Erweiterte Funktionen
Geldmarkt: Veranlasst die Pandemie erneut eine Lockerung der Geldpolitik?
14.08.20 11:19
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die führenden Zentralbanken der Welt haben eine derart ultra-expansive Geldpolitik eingeschlagen, dass eine noch weitere Lockerung kaum noch denkbar ist, bzw. starke Zweifel an ihrer Sinnhaftigkeit auslösen dürfte, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Somit müsse angenommen werden, dass der nächste Schritt der Notenbanken eine erste restriktive Maßnahme sein werde. Aber andererseits habe die Pandemie die Weltwirtschaft in die stärkste Rezession der Nachkriegszeit gestürzt, und die jüngsten Zahlen über die zunehmende Ausbreitung von Covid-19 seien so besorgniserregend, dass in den Chefetagen über weitere Hilfsmaßnahmen durch die Geldpolitik nachgedacht werde. Finanzanalysten in der ganzen Welt würden bereits die Wahrscheinlichkeit weiterer Maßnahmen ausloten.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Geldpolitik zähle die Sicherung der Finanzstabilität; hierfür sei eine Zielgröße für die Inflationsrate definiert worden. In der Regel liege dieses Ziel bei 2%, für die EZB bei knapp 2%. In den USA zähle ausdrücklich auch die Förderung der Beschäftigung zu den Aufgaben der Geldpolitik. Damit die Zentralbanken ihre Aufgaben neutral, ohne an Regierungsanweisungen gebunden zu sein, ausführen könnten, gelte die Unabhängigkeit von der Regierung, die aber in der letzten Zeit stillschweigend außer Kraft gesetzt worden sei. Als "Inflation" werde in der Regel der Anstieg der Konsumentenpreise gegenüber dem Vorjahr verstanden; in den USA sehe die FED hierhin den Anstieg der Preise der persönlichen Konsumausgaben (personal consumption expenditures price index).
Im Juni habe dieser Index in den USA 0,8% betragen. Doch jede Hausfrau in den USA, die vom Einkauf im Supermarkt zurückkomme, könne darüber nur lachen. Fleisch und Geflügel seien im Durchschnitt um 11% teurer, Eier um 10%. Gebrauchtwagen hätten sich von Juni auf Juli um 3% verteuert. Die Preise für Rohöl seien seit dem pandemiebedingten Rückgang im Frühjahr auf ein Fünfmonatshoch gestiegen. Immobilienpreise seien in diesem Jahr um 5% geklettert. Die ganze Statistik erscheine verzerrt. Vermutlich durch die ultra-expansive Geldpolitik. Und in dieser Zeit würden plötzlich die Zahlen für die neuen Infizierten und Toten durch Covid-19 steigen!
Einige Leiter von Notenbanken in US Staaten würden bereits über neue Definitionen für die Inflationsziele sprechen. Hierzu könnten eine Verlängerung des derzeitigen Kurses und/oder eine Abkehr vom Inflationsziel von 2% zählen. Im Gespräch sei ein Durchschnittsziel von 2%, also keine restriktive Maßnahme, bis die 2% Marke deutlich überschritten werde. In diesem Sinne hätten sich die FED-Regionalpräsidenten Robert Kaplan in Dallas sowie Charles Evans in Chicago geäußert.
Evans würde die Geldmarktzinsen belassen, bis die Inflationsrate auf rund 2,5% steige, wo sie den größten Teil des letzten Jahrzehnts nicht mehr gewesen sei. Dort sollte sie längere Zeit verharren, bis die Konjunkturentwicklung sich deutlich vom derzeitigen Zustand löse. Das könnten auch Teuerungsraten von 2 bis 4% bewirken.
Eine solche Änderung der Geldpolitik erscheine bei einer Analyse der konjunkturellen Entwicklung durchaus wahrscheinlich. Die USA würden sich in der schwersten Rezession seit Jahrzehnten befinden. Die Zahl der Arbeitslosen liege inzwischen bei 16,3 Millionen, die Arbeitslosenquote bei 10,2%. Die Erholung sei ins Stocken geraten. Und die Coronakrise sei keineswegs überwunden.
Die Johns Hopkins University beziffere die Zahl der vom Virus Betroffenen weltweit auf über 20 Millionen, die der Toten auf fast 750.000. In den USA seien die Meldungen hierzu besorgniserregend.
Doch wie würden die Finanzmärkte auf eine Änderung der Geldpolitik reagieren? Wenn noch mehr Geld in die Märkte ströme und keine Verzinsung finde? Wahrscheinlich ähnlich wie in den vergangenen Monaten. Geld- und Rentenmärkte würden zur Anlage ausfallen. Die Aktienmärkte würden vom starken Liquiditätszuwachs profitieren, seien aber schon am KGV gemessen sehr hoch bewertet. Anlagen würden riskanter. Die Immobilienmärkte unterlägen immer mehr dem staatlichen Steuerzugriff. Also Edelmetalle? Sie würden Inflationsschutz versprechen, seien ein sicherer Hafen, von Krediten wenig belastet, würden vor einer USD-Abwertung schützen. Wie komme dann aber ein Einbruch des Goldpreises um rund 200 USD pro Unze binnen drei Tagen zustande?
Gewinnmitnahmen nach einer derart starken Hausse seien nichts Außergewöhnliches. Vor fünf Monaten habe der Preis bei USD 1564 gelegen. Nach Überwindung von USD 1850 sei ein schneller Anstieg um USD 200 erfolgt. Die Verführung kurzfristig solche Gewinne mitzunehmen sei allzu verlockend gewesen.
Folgerung: Die längerfristigen Aussichten für den Goldpreis seien unverändert günstig. (14.08.2020/alc/a/a)
Somit müsse angenommen werden, dass der nächste Schritt der Notenbanken eine erste restriktive Maßnahme sein werde. Aber andererseits habe die Pandemie die Weltwirtschaft in die stärkste Rezession der Nachkriegszeit gestürzt, und die jüngsten Zahlen über die zunehmende Ausbreitung von Covid-19 seien so besorgniserregend, dass in den Chefetagen über weitere Hilfsmaßnahmen durch die Geldpolitik nachgedacht werde. Finanzanalysten in der ganzen Welt würden bereits die Wahrscheinlichkeit weiterer Maßnahmen ausloten.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Geldpolitik zähle die Sicherung der Finanzstabilität; hierfür sei eine Zielgröße für die Inflationsrate definiert worden. In der Regel liege dieses Ziel bei 2%, für die EZB bei knapp 2%. In den USA zähle ausdrücklich auch die Förderung der Beschäftigung zu den Aufgaben der Geldpolitik. Damit die Zentralbanken ihre Aufgaben neutral, ohne an Regierungsanweisungen gebunden zu sein, ausführen könnten, gelte die Unabhängigkeit von der Regierung, die aber in der letzten Zeit stillschweigend außer Kraft gesetzt worden sei. Als "Inflation" werde in der Regel der Anstieg der Konsumentenpreise gegenüber dem Vorjahr verstanden; in den USA sehe die FED hierhin den Anstieg der Preise der persönlichen Konsumausgaben (personal consumption expenditures price index).
Im Juni habe dieser Index in den USA 0,8% betragen. Doch jede Hausfrau in den USA, die vom Einkauf im Supermarkt zurückkomme, könne darüber nur lachen. Fleisch und Geflügel seien im Durchschnitt um 11% teurer, Eier um 10%. Gebrauchtwagen hätten sich von Juni auf Juli um 3% verteuert. Die Preise für Rohöl seien seit dem pandemiebedingten Rückgang im Frühjahr auf ein Fünfmonatshoch gestiegen. Immobilienpreise seien in diesem Jahr um 5% geklettert. Die ganze Statistik erscheine verzerrt. Vermutlich durch die ultra-expansive Geldpolitik. Und in dieser Zeit würden plötzlich die Zahlen für die neuen Infizierten und Toten durch Covid-19 steigen!
Einige Leiter von Notenbanken in US Staaten würden bereits über neue Definitionen für die Inflationsziele sprechen. Hierzu könnten eine Verlängerung des derzeitigen Kurses und/oder eine Abkehr vom Inflationsziel von 2% zählen. Im Gespräch sei ein Durchschnittsziel von 2%, also keine restriktive Maßnahme, bis die 2% Marke deutlich überschritten werde. In diesem Sinne hätten sich die FED-Regionalpräsidenten Robert Kaplan in Dallas sowie Charles Evans in Chicago geäußert.
Eine solche Änderung der Geldpolitik erscheine bei einer Analyse der konjunkturellen Entwicklung durchaus wahrscheinlich. Die USA würden sich in der schwersten Rezession seit Jahrzehnten befinden. Die Zahl der Arbeitslosen liege inzwischen bei 16,3 Millionen, die Arbeitslosenquote bei 10,2%. Die Erholung sei ins Stocken geraten. Und die Coronakrise sei keineswegs überwunden.
Die Johns Hopkins University beziffere die Zahl der vom Virus Betroffenen weltweit auf über 20 Millionen, die der Toten auf fast 750.000. In den USA seien die Meldungen hierzu besorgniserregend.
Doch wie würden die Finanzmärkte auf eine Änderung der Geldpolitik reagieren? Wenn noch mehr Geld in die Märkte ströme und keine Verzinsung finde? Wahrscheinlich ähnlich wie in den vergangenen Monaten. Geld- und Rentenmärkte würden zur Anlage ausfallen. Die Aktienmärkte würden vom starken Liquiditätszuwachs profitieren, seien aber schon am KGV gemessen sehr hoch bewertet. Anlagen würden riskanter. Die Immobilienmärkte unterlägen immer mehr dem staatlichen Steuerzugriff. Also Edelmetalle? Sie würden Inflationsschutz versprechen, seien ein sicherer Hafen, von Krediten wenig belastet, würden vor einer USD-Abwertung schützen. Wie komme dann aber ein Einbruch des Goldpreises um rund 200 USD pro Unze binnen drei Tagen zustande?
Gewinnmitnahmen nach einer derart starken Hausse seien nichts Außergewöhnliches. Vor fünf Monaten habe der Preis bei USD 1564 gelegen. Nach Überwindung von USD 1850 sei ein schneller Anstieg um USD 200 erfolgt. Die Verführung kurzfristig solche Gewinne mitzunehmen sei allzu verlockend gewesen.
Folgerung: Die längerfristigen Aussichten für den Goldpreis seien unverändert günstig. (14.08.2020/alc/a/a)


