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High Yield Primärmarkt: Erste Anzeichen für die Wiederbelebung des Marktes?


01.06.23 09:15
Legal & General IM

London (www.anleihencheck.de) - Die Anzahl der Emissionen auf dem globalen Hochzinsmarkt steigt wieder, nachdem sie im letzten Jahr, insbesondere in den USA, ihren Tiefstand erreicht hatten. Beginnt damit eine neue Phase im High Yield-Markt, fragen Martin Reeves, Head of Global High Yield, und Volker Kurr, Head of Europe Institutional, bei Legal & General Investment Management.

Seit Frühling habe es auf dem europäischen Markt für Hochzinsanleihen mehrere Emissionen über das gesamte Risikospektrum hinweg gegeben. Seit Anfang Mai hätten auch Unternehmen auf dem US-Hochzinsmarkt begonnen, neue Anleihen zu begeben.

Der Umfang der Emissionen sei zwar noch nicht bedeutsam, liege aber deutlich über den Zahlen aus den letzten acht Monaten. Die Experten würden darin einen Indikator sehen, dass der Markt für den Rest des Jahres erhebliche Neuemissionen verzeichnen müsste, da sonst die Refinanzierungslast für 2024 zu groß werden könnte.

Viele Unternehmen würden jetzt ihre Barmittelreserven aufstocken. Hinzu komme, dass seit der Finanzkrise 2007-2009 das Niveau an Bankschulden gesunken sei, sodass ertragsstarke Hochzins-Unternehmen in relativ geringem Umfang von Bankkrediten abhängig seien.

Auch wenn das Umfeld für Hochzinsanleihen noch lange nicht "normal" sei, so sei es doch nicht schlecht. Wir brauchen eine deutliche Belebung der Emissionstätigkeit, so die Experten von Legal & General Investment Management. Aber die derzeitigen Aktivitäten könnten ein Anfang dafür sein. Die Experten würden davon ausgehen, dass die Emissionen weiter zunehmen würden, sofern der US-Aktienmarkt nicht stark einbreche und die Renditen der fünfjährigen US-Staatsanleihen unter vier Prozent bleiben würden.

Die Rendite für US-Hochzinsanleihen mit BB-Rating habe im September 2022 deutlich über sieben Prozent gelegen, sei seitdem aber wieder gefallen. Im oben erwähnten positiveren Marktumfeld halten wir es für möglich, dass wir den Höhepunkt der Renditen in diesem Zyklus erreicht haben, so die Experten von Legal & General Investment Management. Denn historisch gesehen sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Renditen noch einmal auf dieses Niveau steigen würden und man "Twin Peaks" zu sehen bekomme.

Zwar könnten die Spreads bei einem Anstieg der Unternehmens-Ausfälle steigen, wenn die Weltwirtschaft in eine Rezession gerate. Doch würde in diesem Szenario der zugrunde liegende "risikofreie" Zinssatz wahrscheinlich sinken, weshalb die Gesamtrenditen bei Hochzinsanleihen in etwa auf demselben Niveau bleiben könnten.

Die Vorhersage von Marktbewegungen sei zwar schwierig, aber wenn es zu einer deutlichen Konjunkturabschwächung kommen werde, könnten sich die Renditen historisch gesehen um etwa zwei Prozent bewegen und dann möglicherweise sechs Monate nach Beginn der Rezession ihren Höchststand erreichen. In der Regel würden sie dann innerhalb von zwölf Monaten nach Beginn des Wirtschaftsrückgangs auf den Ausgangswert zurückkehren. Zu diesem Zeitpunkt könnten die Ausfallraten, die in der Regel der Entwicklung der Renditen hinterherhinken würden, ihren Höchststand erreicht haben.

Selbst das Schreckgespenst einer Rezession sei also kein Grund, Hochzinsanleihen zu meiden. Die Experten seien der Meinung, dass Anleger positiv bleiben und beobachten sollten, wie sich die Emissionsaktivitäten entwickeln würden. (01.06.2023/alc/a/a)