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Green Bonds und nachrangige Anleihen im Visier


05.11.25 09:30
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Beim Investieren in die globalen Anleihenmärkte ergeben sich auch unter nachhaltigen Gesichtspunkten vielfältige Möglichkeiten, so Samuel Manser, Portfolio Manager für Anleihefonds, Swisscanto/Zürcher Kantonalbank.

Prädestiniert seien hier nach Meinung der Experten Green Bonds. Während bei der international anerkannten Benchmark ‚ICE BofA Global Corporate Index‘ rund fünf Prozent auf Green Bonds entfielen, könnten in Portfolios von nachhaltigen Anleihenfonds Anteile von bis zu 20 Prozent Sinn machen. Insbesondere Versorger und Banken gehörten zu den Emittenten von Green Bonds. Interessant seien regelmäßig Neuemissionen. Entsprechend komme diesem Faktor eine große Rolle zu.

Des Weiteren könnten sich nachrangige Anleihen als interessant erweisen, zu denken sei an hybride Unternehmensanleihen (Corporate Hybrids) und nachrangige Finanzanleihen. Bei diesen Anleihengattungen gelte es, das Kreditrisiko sehr genau zu steuern und die vorhandenen Chancen defensiv zu nutzen. Wichtig sei: die Schuldner müssten solide sein. Und davon gebe es auch im Bereich der Nachranganleihen erfreulicherweise eine hohe Anzahl.

Der Investmentprozess solle Nachhaltigkeit und Performance vereinen. Angewendet auf ein Ausgangsuniversum wie die Benchmark ICE BofA Global Corporate Index mit rund 2.400 Emittenten könne das bedeuten, dass nach Anwendung von Ausschlusskriterien, einem ‚Positive Screening‘ mit Fokus auf nachhaltig wirtschaftende Unternehmen und Green Bonds sowie der Kreditanalyse und Portfoliokonstruktion nur wenige Hundert Emittenten übrigblieben.

Kämen wir zum Marktgeschehen: Es gebe viele Faktoren, die nach Meinung der Experten für eine Fortsetzung der freundlichen Marktentwicklung der vergangenen Monate sprächen. Die Wirtschaft wachse moderat, die kurzfristigen Zinsen seien auf einem Absenkpfad, der fiskalische Stimulus sei ununterbrochen und nehme in Europa noch zu, und sowohl Firmen als auch Konsumenten wiesen solide Bilanzen auf. Positiv falle mir auch auf, dass die Investoren nicht euphorisch seien und ihre Positionierung nicht extrem sei. Dazu komme eine reichlich vorhandene Liquidität, mit Rekordbeständen, die im Geldmarkt geparkt seien.

Es gebe nach Erachten der Experten aber auch Argumente für eine fällige Korrektur. Der Handelskrieg und die erratische Politik des Weißen Hauses hätten bis jetzt bemerkenswert wenige Auswirkungen auf Investitionen, Konsum und Inflation gehabt. Aber diese könnten noch mit Verzögerung auftreten. Vor allem ein Aufflackern der Inflation in Kombination mit einer Abschwächung des Arbeitsmarktes könne die US Fed vor ein Dilemma stellen. Dazu komme, dass ein immer größerer Anteil am Wirtschaftswachstum von Investitionen in die digitale Infrastruktur stamme, die auf absehbare Zeit keine Einkünfte generieren würden. Das Investitionsvolumen in den Bau von Datenzentren habe in den USA mittlerweile dasjenige für den Bau von Bürogebäuden übertroffen.

Generell gelte: Die Bewertungen von Unternehmensanleihen erschienen nicht mehr günstig. Solide Unternehmens-Ergebnisse und eine weiterhin hohe Nachfrage nach Unternehmensanleihen sendeten nach Erachten der Experten jedoch positive Signale. Derzeit bevorzuge ich weiterhin nachrangige Anleihen von soliden und nachhaltigen Investment-Grade-Emittenten und halte an einer defensiven Sektorpositionierung fest. Es empfehle sich eine vorsichtige Positionierung, beispielsweise in den Bereichen Gesundheit, Technologie und Finanzen, sowie etwa ein weitgehender Ausschluss des Energiesektors. Ebenfalls erscheine den Experten weiterhin eine Untergewichtung in Schwellenländer-Anleihen (EMD) angezeigt. (05.11.2025/alc/a/a)