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Geldpolitik: Schneeballsystem in der internationalen Verschuldung


12.12.18 16:09
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Problem der globalen Verschuldung muss ernst genommen werden so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Nach Jahren ultra-expansiver Geld- und Fiskalpolitik habe die Verschuldung insbesondere von Regierungen und Unternehmen in einem Maße zugenommen, dass der darauf entfallende Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen) zu einer Bremse des Wachstums der Weltwirtschaft geworden sei.

In den letzten 15 Jahren habe sich die Verschuldung mehr als verdoppelt und sei um über USD 150 Billionen gestiegen. Nach Berechnungen des Institute of International Finance entfalle ein besonders starker Anstieg auf die letzten zwei Jahre auf inzwischen rund USD 250 Billionen. Diese Zahl erreiche nun unglaubliche 318% des globalen BIP. Der Kreditwürdigkeit sei damit selbst bei großzügiger Auslegung auf 0 gesunken.

Allein in den USA habe die öffentliche Verschuldung in der letzten Woche USD 21,79 Billionen erreicht. Die Soll-Zinszahlungen des Landes würden sich auf jährlich USD 310 Mrd. belaufen. Im Fiskaljahr 2018 habe das Budgetdefizit die Gesamtverschuldung um USD 779 Mrd. erhöht. Bei steigenden Zinssätzen drohe der US-Fiskalpolitik ein Kollaps.

Die USA seien nicht allein mit einer derart unverantwortlichen Verschuldung. In den Schwellenländern (EM) seien die Schulden im letzten Quartal auf USD 71 Billionen geklettert. China habe sogar noch mehr Geld gedruckt als die USA. Der größte Teil davon seien auf USD denominierte Schulden. Wegen des zum USD stark gefallenen Kurses des Yuan und den gestiegenen US-Zinssätzen wirke die Belastung umso schwerwiegender. Die Rückzahlung in USD werde insbesondere für Chinas Unternehmen zu einem Problem.

In seinem kürzlichen World Economic Outlook warne der International Monetary Fund (IMF) vor den Folgen der Verschuldung. Explodierende Staatsverschuldung, große Unternehmensübernahmen (bailouts) und eine ultra-expansive Geldpolitik zur Konjunkturstimulierung hätten die Mittel der Zentralbanken zur Bewältigung von künftigen Wirtschaftskrisen eingeschränkt. Sie würden nicht mehr in der Lage sein, mit ihren Mitteln kommende Krisen zu bewältigen.

Das werde an den Finanzmärkten besonders für die Rentenmärkte zu einer Belastung. Die Renditen für langlaufende Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Hypotheken seien bereits angestiegen. Bei einer Konjunkturberuhigung müssten Kreditoren mit Kreditausfällen rechnen. Da der Spread zwischen den langen und den kurzen Laufzeiten noch immer sehr klein sei, müsse bei den langen Renditen mit Aufschlägen gerechnet werden, bei den Kursen also mit weiteren Abschlägen.

Die globale Verschuldung habe inzwischen ein derartiges Niveau erreicht, dass der Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen) kontraproduktive Auswirkungen für den Konjunkturverlauf annehme. Die Verschuldung sei jetzt sogar signifikant höher als diejenige von 2008, die die Weltwirtschaft in eine schwere Krise gestürzt habe. Festverzinsliche Wertpapiere mit längeren Laufzeiten seien keine Anlagealternativen. Negative Effekte für die Aktienmärkte seien wahrscheinlich. Edelmetalle würden sich zur Depotergänzung eignen. (12.12.2018/alc/a/a)