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Geldmarkt: Unkonventionelle Maßnahmen


17.04.14 11:15
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Konjunkturprognosen fast aller Analysten und Forschungsinstitute für die Weltwirtschaft, die Eurozone, Deutschland und Frankreich werden immer optimistischer, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Da stelle sich die Frage, ob denn dann überhaupt noch eine solch ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken erforderlich sei. Von den Zentralbanken selbst werde zwar immer noch auf Risiken für die Konjunkturerholung hingewiesen, doch gleichzeitig würden sie zur Beruhigung ängstlicher Gemüter "unkonventionelle Maßnahmen" für den Fall von erneuten Rückschlägen versprechen.

Die konventionellen Maßnahmen einer expansiven Geldpolitik seien ohnehin so gut wie ausgeschöpft: Nullzinspolitik, Geldmengenwachstum, Anleihenkäufe, Abwertungen der Währungen oder zumindest Schwachreden. Dies habe zu steigenden Kursen von Aktien und Renten geführt, sei aber nicht sonderlich wirkungsvoll für den Konjunkturtrend gewesen.

Das beste Beispiel hierfür seien die Abenomics in Japan, wo die Börsen allmählich Zweifel bekommen würden, ob die äußerst umfangreichen Stimulierungen überhaupt sinnvoll seien. Ein Auslöser für die Finanzkrise sei schließlich die extrem lockere Geldpolitik der FED mit der Blase am US-Immobilienmarkt gewesen. Nähere man sich also jetzt allmählich einer Wende in der Geldpolitik?

An den Finanzmärkten werde bei dieser Frage hauptsächlich an die Inflationsrate und (an den angelsächsischen Märkten) den Arbeitsmarkt gedacht. Aber es gibt für die Geldpolitik auch noch eine vielleicht viel wichtigere Aufgabe: die Sicherstellung der Stabilität unseres Finanzsystems, so die Experten von "fairesearch". Die lockere Geldpolitik von 2001 bis 2004 habe diese Stabilität ins Wanken gebracht. Jetzt dauere die Lockerungsphase schon seit 2009 über fünf Jahre.

Wünschenswert wäre es, wenn die Geldpolitik durch eine entsprechende Fiskalpolitik Unterstützung fände, aber das sei in kaum einer der großen Volkswirtschaften der Fall. Im Gegenteil, die Nullzinspolitik habe den Reformwillen der Regierungen und die Fähigkeit zu Reformen zum Erliegen gebracht. Die öffentliche Überschuldung habe astronomische Größenordnungen erreicht, sodass eine Rückkehr zu einer "normalen Geldpolitik", die weder expansiv noch restriktiv wirke, kaum noch möglich erscheine.

In einer solchen Situation würden erfahrungsgemäß die protektionistischen Tendenzen im Außenhandel in der ganzen Welt zunehmen. Auch die Devisenturbulenzen seien damit nicht ausgestanden; ein Land warne das andere davor, sich durch Abwertungen einen Handelsvorteil zu verschaffen.

Das zentrale Problem der kommenden Quartale und Jahre wird es sein, wie die Zentralbanken wieder zu einer "normalen Geldpolitik" zurückkehren können, ohne die Stabilität unseres Finanzsystems zu gefährden, so die Experten von "fairesearch". Für Investoren an den Wertpapiermärkten bedeute dies: Geld sei Trumpf! (Ausgabe vom 16.04.2014) (17.04.2014/alc/a/a)