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GCC-Anleihen: Die Vorteile einer noch wenig beachteten Anlageklasse
19.12.17 09:15
Franklin Templeton
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Viele Anleger könnten nicht ausreichend in Anleihen des Golf-Kooperationsrats (GCC) investiert sein, so Dino Kronfol, Chief Investment Officer, Global Sukuk und MENA Fixed Income bei Franklin Templeton.
Das Umfeld für Festzinsanlagen ändere sich seit Jahren beträchtlich. Der stetige Rückgang der Anleiherenditen sei seit Jahrzehnten gut dokumentiert, und die mangelnde Streuung der Renditen habe es für Manager schwieriger gemacht, sich Marktbewegungen zunutze zu machen, was wiederum die Realisierung von Alpha erschwere.
Dies sei vermutlich zumindest in Teilen die Folge des Mangels an globaler Liquidität, die die Zentralbanken der Industrieländer mittels quantitativer Lockerung erzeugt hätten, und habe Anleger dazu veranlasst, abseits der traditionellen Anlageklassen und Regionen nach Rendite, Alpha und Diversifizierung zu suchen. Trotz dieses Trends würden nach Ansicht der Experten viele Anleger Chancen verpassen, indem sie Anleihen des Golf-Kooperationsrats (GCC) nicht genügend Aufmerksamkeit schenken würden.
Die Experten seien davon überzeugt, dass GCC-Anleihen eine attraktive Anlageklasse darstellen würden, die generell eine niedrigere Volatilität aufweise und potenziell höhere Erträge liefere als Anleihen aus Industrieländern. Zudem seien sie der Meinung, dass diese Vermögenswerte häufig bessere zugrunde liegende Fundamentaldaten und höhere Bonitätsbewertungen aufweisen würden als Schwellenmarktanleihen in anderen Regionen.
Auch wenn manche Anleger möglicherweise der Ansicht seien, dass aktive Manager mit einem umfassenden oder breiten Schwellenländer-Mandat bereits eine ausreichende Allokation in GCC-Anleihen böten, lege das Research der Experten nahe, dass dem wohl nicht so sei. Ihrer Analyse zufolge würden scheinbar nur wenige aktive Manager in den GCC-Staaten investieren.
Die Experten würden GCC-Anleihen als wachsende Anlageklasse mit Merkmalen von sowohl Schwellen- als auch Industrieländern und als einen Bereich sehen, dem viele globale Anleger - wenn nicht gar die meisten von ihnen - keine ausreichende Beachtung schenken würden.
Zum einen würden GCC-Anleihen in den meisten wichtigen Benchmark-Indices keine Berücksichtigung finden oder seien dort nur geringfügig repräsentiert. Die Region im Bloomberg Barclays Global Aggregate Index habe eine Allokation von lediglich 0,4%, und im JP Morgan EMBI Global von 1,4%.
Die geringfügige Repräsentation der GCC-Staaten in diesen Benchmarks sei teilweise auf das rückwärtsgerichtete Wesen des Index-Aufbaus zurückzuführen, der auf historischen Trends bei der Emission von Schuldtiteln basiere. In den vergangenen Jahrzehnten hätten die Industrieländer wie z. B. die USA, Japan und einige europäische Länder ihre Verschuldung erhöht und in einem globalen Umfeld mit stetig sinkenden Zinssätzen ein riesiges Volumen an Schuldtiteln begeben.
Dagegen hätten die GCC-Staaten ihre Ausgaben in den vergangenen Jahrzehnten selbst finanziert und dank der hohen Einnahmen aus dem Ölexport zugleich bedeutende finanzielle Reserven aufgebaut.
Mit Blick auf die Zukunft stehen wir unserer Ansicht nach an einem Wendepunkt, der aufgrund des steilen Verfalls der Ölpreise seit 2014 schneller erreicht wurde, so die Experten von Franklin Templeton. Die Regierungen der GCC-Staaten hätten mit Weitsicht erkannt, dass ihre Volkswirtschaften aufgrund ihrer jungen, rasch wachsenden Bevölkerung sowie der über Jahre aufgebauten Ineffizienzen einer aufgeblasenen Bürokratie und dominierender öffentlicher Sektoren auf lange Sicht nicht nachhaltig seien. Diese Erkenntnis sei der Grund für steigende Investitionen, um die Wirtschaft der GCC-Staaten weg vom Öl und hin zu Dienstleistungssektoren zu verlagern, die schneller wachsen und für langfristiges Wachstum besser positioniert seien. Hier zu würden beispielsweise Technologie, Gesundheit und Tourismus zählen.
Investitionen zur Ankurbelung des Wachstums in anderen Branchen als dem Ölsektor und die teilweise Beibehaltung langjähriger Steuergeschenke in Form von Subventionen und sonstigen Leistungen hätten jedoch ihren Preis gefordert, sodass sich die GCC-Staaten nun wachsenden Defiziten ausgesetzt sehen würden. Diese Defizite, die nach Auffassung der Experten auf mittlere Sicht bestehen bleiben dürften, könnten entweder durch die Auflösung der in den vergangenen Jahrzehnten aufgebauten, umfangreichen Reserven oder durch die Emission von Schuldtiteln finanziert werden.
Zwar würden die staatlichen Defizitausgaben künftig aller Wahrscheinlichkeit nach über einen Mix aus beiden Ansätzen finanziert werden, doch nach Einschätzung der Experten könnten die GCC-Staaten vermehrt Schuldtitel ausgeben und diesen Bereich für viele Anleiheanleger zu einem immer wichtigeren Teil des globalen Festzins-Universums machen. Dies sei einer der Gründe, warum die Experten davon überzeugt seien, dass die Nachfrage in einer von niedrigen Renditen geprägten Welt robust bleiben dürfte und es für viele Anleger Kapazitäten gebe, um erheblich mehr GCC-Schuldtitel aufzunehmen.
Für die Untergewichtung der Anleger in der GCC-Region dürfte es eine ganze Reihe von Gründe geben. Zum einen scheine es an aktiven Managern zu mangeln, die sich vor Ort mit GCC-Anleihen befassen würden. Und ohne dieses eingehende Research vor Ort könnte es für ortsfremde Anleger schwierig sein, sich ein gründliches Verständnis des Marktes zu verschaffen. Zum anderen würden viele Anleger davon ausgehen, dass die GCC-Staaten dem Ereignisrisiko und der Ölpreis-Volatilität ausgesetzt seien, obwohl sie sich eigentlich im Klaren seien, dass GCC-Anleihen beispielsweise eine sehr geringe Korrelation zum Ölpreis aufweisen würden.
Daher sei die Annahme, dass aktive Anlageverwalter (selbst im Schwellenmarktuniversum) ein beträchtliches Engagement in den GCC-Staaten böten, nicht richtig. Und diese Unterallokation begrenze die Möglichkeiten der Anleger zur Erzielung von Alpha.
Zusammenfassend lasse sich festhalten, dass die Experten den Markt für GCC-Anleihen aus mehreren Gründen als attraktive Anlageklasse ansehen würden. Allein die Marktgröße belaufe sich auf etwa 300 Mrd. USD. Zudem habe es zuletzt ein robustes Emissionswachstum gegeben, das sich in den vergangenen Jahren aufgrund der sinkender Ölpreise belebt habe. Die GCC-Region profitiere von den für Anleihen günstigen Fundamentaldaten wie z. B. umfangreichen Reserven, einer im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) relativ niedrigen Verschuldung und einer mit Kapital gut ausgestatteten, engagierten Anlegerbasis.
Überdies würden GCC-Anleihen allgemein von guten Kreditratings profitieren. Sogar im neuen, von niedrigeren Ölpreisen geprägten Umfeld (das Rating-Schritte bei den schwächeren Staatsanleihen, also Bahrain und Oman, ausgelöst hatte) behalte die Region im Durchschnitt ein attraktives, hohes Investment-Grade-Rating bei. Das Risiko weiterer Herabstufungen sei aus Sicht der Experten begrenzt. In einem Festzins-Umfeld, in dem potenzielle Herabstufungen einen historischen Höchststand erreicht hätten, seien die GCC-Staaten nach Einschätzung der Experten mit ihren Devisenreserven von fast 3 Bio. USD (dies entspreche etwa 200% des BIP der Region) besser geschützt als das übrige globale Anlageuniversum.
Und letztlich hätten sich GCC-Anleihen vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten als relativ stabil erwiesen. Die konsequente Inlandsnachfrage nach GCC-Anleihen sei auch in negativen Szenarien belastbar geblieben. Angesichts der geopolitischen Spannungen, denen wir im kommenden Jahr ausgesetzt sein dürften, könnte GCC Fixed Income unserer Einschätzung nach für viele Anleger eine zunehmend attraktive Anlageklasse darstellen, so die Experten von Franklin Templeton. (Ausgabe vom 18.12.2017) (19.12.2017/alc/a/a)
Das Umfeld für Festzinsanlagen ändere sich seit Jahren beträchtlich. Der stetige Rückgang der Anleiherenditen sei seit Jahrzehnten gut dokumentiert, und die mangelnde Streuung der Renditen habe es für Manager schwieriger gemacht, sich Marktbewegungen zunutze zu machen, was wiederum die Realisierung von Alpha erschwere.
Dies sei vermutlich zumindest in Teilen die Folge des Mangels an globaler Liquidität, die die Zentralbanken der Industrieländer mittels quantitativer Lockerung erzeugt hätten, und habe Anleger dazu veranlasst, abseits der traditionellen Anlageklassen und Regionen nach Rendite, Alpha und Diversifizierung zu suchen. Trotz dieses Trends würden nach Ansicht der Experten viele Anleger Chancen verpassen, indem sie Anleihen des Golf-Kooperationsrats (GCC) nicht genügend Aufmerksamkeit schenken würden.
Die Experten seien davon überzeugt, dass GCC-Anleihen eine attraktive Anlageklasse darstellen würden, die generell eine niedrigere Volatilität aufweise und potenziell höhere Erträge liefere als Anleihen aus Industrieländern. Zudem seien sie der Meinung, dass diese Vermögenswerte häufig bessere zugrunde liegende Fundamentaldaten und höhere Bonitätsbewertungen aufweisen würden als Schwellenmarktanleihen in anderen Regionen.
Auch wenn manche Anleger möglicherweise der Ansicht seien, dass aktive Manager mit einem umfassenden oder breiten Schwellenländer-Mandat bereits eine ausreichende Allokation in GCC-Anleihen böten, lege das Research der Experten nahe, dass dem wohl nicht so sei. Ihrer Analyse zufolge würden scheinbar nur wenige aktive Manager in den GCC-Staaten investieren.
Die Experten würden GCC-Anleihen als wachsende Anlageklasse mit Merkmalen von sowohl Schwellen- als auch Industrieländern und als einen Bereich sehen, dem viele globale Anleger - wenn nicht gar die meisten von ihnen - keine ausreichende Beachtung schenken würden.
Zum einen würden GCC-Anleihen in den meisten wichtigen Benchmark-Indices keine Berücksichtigung finden oder seien dort nur geringfügig repräsentiert. Die Region im Bloomberg Barclays Global Aggregate Index habe eine Allokation von lediglich 0,4%, und im JP Morgan EMBI Global von 1,4%.
Die geringfügige Repräsentation der GCC-Staaten in diesen Benchmarks sei teilweise auf das rückwärtsgerichtete Wesen des Index-Aufbaus zurückzuführen, der auf historischen Trends bei der Emission von Schuldtiteln basiere. In den vergangenen Jahrzehnten hätten die Industrieländer wie z. B. die USA, Japan und einige europäische Länder ihre Verschuldung erhöht und in einem globalen Umfeld mit stetig sinkenden Zinssätzen ein riesiges Volumen an Schuldtiteln begeben.
Mit Blick auf die Zukunft stehen wir unserer Ansicht nach an einem Wendepunkt, der aufgrund des steilen Verfalls der Ölpreise seit 2014 schneller erreicht wurde, so die Experten von Franklin Templeton. Die Regierungen der GCC-Staaten hätten mit Weitsicht erkannt, dass ihre Volkswirtschaften aufgrund ihrer jungen, rasch wachsenden Bevölkerung sowie der über Jahre aufgebauten Ineffizienzen einer aufgeblasenen Bürokratie und dominierender öffentlicher Sektoren auf lange Sicht nicht nachhaltig seien. Diese Erkenntnis sei der Grund für steigende Investitionen, um die Wirtschaft der GCC-Staaten weg vom Öl und hin zu Dienstleistungssektoren zu verlagern, die schneller wachsen und für langfristiges Wachstum besser positioniert seien. Hier zu würden beispielsweise Technologie, Gesundheit und Tourismus zählen.
Investitionen zur Ankurbelung des Wachstums in anderen Branchen als dem Ölsektor und die teilweise Beibehaltung langjähriger Steuergeschenke in Form von Subventionen und sonstigen Leistungen hätten jedoch ihren Preis gefordert, sodass sich die GCC-Staaten nun wachsenden Defiziten ausgesetzt sehen würden. Diese Defizite, die nach Auffassung der Experten auf mittlere Sicht bestehen bleiben dürften, könnten entweder durch die Auflösung der in den vergangenen Jahrzehnten aufgebauten, umfangreichen Reserven oder durch die Emission von Schuldtiteln finanziert werden.
Zwar würden die staatlichen Defizitausgaben künftig aller Wahrscheinlichkeit nach über einen Mix aus beiden Ansätzen finanziert werden, doch nach Einschätzung der Experten könnten die GCC-Staaten vermehrt Schuldtitel ausgeben und diesen Bereich für viele Anleiheanleger zu einem immer wichtigeren Teil des globalen Festzins-Universums machen. Dies sei einer der Gründe, warum die Experten davon überzeugt seien, dass die Nachfrage in einer von niedrigen Renditen geprägten Welt robust bleiben dürfte und es für viele Anleger Kapazitäten gebe, um erheblich mehr GCC-Schuldtitel aufzunehmen.
Für die Untergewichtung der Anleger in der GCC-Region dürfte es eine ganze Reihe von Gründe geben. Zum einen scheine es an aktiven Managern zu mangeln, die sich vor Ort mit GCC-Anleihen befassen würden. Und ohne dieses eingehende Research vor Ort könnte es für ortsfremde Anleger schwierig sein, sich ein gründliches Verständnis des Marktes zu verschaffen. Zum anderen würden viele Anleger davon ausgehen, dass die GCC-Staaten dem Ereignisrisiko und der Ölpreis-Volatilität ausgesetzt seien, obwohl sie sich eigentlich im Klaren seien, dass GCC-Anleihen beispielsweise eine sehr geringe Korrelation zum Ölpreis aufweisen würden.
Daher sei die Annahme, dass aktive Anlageverwalter (selbst im Schwellenmarktuniversum) ein beträchtliches Engagement in den GCC-Staaten böten, nicht richtig. Und diese Unterallokation begrenze die Möglichkeiten der Anleger zur Erzielung von Alpha.
Zusammenfassend lasse sich festhalten, dass die Experten den Markt für GCC-Anleihen aus mehreren Gründen als attraktive Anlageklasse ansehen würden. Allein die Marktgröße belaufe sich auf etwa 300 Mrd. USD. Zudem habe es zuletzt ein robustes Emissionswachstum gegeben, das sich in den vergangenen Jahren aufgrund der sinkender Ölpreise belebt habe. Die GCC-Region profitiere von den für Anleihen günstigen Fundamentaldaten wie z. B. umfangreichen Reserven, einer im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) relativ niedrigen Verschuldung und einer mit Kapital gut ausgestatteten, engagierten Anlegerbasis.
Überdies würden GCC-Anleihen allgemein von guten Kreditratings profitieren. Sogar im neuen, von niedrigeren Ölpreisen geprägten Umfeld (das Rating-Schritte bei den schwächeren Staatsanleihen, also Bahrain und Oman, ausgelöst hatte) behalte die Region im Durchschnitt ein attraktives, hohes Investment-Grade-Rating bei. Das Risiko weiterer Herabstufungen sei aus Sicht der Experten begrenzt. In einem Festzins-Umfeld, in dem potenzielle Herabstufungen einen historischen Höchststand erreicht hätten, seien die GCC-Staaten nach Einschätzung der Experten mit ihren Devisenreserven von fast 3 Bio. USD (dies entspreche etwa 200% des BIP der Region) besser geschützt als das übrige globale Anlageuniversum.
Und letztlich hätten sich GCC-Anleihen vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten als relativ stabil erwiesen. Die konsequente Inlandsnachfrage nach GCC-Anleihen sei auch in negativen Szenarien belastbar geblieben. Angesichts der geopolitischen Spannungen, denen wir im kommenden Jahr ausgesetzt sein dürften, könnte GCC Fixed Income unserer Einschätzung nach für viele Anleger eine zunehmend attraktive Anlageklasse darstellen, so die Experten von Franklin Templeton. (Ausgabe vom 18.12.2017) (19.12.2017/alc/a/a)


