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Geldpolitik auf Wiedervorlage


08.03.16 09:58
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat die Erwartungen an ihre geldpolitischen Entscheidungen dieses Mal etwas vorsichtiger gesteuert als im Dezember vergangenen Jahres, so Karsten Junius, Chefökonom, Bank J. Safra Sarasin AG.

Klar sei dennoch, dass sie diese Woche ihre Geldpolitik weiter lockern dürfte und auch, dass davon Impulse für die Wechselkursentwicklung und damit für die Geldpolitik anderer Zentralbanken ausgehe. Letztlich seien die bisherigen Effekte der quantitativen Lockerung der EZB aber eher gemischt.

EZB-Präsident Draghi und andere Zentralbankmitglieder würden gerne auf den Erfolg der bisherigen Anleihekäufe verweisen. In technischer Hinsicht sei das richtig. Die Notenbank habe ihre Käufe ohne Probleme umsetzen und im geplanten Ausmaß Anleihen kaufen können. Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die wirtschaftliche Entwicklung seien nach einem Jahr allerdings sehr heterogen. Die Geldmarktzinsen und Renditen von Bundesanleihen seien tatsächlich gesunken. Gestiegen seien hingegen die Zinsaufschläge von Peripherieanleihen, der Außenwert des Euro sei rund 2% höher und die Aktienkurse rund 15% gefallen. Damit sei nicht ganz klar, über welchen Wirkungskanal die Anleihekäufe eigentlich positiv stimuliert haben solle. Während die Zentralbankgeldmenge und die Kreditvergabe tatsächlich dynamischer gewachsen seien, bleibe es unsicher, ob dies etwas mit der Geldpolitik zu tun habe oder lediglich ein normales Resultat sich erholender Bankbilanzen sei.

In jedem Fall lasse sich ökonomisch kaum eine Veränderung gegenüber März letzten Jahres feststellen. Die Inflation sei ähnlich niedrig und erneut im negativen Bereich, die Stimmungsindikatoren seien auch nicht höher und das Wachstum zwar stabil, aber immer noch sehr moderat. Sicher sei somit lediglich, dass die EZB diesen Donnerstag erneut ihre Inflations- und Wachstumsprognosen herunternehmen werde. Zu rechnen sei mit drastischen Schritten. Die Inflationsprojektion dürfte von 1,0% in diesem und 1,6% im nächsten Jahr auf 0% respektive 1,4% revidiert werden. Die Wachstumsprojektionen von 1,7% und 1,9% auf jeweils rund 1,5%. Fairerweise müsse man dazusagen, dass die Dezemberprojektionen noch auf Basis eines Ölpreises von 56 bzw. 61 USD/Barrel basiert hätten - Niveaus, von denen die aktuellen Notierungen weit entfernt seien.

Bei solch starken Prognoserevisionen erscheine eine lockerere Geldpolitik logisch. Das Anleihekaufprogramm werde vermutlich um 15 Mrd. Euro auf 75 Mrd. Euro aufgestockt und dürfte um ein weiteres halbes Jahr bis September 2017 verlängert werden. Zudem werde wohl der Einlagenzinssatz erneut gesenkt. Diesbezüglich seien zwei Szenarien möglich: (1) Eine Senkung um 10 Basispunkte ohne Ausnahmen oder (2) um 20 Basispunkte mit großzügigen Ausnahmen. Während das erste System auf ein niedrigeres inländisches Zinsniveau abziele, hätte das Zweite vor allem den Wechselkurs im Visier. Technisch würde die EZB sicherlich beide gut implementieren können. Mittelfristig müsse sie aber auch einmal zeigen können, dass ihre Geldpolitik ökonomisch erfolgreich sei. Die Gefahren unerwünschter Nebenwirkungen seien ansonsten zu groß. (08.03.2016/alc/a/a)