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Globale Anleihenmärkte: Einschätzung aktueller Lage


29.04.14 15:19
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Eines der zentralen Themen ist seit Mitte letzten Jahres die restriktiver werdende Vorgehensweise der US-Notenbank Federal Reserve (FED), berichten die Experten von Franklin Templeton.

Dabei sei für die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft und der Finanzmärkte nicht nur der physische US-Dollar wichtig, der gedruckt werde. Sondern es gehe auch darum, was mit dem gedruckten US-Dollar geschehe - um die Bewegung des Geldes. Wenn heute ein US-Dollar gedruckt werde, wirke sich das auf vielerlei Weise aus. Er werde über das Banksystem weiterverliehen. Die globale Entschuldung habe diese Bewegung des Geldes zum Stillstand gebracht. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis das Banksystem wieder zu funktionieren beginne. Vielleicht noch nicht in diesem oder im nächsten Jahr, aber im Laufe der nächsten Jahre werde das Banksystem wieder beginnen, diese massive Liquidität weiterzuverleihen.

Drosselung bedeute, es werde nicht mehr so viel Geld gedruckt. Aber die Liquidität, die bereits bestehe, sei historisch gesehen immer noch massiv. Es sei auch wichtig, sich die beiden größten Notenbanken, die Geld drucken würden, in Japan und den USA anzuschauen. Während also die USA planen würden, nicht noch eine Billion US-Dollar zu drucken, komme Japan und beschließe, eine Billion US-Dollar zu drucken. Insgesamt werde über die nächsten Jahre, trotz der Drosselung der FED, die Liquidität steigen.

Interessant sei auch: Japan drucke zwar eine ungeheure Menge Geld. Das bleibe aber nicht in Japan. Es fließe in alle Welt. Spreche man mit japanischen Banken, erfahre man, dass diese ihre Anlagen in Schwellenmärkten, in den USA, grundsätzlich überall in der Welt erhöhen würden, da die Situation in Japan nach wie vor problematisch sei. Wenn also Japan Geld drucke, fließe es weltweit. Während sich der Großteil der Marktteilnehmer auf die Drosselung der FED konzentriere, bleibe die aktuelle und zukünftige Geldpolitik Japans mitsamt ihren weltweiten Auswirkungen häufig unberücksichtigt.

Zu den Hauptbetroffenen der Geldpolitik der großen Notenbanken würden die Emerging Markets gehören. In den letzten Jahren seien große Mengen der weltweiten Liquidität in die aufstrebenden Regionen geflossen. Investitionen und steigende Börsenkurse seien unter anderem die Folgen gewesen. Eine Drosselung der lockeren Geldpolitik sollte daher drastische Auswirkungen auf die Schwellenländer haben - sollte man meinen. Doch im Gegensatz zu früher würden zahlreiche dieser Länder heute über gewaltige Devisenreserven verfügen, die eine Art Versicherung, bzw. Puffer, gegen Kapitalzuflüsse und -abflüsse bilden würden. Die betroffenen Länder würden dadurch eine ungeheure Flexibilität erhalten, auf globale Störungen zu reagieren. Schwellenländer stünden somit ganz anders da als noch vor wenigen Jahren. Anleger sollten daher nicht einheitlich pessimistisch sein, sondern die Schwellenmärkte selektiv betrachten.

Ein anderer Faktor, der für die Schwellenländer spreche und gerne übersehen werde, sei, dass diese Länder nicht mehr wie vor einem oder zwei Jahrzehnten stark verschuldet seien. Aufgrund einer umsichtigen Finanzpolitik im letzten Jahrzehnt hätten Schwellenländer im Großen und Ganzen keine riesigen Staatsschulden mehr. Anders als in den Industriemärkten, wo das Motto laute: Ausgeben, ausgeben, ausgeben, herrsche in den Schwellenmärkten aufgrund der Krisen der Vergangenheit eine Disziplin, Volkswirtschaften nicht zu hoch zu verschulden. Das biete ihnen ebenfalls Flexibilität für die Zukunft.

Was das Wirtschaftswachstum der Emerging Markets betreffe, gebe es viele offene Fragen. Die Prognosen würden allgemein einen Rückgang anzeigen. Aber selbst das pessimistischste IWF-Szenario weise immer noch ein Schwellenmarktwachstum von mehr als 5% auf. Es handle sich somit nicht um einen drastischen Konjunkturrückgang, sondern um eine Mäßigung. In vielen Ländern könne man auch schon eine Trendumkehr beobachten. So habe beispielsweise in Zentraleuropa, Polen und Ungarn der Zyklus im vergangenen Jahr die Talsohle erreicht und ziehe nun wieder an.

Keine Konjunkturzahlen würden allerdings so genau beobachtet wie aus China. Ein großer Teil des Weltwirtschaftswachstums stehe und falle mit der Entwicklung der Volksrepublik. Hart gesagt: Wenn China den Bach runter gehe, gehe alles den Bach runter. Aktuell würden negative Schlagzeilen die Berichterstattung aus China dominieren. Sei es das langsamere Wirtschaftswachstum, Aufregung um Vermögensverwaltungsprodukte oder die bekannten Geisterstädte, in denen keiner lebe. Umso wichtiger sei es, sich ein eigenes Bild vor Ort zu machen, um zwischen den Nachrichten und dem, was wirklich vor sich gehe, zu unterscheiden.

Man stelle sich die Frage, woher das Wachstum von 7,0% bis 7,5% in China komme. Rund zwei Drittel des Wachstums kämen seit einigen Jahren von einem beständigen Konsum. Der Konsum in China liege bei etwa 4% bis 5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Bei Betrachtung des Investitionsniveaus der letzten Jahre werde klar, dass es niedriger liegen müsse. Nehme man also die bisherigen Investitionen und halbiere sie, erhalte man immer noch zusammen mit dem Konsum ein Wachstum von 7,0% bis 7,5%. Allein diese simple Rechnung gebe das Vertrauen darauf, dass das Land in der Lage sein werde, seine Wachstumsziele auch während der nächsten Jahre zu erreichen.

Der Rückgang der Investitionen sei dabei nicht negativ zu sehen, sondern als ein gesunder Faktor. Es habe zu viele Investitionen in geringer Qualität gegeben. Jetzt würden die Finanzierungskosten in die Höhe gehen. Die Qualität der Investitionen werde sich also verbessern, obwohl das Volumen viel niedriger liege. Vor allem im Rahmen der Urbanisierung werde es in den nächsten Jahren große Infrastrukturinvestitionen geben. Der andere Treiber für das Wachstum in China sei der Binnenverbrauch.

Während der vergangenen 20 Jahre, beginnend mit den Reformen 1979, die zu einer Liberalisierung Chinas geführt hätten, habe es ein massives Wachstum ohne echten Nutzen für die Arbeiter gegeben. Die Einkommen hätten sich mehr oder weniger neutral entwickelt. In den letzten fünf Jahren habe sich das zu ändern begonnen. Das jährliche Wachstum der Löhne und Gehälter in China liege heute, je nach Stadt, bei 10 bis 20 Prozentpunkten.

Ein Risiko, über das in den letzten Wochen regelmäßig in Nachrichten über China berichtet worden sei, sei die angebliche Gefahr, die aus dem so genannten Schattenbanksystem ausgehen solle. Schattenbanken seien Banken bzw. Kreditinstitute, die bankähnliche Geschäfte betreiben würden, ohne einer staatlichen Regulierung zu unterliegen, und somit auch nicht über einen Einlagenschutz verfügen würden oder Zugang zur Zentralbank hätten.

Großzügig gerechnet liege in China das Volumen dieser Banken zwischen 5% und 25% des BIP. Das zeigt, so problematisch einige dieser Probleme in diesem Sektor auch sein mögen, als Anteil an der Gesamtwirtschaft sind sie immer noch bewältigbar, so die Experten von Franklin Templeton. Vor allem bei einer Wirtschaft, die mit 7% wachse, und einer Notenbank, die über Reserven von über 2 Bio. US-Dollar verfüge und das gesamte System mehrmals rekapitalisieren könne. Positiv sei außerdem, die Behörden würden gegen dieses Schattenbanksystem recht harsch und frühzeitig vorgehen.

Man stelle sich die Frage, was das für Anleger bedeute, was man in einem Klima tun solle, in dem nur noch die Notenbank Schatzanleihen kaufe, sie die Ankäufe aber zurückfahren müsse und was man bei uneinheitlichen Schwellenmärkten tun solle. Doch die wichtigste Frage laute: Wie erhalte man das Kapital und verdiene Geld in einem Klima steigender Zinsen? In den letzten 10 bis 20 Jahren hätten Anleger Geld verdient, indem sie Anleihen gekauft hätten und sie dann hätten liegen lassen. Das funktioniere heute nicht mehr. Ein passiver Indexfonds in Anleihen werde fast sicher Geld verlieren.

Die vorrangige Aufgabe bei Franklin Templeton laute daher, in einem Klima, in dem sich die meisten Anleihenfonds negativ entwickeln würden, Kapitalerhalt. Dazu solle mit einem aktiven Portfoliomanagement eine positive Rendite erzielt werden. Um dies zu erreichen, sei das Portfolio konsequent in sehr kurze Laufzeiten investiert. Damit solle sichergestellt werden, dass, wenn die Zinsen steigen würden, kein Geld verloren werde. (Ausgabe Mai 2014) (29.04.2014/alc/a/a)