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Green Bonds: Warum 2019 "grün" wird


07.02.19 11:00
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Seit Auflegung des ersten Green Bonds im Jahr 2007 ist der Markt für grüne Anleihen exorbitant gewachsen, so die Experten von AXA Investment Managers.

Die Zahl der Emissionen habe sich seit 2015 jedes Jahr verdoppelt. Anfang 2018 habe sich diese Dynamik jedoch verloren - die Schätzungen der Climate Bond Inititative (CBI) seien im vergangenen Jahr nicht erreicht worden. Doch es gebe auch gute Nachrichten. Anders als 2017 seien die Emissionen grüner Anleihen im vergangenen Jahr stabil gewesen, und der Quotient aus Zeichnungswünschen und Emissionen sei recht hoch geblieben.

"Die Nachfrage nach Green Bonds hält weiter an, selbst in turbulenten Zeiten", schlussfolgere Johann Plé, Portfoliomanager bei AXA Investment Managers. So sei das Emissionsvolumen um 45 Prozent gestiegen, und auch neue staatliche Emittenten seien an den Markt gegangen, beispielsweise Indonesien, Irland und Belgien. Darüber hinaus seien im vergangenen Jahr neben Staatsanleihen auch etwa 23 Prozent der Neuemissionen aus dem Finanzsektor gekommen. Das sei ein Anstieg um fast 60 Prozent mehr als noch 2017.

Das Jahr 2018 sei von einem schwierigen Marktumfeld geprägt gewesen. Die Unterstützung der Notenbanken habe nachgelassen, die Europäische Zentralbank habe das Ende ihrer quantitativen Lockerung bekannt gegeben, und die FED habe ihren Leitzins viermal erhöht. Dies und die instabile politische Weltlage aufgrund der andauernden Brexit-Verhandlungen, der Handelskonflikte und der politischen Unsicherheit in Italien hätten die Risikobereitschaft gedämpft und für hohe Mittelabflüsse aus den meisten Assetklassen gesorgt. Entsprechend stark seien die Emissionsvolumina zurückgegangen. Für Emittenten sei die Situation nicht einfacher geworden.

Die größte Enttäuschung 2018 hätten die Emissionen von Unternehmen dargestellt: Sie seien um 10 Prozent zurückgegangen. "Dies zeigt, dass viele bisherige Emittenten grüner Anleihen nicht erneut an den Markt gingen. Es gilt aber auch zu bedenken, dass es für ein Industrieunternehmen teuer und zeitaufwendig ist, die Voraussetzungen für die Emission grüner Anleihen zu schaffen. Emittenten, die diese ersten Herausforderungen gemeistert haben, dürften auch in Zukunft grüne Anleihen begeben", so Plé weiter.

Der Experte rechne damit, dass 2019 staatliche Emittenten wie die Niederlande grüne Anleihen auf den Markt bringen könnten. "Dies und die vielen geplanten Neuemissionen von Unternehmen, etwa aus dem Automobil- und dem Telekommunikationssektor, könnten für hohes Wachstum sorgen", sage Plé.

Darüber hinaus hätten sich die Voraussetzungen für die Emission grüner Anleihen verbessert: Die Emittenten würden ihr Berichtswesen ausbauen und transparenter über die Mittelverwendung informieren. "Natürlich ist uns bewusst, dass wir von einem internationalen Standard für grüne Anleihen noch weit entfernt sind. Allerdings entwickelt sich der Markt in die richtige Richtung. Für dieses Jahr wird allgemein mit europäischen Regeln für grüne Anleihen gerechnet. Dann könnte der Markt für Investoren zugänglicher werden, und Neuemissionen würden leichter fallen", sage der Experte.

2018 seien die Erwartungen der Investoren oft nicht erfüllt worden. Dennoch blicke Plé hinsichtlich des Marktwachstums von grünen Anleihen optimistisch in die Zukunft: Der Markt für grüne Anleihen umfasse heute ein Volumen von 240 Milliarden US-Dollar und dank einer verbesserten Länder- und Sektordiversifikation falle es ihm leichter, ohne Verzerrungen des Risiko-Ertrags-Profils Neuemissionen aufzunehmen. "Der Markt für Green Bonds wird somit stabiler und gleicht mehr und mehr dem klassischen Anleihemarkt. Und da das Klimabewusstsein wächst, können wir darauf vertrauen, dass 2019 ein grünes Jahr sein wird - und dass mehr grüne Anleihen begeben werden als in den Jahren zuvor", schließe Plé. (07.02.2019/alc/a/a)