Erweiterte Funktionen

Geldpolitik: Licht und Schatten


25.09.14 11:54
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Die sprichwörtlichen Geldschleusen dürften weltweit auch in Zukunft weit geöffnet bleiben, berichten die Experten von MFS Investment Management.

In den USA fahre die FED ihr Quantitative Easing (QE) zwar zurück, doch auf dem jährlichen Symposium in Jackson Hole im August habe EZB-Präsident Mario Draghi klargemacht, dass ein Quantitative Easing im Euroraum viel wahrscheinlicher geworden sei.

Nach der EZB-Ratssitzung im September sei die Notenbank dann den Erwartungen gerecht geworden. Die Leitzinsen seien weiter gesenkt worden und man plane wieder Wertpapierkäufe, nachdem die Notenbankbilanz zwei Jahre lang geschrumpft sei. Die Aktienmärkte würden zwar die FED als Stütze verlieren, aber in der EZB eine neue Stütze gewinnen. Wie schon früher dürften die reichliche Liquiditätszufuhr und die lockere Geldpolitik auch in Zukunft günstig für die Märkte sein.

Unterdessen sei die Inflation in Europa kontinuierlich zurückgegangen. Italien und Spanien befänden sich bereits in der Deflation und in Deutschland liege die Teuerung kaum über 1%. Auch das Wirtschaftswachstum lasse weiter nach. Italien ist wieder in der Rezession; Deutschland, die größte Volkswirtschaft des Euroraums, schwächelt und in Frankreich ist die Lage so schlecht, dass eine Kabinettsumbildung unausweichlich schien, so die Experten von MFS Investment Management. Und zu allem Überfluss leide kaum eine Volkswirtschaft so stark unter dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wie der Euroraum.

Die schwache Konjunktur und die Aussicht auf weiteres Quantitative Easing hätten die europäischen Anleiherenditen weiter zurückgehen lassen. In Deutschland seien die Zehnjahresrenditen unter 1% gefallen und damit so niedrig, wie man es eigentlich nur aus Japan kenne. Die italienischen und die spanischen Renditen lägen unter den amerikanischen, die ihrerseits unter 2,5% gefallen seien. Wenn selbst dies die Konjunktur nicht antreibe, frage man sich schon, was zusätzliche Staatsanleihekäufe ausrichten könnten. Möglicherweise könne die EZB aber mehr erreichen, wenn sie sich auf die Privatwirtschaft konzentriere, versuche, das Bankensystem in Ordnung zu bringen und die Kreditvergabe wieder in Gang zu setzen.

In ihrer Rede in Jackson Hole habe FED-Chefin Janet Yellen ein etwas ausgewogeneres Bild vom amerikanischen Arbeitsmarkt gezeichnet, aber eine nach wie vor eher expansive Geldpolitik angedeutet. Um es klar zu sagen: Solange die Inflation deutlich unter 2% liege, stünden Leitzinserhöhungen nicht unmittelbar bevor - zumal das Wirtschaftswachstum im 3. Quartal niedriger sein dürfte als im 2. Quartal, als es 4,2% (annualisiert und revidiert) betragen habe. Frau Yellen schien aber zuzugestehen, dass die Kapazitätsauslastung in den USA höher ist als bislang vermutet, so die Experten von MFS Investment Management.

Die Experten könnten dem nur beipflichten. Ihrer Ansicht nach würden die Arbeitslosengeldanträge, die offenen Stellen und die Beschäftigung für deutliche Fortschritte am Arbeitsmarkt im letzten Jahr sprechen. Die spannende Frage sei jetzt, ob und wann dies die Äußerungen der FED beeinflusse. Die Experten von MFS Investment Management werden wohl allmählich auf einen ersten Zinsschritt zusteuern. Weil die FED damit eine ganz andere Richtung einschlagen würde als die EZB, überrasche es nicht, dass der US-Dollar gegenüber dem Euro weiter aufgewertet habe. (25.09.2014/alc/a/a)