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High-Yield-Strategien für einen Markt im Wandel


29.10.25 11:00
Barings

Boston (www.anleihencheck.de) - Der globale High-Yield-Markt zeigt sich robust - trotz uneinheitlicher Wachstumsdynamiken, enger Spreads und technischer Marktverzerrungen, so Scott Roth, CFA (Head of Global High Yield) und Chris Sawyer (Head of European High Yield) von Barings.

Solide Fundamentaldaten und hohe Kupons würden attraktive Ertragschancen schaffen, jedoch eine selektive Herangehensweise erfordern.

Das Umfeld an den globalen Kreditmärkten sei geprägt durch uneinheitliche Wachstumsdynamiken und eine schwankende Anlegerstimmung. Der breite Markt dürfte keine überdurchschnittlichen Erträge liefern - umso wichtiger sind eine gezielte Titelauswahl und diszipliniertes Portfoliomanagement.

In den USA habe sich das Wachstum zwar abgeschwächt, übertreffe aber weiterhin die Prognosen. Dieses "Goldlöckchen"-Szenario führe jedoch zu Unsicherheit in Bezug auf Tempo und Umfang künftiger Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve (FED). Dennoch nehme die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer zu, da die Rezessionsängste nachlassen würden.

In Europa verlaufe die Erholung uneinheitlicher. Während die Gesamtdynamik so stark sei wie seit Jahren nicht mehr, würden sich bestimmte Regionen und Sektoren weiterhin mit Herausforderungen konfrontiert sehen. Das gelte insbesondere für die deutsche Industrie. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe eine Pause bei den Zinsanpassungen signalisiert.

Attraktive laufende Erträge im High-Yield-Segment

In diesem Spannungsfeld hätten sich High-Yield-Anleihen und -Kredite bislang gut behauptet. Die Zuflüsse in High-Yield-Anleihen würden stark bleiben, insbesondere in den USA. Das spiegele das Vertrauen in die Anlageklasse sowie die anhaltende Suche nach Rendite wider. High-Yield-Kredite würden den High-Yield-Anleihen seit Jahresbeginn hinterherhinken, vor allem aufgrund schwächerer Ergebnisse bei Emittenten geringerer Bonität. Diese Lücke könnte sich aber schließen, falls die Zinsen langsamer gesenkt würden als derzeit erwartet.

Die Bewertungen seien im historischen Vergleich hoch. Die Vergangenheit aber habe gezeigt, dass sich enge Spreads über längere Zeiträume halten könnten. Entscheidend sei: Die Renditen würden im historischen Vergleich attraktiv bleiben - ein Hinweis darauf, dass wir uns weiterhin in einem ertragsgetriebenen Marktumfeld befinden würden, in dem laufende Erträge zentraler Bestandteil der Gesamtrendite seien.


Robuste Fundamentaldaten bei gleichzeitig zunehmender Streuung

Die Fundamentaldaten im High-Yield-Segment würden sich weiterhin positiv entwickeln. Jüngste Quartalsberichte würden ein Umsatz- und EBITDA-Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr zeigen. Der Markt arbeite sich allmählich aus der Schwächephase von Ende 2022 bis Anfang 2024 heraus. Die Investitionsausgaben würden moderat bleiben und die Nettoverschuldung zeige sich stabil bis leicht rückläufig: Sie liege derzeit bei rund dem 3,6-fachen des EBITDA in den USA und etwa dem 3,3-fachen in Europa.

Diese solide Ausgangslage spiegele sich auch in der Kreditqualität wider: Papiere mit dem Rating "BB" würden mittlerweile fast 60% des globalen High-Yield-Anleihemarkts ausmachen - vor zehn Jahren seien es noch rund 40% gewesen. Dieses robuste Fundament trage dazu bei, dass die Ausfallraten voraussichtlich unter dem langfristigen Durchschnitt bleiben würden - sowohl in den USA als auch in Europa.

Zweigeteilte Unternehmenslandschaft in den USA

Auf Branchenebene zeige sich ein uneinheitliches Bild. In den USA bilde sich eine zweigeteilte Unternehmenslandschaft heraus. Auf der einen Seite stünden Sektoren, die sich dank robuster Nachfrage und Preissetzungsmacht gut behaupten würden. Im Gegensatz zum Aktienmarkt werde der High-Yield-Sektor nicht von großen Technologiekonzernen dominiert, deren KI-getriebene Investitionen die Indexentwicklung prägen würden. Dennoch seien die Auswirkungen von KI-Investitionen in angrenzenden Bereichen - wie bei bestimmten Versorgern und Tech-/Kommunikations-Emittenten - sichtbar, was zu ausgewählten Chancen führe.

Auf der anderen Seite würden sich stark konjunkturabhängige Branchen wie Chemie und Bau befinden, die weiterhin unter Druck stünden und auf sinkende Finanzierungskosten angewiesen seien, um die Nachfrage anzukurbeln. Hinzu komme die komplexe Verbraucherdynamik: Während einkommensschwächere Haushalte weiterhin Anzeichen finanzieller Herausforderungen zeigen würden, würden inzwischen fast 50% des privaten Konsums in den USA auf die obersten 10% der Einkommenspyramide entfallen.

Für Investoren unterstreiche diese deutliche Diskrepanz die Bedeutung einer klaren Differenzierung der Emittenten. Auf der einen Seite stünden die Unternehmen, die stark von preissensibler Nachfrage aus den unteren Einkommensschichten abhängen würden, und auf der anderen jene, die stabilere, einkommensstärkere oder systemrelevante Segmente bedienen würden.

In Europa stelle sich das Bild etwas anders dar: Der Markt sei hier stark von nichtzyklischen Unternehmen mit weitgehend planbaren Geschäftsmodellen geprägt. Zwar gebe es auch zyklische Teilbereiche - etwa einige wenige Unternehmen aus der Automobil- und Gesundheitsbranche, die derzeit unter Druck stünden -, doch diese würden nur einen kleinen Anteil des Gesamtmarkts ausmachen. Dadurch würden Phasen erhöhter Volatilität oder sektorspezifischer Spannungen meist begrenzt bleiben. Das ermögliche es Investoren, sich mit größerer Klarheit und Selektivität im Markt zu positionieren.

Technische Marktverzerrung auf dem europäischen Kreditmarkt

Trotz des insgesamt stabilen Umfelds gebe es einen Bereich, der derzeit erhöhte Aufmerksamkeit verdiene: den europäischen Kreditmarkt. Dieser habe aktuell mit deutlichem technischem Gegenwind zu kämpfen. Mit dem Anstieg der Ausfallraten würden sich die Manager von Collateralized Loan Obligations (CLOs) - den wichtigsten Käufern am Kreditmarkt - zunehmend vorsichtig gegenüber Emittenten mit niedrigerem Rating zeigen. Diese Zurückhaltung habe zu einer deutlichen Underperformance dieser Titel geführt, da CLOs und andere Marktteilnehmer ihre Positionen in diesem Segment reduziert hätten. Das Ergebnis sei ein gespaltenes Marktbild: Während die Fundamentaldaten der meisten Emittenten solide bleiben würden, stehe ein kleiner Teil der Kredite geringerer Qualität unter erheblichem Preis- und Volatilitätsdruck.

Diese technische Marktverzerrung habe zwar kurzfristige Herausforderungen geschaffen, eröffne aber zugleich Chancen für die gezielte Kreditauswahl in überverkauften Titeln: Hochwertige Kredite seien derzeit zu Preisen erhältlich, die ihre tatsächliche Bonität nicht widerspiegeln und die potenzielle Ausfälle mehr als einpreisen würden. Mit anderen Worten: Die technische Volatilität habe den Markt zwar komplexer gemacht, zugleich aber auch neue Möglichkeiten geschaffen, Fehlbewertungen auszunutzen und in einem grundsätzlich robusten Marktumfeld Mehrwert zu generieren.

Hohe Kupons würden Puffer nach unten bieten

High-Yield-Anleihen würden im aktuellen Marktumfeld besonders attraktiv erscheinen - vor allem aufgrund ihrer hohen, kupongetriebenen Erträge und der kurzen Duration von rund drei Jahren. Diese Kombination biete nach Einschätzung von Barings einen deutlichen Puffer nach unten. Das gelte umso mehr in einer Phase, in der die Spreads eng seien und der Zinstrend zwar günstig, aber nicht garantiert sei. Damit eröffne sich die Möglichkeit, in den kommenden Jahren eine solide Gesamtrendite zu erzielen. Vor allem in den USA würden Anleihen mit einem Single-B-Rating hervorstechen: Hier könne eine gezielte Auswahl zusätzlichen Mehrwert schaffen, gestützt auf stabile Fundamentaldaten und einem breiten, liquiden Anlageuniversum.

Der Reiz von Krediten liege weiterhin in ihrer vorrangigen, besicherten Struktur und den variablen Kupons. Trotz des jüngsten Rückgangs der Basiszinsen lägen die Kupons von Krediten derzeit deutlich über ihrem Zehnjahresdurchschnitt. Angesichts der schwächeren Entwicklung gegenüber Anleihen in diesem Jahr sollten Investoren aber selektiver vorgehen. Barings bevorzuge eine gezielte Kreditauswahl gegenüber einer breiten, marktweiten Positionierung. Sollte das Tempo künftiger Zinssenkungen langsamer ausfallen als vom Markt erwartet, könnten sich die Rahmenbedingungen insbesondere am US-Kreditmarkt weiter verbessern.

Investoren sollten selektiv vorgehen

High-Yield-Anleihen würden eine verlässliche Ertrags- und Diversifikationsquelle bleiben. Allerdings dürfte die breite Marktentwicklung allein nicht zu überdurchschnittlichen Renditen führen. Wichtig seien eine gezielte Titelauswahl und ein diszipliniertes Portfoliomanagement. Die nachhaltigsten Ergebnisse würden Investoren erzielen, die positive unternehmensspezifische Faktoren erkennen, problematische Emittenten meiden und technische Fehlbewertungen gezielt ausnutzen würden.

Da sich die Fundamentaldaten weiter verbessern und technische Faktoren zu erhöhter Streuung führen würden, gewinne aktives Management an Bedeutung. Entscheidend für die kommenden Monate werde sein, ein ausgewogenes Engagement über Regionen und Marktsegmente hinweg beizubehalten, um stabile Erträge zu sichern und zugleich flexibel genug für das gezielte Nutzen zusätzlicher Chancen in Phasen von Marktrücksetzern zu bleiben. (29.10.2025/alc/a/a)