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Get Shorty: Chancen am kurzen Ende der Zinskurve
10.03.21 11:15
State Street Global Advisors
Boston (www.anleihencheck.de) - Das bisherige Jahr war für festverzinsliche Anleger eher beschwerlich, so die Experten von State Street Global Advisors in ihrem aktuellen "SPDR Strategie Espresso".
Der Anstieg der Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen um etwa 70 Basispunkte habe sich für die meisten festverzinslichen Anlagen als große Belastung erwiesen. Darüber hinaus sei es keineswegs klar, dass der Ausverkauf beendet sei. Während der ersten drei Phasen der quantitativen Lockerung (QE) in den USA sei es zu drei aggressiven Ausverkäufen von Anleihen gekommen, die im Durchschnitt 21 Wochen angedauert und einen Anstieg der Rendite von 10-jährigen Staatsanleihen um 140 Basispunkte mit sich gebracht hätten.
Da die Zentralbanken bereits stark in die Finanzmärkte involviert seien, könnten sie einen Grund sehen, sich gegen alles zu wehren, was einer Anleihenflucht ähnele. Dennoch könnte es für Anleger ratsam sein, defensivere Anleihepositionen im kürzeren Teil der Kurve einzunehmen. Im aktuellen Umfeld sähen die Experten von State Street Global Advisors drei Gründe, die für den vorderen Teil der Kurve sprächen:
1. Die Zentralbanken seien noch weit von einer Zinserhöhung entfernt
Die US-Notenbank (FED) habe sieben Jahre für ihren ersten Zinsschritt nach der globalen Finanzkrise gebraucht und die Straffung sei schrittweise erfolgt. Dennoch preise der Markt für Overnight-Index-Swaps derzeit 50 Basispunkte für eine Zinserhöhung in zwei Jahren und 100 Basispunkte in drei Jahren ein. Kurz gesagt, der Markt habe bereits eine ziemlich aggressive Straffung der Geldpolitik für eine Zentralbank eingepreist, die ihre Inflationsängste deutlich heruntergespielt habe. Dies sollte die Gefahr eines weiteren Ausverkaufs am vorderen Endes begrenzen, selbst bei robusten Wirtschaftszahlen, und somit Anleihen mit kürzerer Laufzeit schützen.
2. Verkürzung des Durationsrisikos
Die Reduzierung der Preissensibilität eines Portfolios gegenüber steigenden Renditen sei eine wichtige defensive Strategie für festverzinsliche Anleger. Niedrige Renditen und bis vor kurzem flache Kurven hätten dazu geführt, dass die Schuldnerverwaltungsgesellschaften die Emission von Anleihen in Richtung längerer Anleihen verschoben hätten. Dies habe zusammen mit der Verschiebung nach unten bei den Renditen dazu geführt, dass sich die Duration der Anleihenindices verlängert habe. Zum Beispiel habe sich die Duration des Bloomberg Barclays Euro Aggregate: Treasury Index in den letzten fünf Jahren um 1,4 Jahre verlängert.
Während dieses Zeitraums habe sich das Verhältnis der Preissensitivität gegenüber dem kürzeren Bloomberg Barclays Euro Aggregate: Treasury 1-3 Year Index vom 3,8Fachen auf das 4,5Fache erhöht. Diese zusätzliche Duration zu tragen, könne in einem Umfeld steigender Renditen teuer werden, was Strategien, die in den kürzeren Teil der Kurve umschichten würden, um das Durationsrisiko zu reduzieren, attraktiver mache.
3. Der Ausverkauf habe die Rendite wieder etwas erhöht
Ein Hauptargument gegen Investitionen in den kurzen Teil der Kurve sei gewesen, dass es sich nicht nur um ein Umfeld mit niedrigen, sondern mit keinen Renditen handle. Der jüngste Ausverkauf habe dem kurzen Ende jedoch wieder einen gewissen Wert verliehen.
Eine der extremeren Bewegungen habe am vorderen Ende der Gilt-Kurve stattgefunden, wo der Impfimpuls die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zu etwas, das der Normalität der britischen Wirtschaft ähnele, geweckt habe. Infolgedessen habe sich der Bloomberg Barclays UK Gilt 1-5 Year Index von einer Rendite von -10 Basispunkten zu Beginn des Jahres auf derzeit +15 Basispunkte bewegt. Das sei zwar nicht viel, stelle aber einen bedeutenden Anstieg gegenüber den 5 Basispunkten dar, die der SONIA-Tagesgeldsatz biete. Der Tagesgeldsatz stelle den typischen Zinssatz dar, der für bei Banken gelagertes Geld gezahlt werde, sodass dies ein klares Beispiel dafür sei, wie kurzfristige Gelder genutzt werden könnten, um die Auswirkungen des "Cash Drag" auf Portfolios zu reduzieren.
Anleihen mit kurzer Laufzeit seien eine defensive Strategie für das aktuelle reflationäre Umfeld, aber sie könnten auch renditesteigernd sein. In Bezug auf die Rendite bis zum schlechtesten Wert bei bestimmten wichtigen Indices für Anleihen mit kurzer Laufzeit und wie sich dies auf das Durationsrisiko beziehe, würden der Bloomberg Barclays US High Yield 0-5 Year (ex 144A) Index und der ICE BoA 0-5 Year Emerging Market USD Index hervorstechen, da sie eine hohe Rendite bei relativ niedriger Duration bieten würden. Natürlich hätten diese Indices ganz andere Risikomerkmale als Investment-Grade-Engagements, aber die höheren Zinsen würden auch Schutz vor steigenden Basiswerten bieten. Insbesondere US-Hochzinsanleihen mit einer optionsbereinigten Duration von 1,84 und einer Rendite von 3,73% könnten einen Ausverkauf von etwa 200 Basispunkten verkraften, bevor die Kursverluste der zugrunde liegenden Position den Kupon ausgleichen würden.
Tatsächlich seien Hochzinsanleihen eine der wenigen festverzinslichen Strategien, die im bisherigen Jahresverlauf positive Renditen erzielt hätten, was zum Teil auf die Nachfrage der Anleger nach Verzinsung zurückzuführen sei, aber auch darauf, dass der starke reflationäre Hintergrund letztlich eine Verbesserung der Kreditqualität der Anleihen unterstützen sollte. (Ausgabe vom 09.03.2021) (10.03.2021/alc/a/a)
Der Anstieg der Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen um etwa 70 Basispunkte habe sich für die meisten festverzinslichen Anlagen als große Belastung erwiesen. Darüber hinaus sei es keineswegs klar, dass der Ausverkauf beendet sei. Während der ersten drei Phasen der quantitativen Lockerung (QE) in den USA sei es zu drei aggressiven Ausverkäufen von Anleihen gekommen, die im Durchschnitt 21 Wochen angedauert und einen Anstieg der Rendite von 10-jährigen Staatsanleihen um 140 Basispunkte mit sich gebracht hätten.
Da die Zentralbanken bereits stark in die Finanzmärkte involviert seien, könnten sie einen Grund sehen, sich gegen alles zu wehren, was einer Anleihenflucht ähnele. Dennoch könnte es für Anleger ratsam sein, defensivere Anleihepositionen im kürzeren Teil der Kurve einzunehmen. Im aktuellen Umfeld sähen die Experten von State Street Global Advisors drei Gründe, die für den vorderen Teil der Kurve sprächen:
1. Die Zentralbanken seien noch weit von einer Zinserhöhung entfernt
Die US-Notenbank (FED) habe sieben Jahre für ihren ersten Zinsschritt nach der globalen Finanzkrise gebraucht und die Straffung sei schrittweise erfolgt. Dennoch preise der Markt für Overnight-Index-Swaps derzeit 50 Basispunkte für eine Zinserhöhung in zwei Jahren und 100 Basispunkte in drei Jahren ein. Kurz gesagt, der Markt habe bereits eine ziemlich aggressive Straffung der Geldpolitik für eine Zentralbank eingepreist, die ihre Inflationsängste deutlich heruntergespielt habe. Dies sollte die Gefahr eines weiteren Ausverkaufs am vorderen Endes begrenzen, selbst bei robusten Wirtschaftszahlen, und somit Anleihen mit kürzerer Laufzeit schützen.
2. Verkürzung des Durationsrisikos
Während dieses Zeitraums habe sich das Verhältnis der Preissensitivität gegenüber dem kürzeren Bloomberg Barclays Euro Aggregate: Treasury 1-3 Year Index vom 3,8Fachen auf das 4,5Fache erhöht. Diese zusätzliche Duration zu tragen, könne in einem Umfeld steigender Renditen teuer werden, was Strategien, die in den kürzeren Teil der Kurve umschichten würden, um das Durationsrisiko zu reduzieren, attraktiver mache.
3. Der Ausverkauf habe die Rendite wieder etwas erhöht
Ein Hauptargument gegen Investitionen in den kurzen Teil der Kurve sei gewesen, dass es sich nicht nur um ein Umfeld mit niedrigen, sondern mit keinen Renditen handle. Der jüngste Ausverkauf habe dem kurzen Ende jedoch wieder einen gewissen Wert verliehen.
Eine der extremeren Bewegungen habe am vorderen Ende der Gilt-Kurve stattgefunden, wo der Impfimpuls die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zu etwas, das der Normalität der britischen Wirtschaft ähnele, geweckt habe. Infolgedessen habe sich der Bloomberg Barclays UK Gilt 1-5 Year Index von einer Rendite von -10 Basispunkten zu Beginn des Jahres auf derzeit +15 Basispunkte bewegt. Das sei zwar nicht viel, stelle aber einen bedeutenden Anstieg gegenüber den 5 Basispunkten dar, die der SONIA-Tagesgeldsatz biete. Der Tagesgeldsatz stelle den typischen Zinssatz dar, der für bei Banken gelagertes Geld gezahlt werde, sodass dies ein klares Beispiel dafür sei, wie kurzfristige Gelder genutzt werden könnten, um die Auswirkungen des "Cash Drag" auf Portfolios zu reduzieren.
Anleihen mit kurzer Laufzeit seien eine defensive Strategie für das aktuelle reflationäre Umfeld, aber sie könnten auch renditesteigernd sein. In Bezug auf die Rendite bis zum schlechtesten Wert bei bestimmten wichtigen Indices für Anleihen mit kurzer Laufzeit und wie sich dies auf das Durationsrisiko beziehe, würden der Bloomberg Barclays US High Yield 0-5 Year (ex 144A) Index und der ICE BoA 0-5 Year Emerging Market USD Index hervorstechen, da sie eine hohe Rendite bei relativ niedriger Duration bieten würden. Natürlich hätten diese Indices ganz andere Risikomerkmale als Investment-Grade-Engagements, aber die höheren Zinsen würden auch Schutz vor steigenden Basiswerten bieten. Insbesondere US-Hochzinsanleihen mit einer optionsbereinigten Duration von 1,84 und einer Rendite von 3,73% könnten einen Ausverkauf von etwa 200 Basispunkten verkraften, bevor die Kursverluste der zugrunde liegenden Position den Kupon ausgleichen würden.
Tatsächlich seien Hochzinsanleihen eine der wenigen festverzinslichen Strategien, die im bisherigen Jahresverlauf positive Renditen erzielt hätten, was zum Teil auf die Nachfrage der Anleger nach Verzinsung zurückzuführen sei, aber auch darauf, dass der starke reflationäre Hintergrund letztlich eine Verbesserung der Kreditqualität der Anleihen unterstützen sollte. (Ausgabe vom 09.03.2021) (10.03.2021/alc/a/a)


