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Gewinne vs. Zinsen - Das Tauziehen am Markt
02.05.18 10:45
Neuberger Berman
New York (www.anleihencheck.de) - Joseph V. Amato, Vorsitzender und Chief Investment Officer - Equities beim unabhängigen Asset Manager Neuberger Berman, kommentiert aktuell im Wochen-Blog "CIO Perspektives" die Entwicklungen der Finanzmärkte weltweit.
Letzte Woche habe es große Neuigkeiten an den Anleihemärkten gegeben, als die 10-jährige Rendite der US-Treasuries 3% überschritten habe. Es sei auch eine wichtige Woche gewesen bezüglich der Unternehmensergebnisse für das erste Quartal mit über 180 S&P 500-Unternehmen und mehr als 120 STOXX 600-Unternehmen, die berichtet hätten, darunter Alphabet/Google, Facebook, Amazon, Caterpillar, Exxon, Volkswagen, Total und Shell.
Die Aktienmarktbewertungen befänden sich derzeit im Tauziehen zwischen diesen beiden Kräften. Bisher habe die Gewinnsaison die Erwartungen übertroffen, aber würden die Märkte am Ende ein robustes Wachstum einpreisen oder eher die potenziell negativen Auswirkungen der angespannten Finanzlage?
Am vergangenen Dienstag habe die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren 3% überschritten. Der Markt habe auch seine Erwartungen für Zinserhöhungen der Federal Reserve nach oben korrigiert. Steigende Zinssätze seien ein kritisches Thema bei der Bewertung von Aktien, da sie sich auf die Diskontsätze für künftige Erträge auswirken würden. Auch könnten sie die Erträge selbst beeinflussen, indem sie die Finanzierungskosten erhöhen und die Investitionen der Unternehmen ersticken würden. Das deute darauf hin, dass höhere Kurse zu niedrigeren Bewertungen führen sollten.
In der Vergangenheit, als die 10-Jahres-Rendite in den USA unter 5% gelegen habe, seien die Zinserhöhungen tatsächlich positiv mit den US-Aktienkursen und den Kurs-Gewinn-Multiplikatoren korreliert gewesen. Das sei nicht so abwegig, wie es scheine: Die Zinsen würden tendenziell mit zunehmender Konjunktur steigen, wenn die Anleger steigende Erträge erwarten würden und die Stimmung positiv sei.
Ein effektiver FED-Leitzins von 1,5% bis 2,0% und eine 10-jährige Rendite von 3% scheinen ein kaum vorstellbares Hindernis für Unternehmensinvestitionen zu sein, insbesondere vor dem Hintergrund der Konjunkturmaßnahmen in den USA, so die Experten von Neuberger Berman.
Nichtsdestotrotz gebe es irgendwo einen Pinch-Point und in diesem Zyklus werde er nicht bei 5% für die 10-jährige Anleihe liegen. Sollte die FED in den nächsten ein bis zwei Jahren die Leitzinsen deutlich über die Erwartungen anheben, sehe man einen enormen Druck auf die Aktienbewertungen.
Wenn an einem Ende des Stranges die Unsicherheit über die Kurse liegt, haben wir am anderen Ende die Ergebnisberichte des ersten Quartals, so die Experten von Neuberger Berman. Im Allgemeinen seien es solide Berichte mit starken Zahlen gewesen.
Es stimme, dass Analysten und Investoren Grund zur Besorgnis hätten, wenn sie über die aktuellen Zahlen hinaus auf die Vorsagen schauen würden. Besonders die Aktie von Caterpillar, die oft stellvertretend für den Zustand der globalen Industrie angesehen werde, habe hart nach einem sehr volatilen Tag geschlossen, als ihr Bericht die guten Daten für das erste Quartal mit einer Warnung verbunden habe, dass dies der "Höchststand" für 2018 gewesen sein könnte.
Anleger, die die jüngsten dramatischen Einschnitte bei den europäischen Wirtschaftsdaten gesehen hätten, würden befürchten, dass der globale Konjunkturzyklus weiter fortgeschritten und die Kapazität für schmerzfreie Zinserhöhungen viel geringer sei, als sie gedacht hätten.
Hier helfe die Perspektive. Der aktuelle europäischen Purchasing Managers Index (PMI) zeige eine Stabilisierung und die EZB-Kreditumfrage der vergangenen Woche habe ergeben, dass sich die Kreditvergabe im Euroraum deutlich entspannt habe. Mario Draghi habe den Euro nach oben gedrückt, als er "unverändertes Vertrauen" in die Erreichung des Inflationsziels der EZB trotz "Verlust der Dynamik" bei einigen Wirtschaftsdaten zum Ausdruck gebracht habe. In den USA bleibe das Konjunkturbild noch stärker, gestützt durch einen Aufwärtstrend bei den Umfragen zum Verbrauchervertrauen.
Kurzum, wir glauben, dass es in diesem Konjunkturzyklus noch Bewegung gibt, so die Experten von Neuberger Berman. Treasuries würden keine Safe-Haven Ströme anziehen, wenn die Aktienmärkte boomen würden, was auf Vertrauen in das zugrunde liegende Wachstum und die Inflationserwartungen schließen lasse. Dies stütze die Vorstellung, dass die Zinsen steigen könnten, bevor sie die Wirtschaftsaktivitäten verlangsamen würden.
In diesem Handelsumfeld seien Seitwärtsbewegungen üblich, da Investoren einige Quartale benötigen würden, um herauszufinden, wo der Pinch-Point bei den Zinsen liegen könnte und ob das jüngste Gewinnwachstum nachhaltig sei. Dieses Tauziehen zwischen Gewinnen und Zinsen beobachten wir sehr genau, so die Experten von Neuberger Berman. (02.05.2018/alc/a/a)
Letzte Woche habe es große Neuigkeiten an den Anleihemärkten gegeben, als die 10-jährige Rendite der US-Treasuries 3% überschritten habe. Es sei auch eine wichtige Woche gewesen bezüglich der Unternehmensergebnisse für das erste Quartal mit über 180 S&P 500-Unternehmen und mehr als 120 STOXX 600-Unternehmen, die berichtet hätten, darunter Alphabet/Google, Facebook, Amazon, Caterpillar, Exxon, Volkswagen, Total und Shell.
Die Aktienmarktbewertungen befänden sich derzeit im Tauziehen zwischen diesen beiden Kräften. Bisher habe die Gewinnsaison die Erwartungen übertroffen, aber würden die Märkte am Ende ein robustes Wachstum einpreisen oder eher die potenziell negativen Auswirkungen der angespannten Finanzlage?
Am vergangenen Dienstag habe die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren 3% überschritten. Der Markt habe auch seine Erwartungen für Zinserhöhungen der Federal Reserve nach oben korrigiert. Steigende Zinssätze seien ein kritisches Thema bei der Bewertung von Aktien, da sie sich auf die Diskontsätze für künftige Erträge auswirken würden. Auch könnten sie die Erträge selbst beeinflussen, indem sie die Finanzierungskosten erhöhen und die Investitionen der Unternehmen ersticken würden. Das deute darauf hin, dass höhere Kurse zu niedrigeren Bewertungen führen sollten.
In der Vergangenheit, als die 10-Jahres-Rendite in den USA unter 5% gelegen habe, seien die Zinserhöhungen tatsächlich positiv mit den US-Aktienkursen und den Kurs-Gewinn-Multiplikatoren korreliert gewesen. Das sei nicht so abwegig, wie es scheine: Die Zinsen würden tendenziell mit zunehmender Konjunktur steigen, wenn die Anleger steigende Erträge erwarten würden und die Stimmung positiv sei.
Ein effektiver FED-Leitzins von 1,5% bis 2,0% und eine 10-jährige Rendite von 3% scheinen ein kaum vorstellbares Hindernis für Unternehmensinvestitionen zu sein, insbesondere vor dem Hintergrund der Konjunkturmaßnahmen in den USA, so die Experten von Neuberger Berman.
Wenn an einem Ende des Stranges die Unsicherheit über die Kurse liegt, haben wir am anderen Ende die Ergebnisberichte des ersten Quartals, so die Experten von Neuberger Berman. Im Allgemeinen seien es solide Berichte mit starken Zahlen gewesen.
Es stimme, dass Analysten und Investoren Grund zur Besorgnis hätten, wenn sie über die aktuellen Zahlen hinaus auf die Vorsagen schauen würden. Besonders die Aktie von Caterpillar, die oft stellvertretend für den Zustand der globalen Industrie angesehen werde, habe hart nach einem sehr volatilen Tag geschlossen, als ihr Bericht die guten Daten für das erste Quartal mit einer Warnung verbunden habe, dass dies der "Höchststand" für 2018 gewesen sein könnte.
Anleger, die die jüngsten dramatischen Einschnitte bei den europäischen Wirtschaftsdaten gesehen hätten, würden befürchten, dass der globale Konjunkturzyklus weiter fortgeschritten und die Kapazität für schmerzfreie Zinserhöhungen viel geringer sei, als sie gedacht hätten.
Hier helfe die Perspektive. Der aktuelle europäischen Purchasing Managers Index (PMI) zeige eine Stabilisierung und die EZB-Kreditumfrage der vergangenen Woche habe ergeben, dass sich die Kreditvergabe im Euroraum deutlich entspannt habe. Mario Draghi habe den Euro nach oben gedrückt, als er "unverändertes Vertrauen" in die Erreichung des Inflationsziels der EZB trotz "Verlust der Dynamik" bei einigen Wirtschaftsdaten zum Ausdruck gebracht habe. In den USA bleibe das Konjunkturbild noch stärker, gestützt durch einen Aufwärtstrend bei den Umfragen zum Verbrauchervertrauen.
Kurzum, wir glauben, dass es in diesem Konjunkturzyklus noch Bewegung gibt, so die Experten von Neuberger Berman. Treasuries würden keine Safe-Haven Ströme anziehen, wenn die Aktienmärkte boomen würden, was auf Vertrauen in das zugrunde liegende Wachstum und die Inflationserwartungen schließen lasse. Dies stütze die Vorstellung, dass die Zinsen steigen könnten, bevor sie die Wirtschaftsaktivitäten verlangsamen würden.
In diesem Handelsumfeld seien Seitwärtsbewegungen üblich, da Investoren einige Quartale benötigen würden, um herauszufinden, wo der Pinch-Point bei den Zinsen liegen könnte und ob das jüngste Gewinnwachstum nachhaltig sei. Dieses Tauziehen zwischen Gewinnen und Zinsen beobachten wir sehr genau, so die Experten von Neuberger Berman. (02.05.2018/alc/a/a)


