mit steigenden Treasury-Renditen (seit 1988) untersucht und dabei festgestellt, dass High Yield Bonds in einem solchen Umfeld in der Tat positive annualisierte Erträge abwerfen könnten.

Der strukturelle Vorteil Hochverzinslicher ggü. anderen Anleihen sei nicht unbemerkt geblieben. Nach zunächst hohen Abflüssen erlebe diese Assetklasse jetzt wieder robuste Zuflüsse.

Erst kürzlich hätten die Experten den Anteil von Spread-Produkten im Rahmen ihrer taktischen Top-down-Assetallokation von einer leichten Untergewichtung auf neutral erhöht. Dabei würden sie eindeutig die Marktsegmente mit den höchsten Risikoprämien vorziehen: also High Yield Bonds und Senior Bank Loans (SBL), während sie bei Investment Grade Credits neutral positioniert seien.

Emerging Market Debt (EMD) bleibe untergewichtet. Das relative Return Momentum sei bei allen Segmenten (Hartwährung, Lokalwährung und lokale Anleihen) des EMD-Spektrums negativ. Belastend für die Emerging Markets seien die Kapitalabflüsse infolge nachlassender Wachstumsdynamik ggü. den entwickelten Märkten. Das führe zu restriktiveren Finanzierungsbedingungen und einer stärker anti-inflationären Gangart bei den Zentralbanken.

Die Experten würden High Yield weniger positiv beurteilen, wenn es am Unternehmensanleihemarkt Zeichen für eine Überhitzung gäbe. Das sei derzeit jedoch nicht der Fall. Aufgrund kräftiger Cashflows und niedriger Investitionsausgaben steige die Sparquote der Unternehmen weiter.

Angesichts der zuletzt geringen Investitionstätigkeit, der Alterung des Maschinenparks und der - wenn auch verhaltenen - konjunkturellen Erholung würden die Experten einen Anstieg der Investitionsausgaben erwarten. Auch die Aktienrückkäufe hätten leicht zugenommen, lägen aber noch unter dem Niveau von H1 2007 und H1 2011. Nicht zuletzt habe sich auch die M&A-Tätigkeit etwas belebt.

Das größte Risiko für Festverzinsliche bestehe wohl in der sogenannten "Great Rotation", der Umschichtung von Anleihen in Aktien. Die ersten Zeichen würden sich bereits in den USA bemerkbar machen, wo Pensionsfonds und institutionelle Investoren wieder verstärkt auf Risiken setzen würden.

Institutionelle Kapitalanleger in Europa und Japan würden diesem Trend jedoch noch nicht folgen. Hier würden Anleihen weiterhin einen erheblichen Teil des Portfolios ausmachen. Diese Divergenz habe vor allem zwei Gründe: die demografische Entwicklung (für eine alternde Bevölkerung seien Kapitalzuwächse ggü. der Erzielung von Einkommen zweitrangig), sowie die zunehmende Regulierung des Finanzsektors, die Festverzinsliche (noch) nicht im gleichen Maße betreffe. (16.08.2013/alc/a/a)