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Grünen Anleihen steht ein Boom bevor


25.01.16 10:59
BMO Global Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Wollen die weltweiten Länder die auf dem Klimagipfel in Paris beschlossenen Minderungsziele für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) erreichen, müssen deren Regierungen in den kommenden Jahren verstärkt auf umweltfreundliche Technologien setzen, so die Experten von BMO Global Asset Management.

So genannte "Grüne Anleihen" seien dabei für Investoren eine immer attraktivere Möglichkeit, um in den Klimaschutz zu investieren. Für die Emittenten auf der anderen Seite würden sie sich zu einem entscheidenden Finanzierungsinstrument entwickeln, um den anstehenden Strukturwandel in der Energieerzeugung und -versorgung zu finanzieren.

"Die Internationale Energieagentur schätzt den weltweiten Investitionsbedarf im Energiesektor bis zum Jahr 2035 auf 53 Billionen Dollar, wenn die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius beschränkt werden soll. Nach dem Treffen in Paris soll sogar die 1,5-Grad-Marke gehalten werden", so Andrew Brown, Director Credit bei BMO Global Asset Management. Dieses Kapital werde nicht allein von Banken und dem Staat aufgebracht werden können. Der Kapitalmarkt werde daher einen Großteil der Lücke schließen müssen. Dies werde unter anderem mit grünen Anleihen geschehen.

Dieses vergleichsweise junge Finanzierungsinstrument unterscheide sich vom Konzept her kaum von herkömmlichen Anleihen. Der wesentliche Unterscheid sei, dass der Emissionserlös ausschließlich in Projekte mit Umweltnutzen fließe. Darunter würden zum Beispiel der Ausbau erneuerbarer Energiequellen und umweltfreundlicher Verkehrssysteme, Projekte zur Reinhaltung von Wasser und nachhaltiger Landnutzung fallen. Die ersten Emittenten seien 2007 internationale Organisationen wie etwa die Weltbank und die Europäische Investitionsbank gewesen, die damit die Klimapolitik einzelner Regierungen hätten fördern wollen. "Nachdem 2013 erstmals auch private Schuldner Grüne Anleihen begeben haben, ist das Marktsegment stark gewachsen und hat nun eine gewisse Reife", beobachteh Brown.

Im vergangenen Jahr seien Grüne Anleihen in einem Gegenwert von 36,6, Milliarden US-Dollar emittiert worden - mehr als dreimal so viel wie im Jahr zuvor. Im laufenden Jahr habe sich dieser rasante Aufwärtstrend - anders als von vielen Experten erwartet - vorerst beruhigt. Das Ausgabevolumen habe sich statt im prognostizierten dreistelligen Bereich in etwa auf der Höhe des Vorjahres bewegt. "Zum Teil ist diese enttäuschende Entwicklung auf den Rückzug der internationalen Organisationen zurückzuführen", erläutere der BMO Global Asset Management-Experte. "Trotzdem hat sich der Markt im Jahresverlauf weiterentwickelt und die Emittentenlandschaft ist vielfältiger geworden." So könnten die Anleger zum Beispiel mittlerweile auch Anleihen aus den Emerging Markets, insbesondere aus China, kaufen und es würden Kommunen und Gebietskörperschaften als Emittenten am Markt auftreten. Gleichzeitig seien auch Anleihen ohne Investmentgrade-Qualität begeben worden.

"Auch die Laufzeiten sind länger geworden. Wesentlich mehr Papiere laufen heute zehn Jahre und länger", beobachte Michiel de Bruin, Head of Global Rates and Money Markets bei BMO Global Asset Management. "Für die kommenden Jahre erwarten wir eine Fortsetzung des stetigen Marktwachstums bei weiterer Diversifikation." Seinen Beobachtungen zufolge würden inzwischen jedoch immer mehr Anleger grüne Anleihen in ihr Portfolio aufnehmen wollen. "Zu deren wichtigsten Motiven zählen dabei der Wunsch nach einem Investment mit Umweltnutzen, die Verantwortung gegenüber den Stakeholdern und ein Anlageverhalten, das im Einklang mit den eigenen Grundsätzen steht", so de Bruin.

Nach wie vor umstritten sei jedoch die Frage, wie die "Grünheit" eines Projektes, das mit dem Erlös einer grünen Anleihe finanziert werde, nachvollziehbar bewertet werden und eine missbräuchliche Verwendung ausgeschlossen werden könne. Die Anfang 2014 eingeführten "Grundsätze für grüne Anleihen" (Green Bond Principles) würden zunächst definieren, wann genau eine Anleihe als grün gelte. Kern des Regelwerkes seien vier Grundsätze, die genaue Vorgaben zur Verwendung des Emissionserlöses, zum Procedere bei der Projektbewertung und -auswahl, dem Management des Emissionserlöses und zu der laufenden Berichterstattung des Emittenten machen würden.

"Zusätzlich wird eine externe Prüfung der Mittelverwendung empfohlen, damit diese vier Grundsätze auch eingehalten werden", so de Bruin. Allerdings würden die Grundsätze keine Kriterien vorgeben, mit denen zum Beispiel der Umweltnutzen oder der zusätzliche Gewinn durch die Projekte für die Umwelt gemessen werden könne.

"Wahrscheinlich ist daher eine sehr gründliche Analyse der tatsächlichen Auswirkungen finanzierter Projekte notwendig, wie sie zum Beispiel ein in diesem Bereich erfahrener Investor vornimmt, um deren ökologischen Nutzen zu erfassen", so Brown. "Aufbauend auf unserem Engagement im Bereich der sozialen, ökologischen und verantwortlichen Investment (ESG-Investments) haben wir daher einige Anregungen zur Weiterentwicklung grüner Anleihen begeben. Wir empfehlen zum Beispiel den Unternehmen, auf ihr Nachhaltigkeitsprofil zu achten und rechtzeitig zu reagieren, falls man ihnen vorwirft, sich nur ein grünes Image zulegen zu wollen." (25.01.2016/alc/a/a)