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Fünf Jahre "Whatever it takes" - was hat die EZB erreicht?


26.07.17 11:30
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Am 26. Juli 2012 hielt Mario Draghi seine inzwischen berühmte Rede, in der er ankündigte, die Eurozone mit allen Mitteln am Leben zu erhalten - "whatever it takes". Stefan Isaacs, Fondsmanager Anleihen bei M&G Investments erläutert, was die EZB in den letzten fünf Jahren erreicht hat.

1. Die Eurozone sei intakt
2012 hätten eine ganze Reihe Anleger und Ökonomen keinen Cent auf das Fortbestehen der Eurozone gewettet. Nach der Überzeugung vieler müssten sich die Peripherieländer entweder unter Druck aus der gemeinsamen Währung verabschieden oder Kerneuropa würde gehen. Womöglich sei es das größte Verdienst der EZB, dies verhindert zu haben: Kein Land sei aus dem Euro ausgetreten - und heute seien die Märkte deutlich weniger besorgt.

2. Die Peripherie sei wieder am Markt

Vor fünf Jahren hätten die Refinanzierungskosten der Euro-Peripheriestaaten schwindelerregende Höhen erreicht. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen aus Spanien habe bei 7,5% gelegen, die italienischer Titel bei 7%, während Portugal auf ein Niveau von 11% und Griechenland sogar auf 27% gestiegen sei. Das habe zumindest teilweise das Risiko einer Rückkehr zu den alten nationalen Währungen widergespiegelt. Als letzte Instanz und "lender of last resort" habe es die EZB vermocht, den Markt für Länder wie Spanien und Italien wieder zu öffnen und ihre Refinanzierungskosten zu senken. Allmählich hätten auch (zumindest einige) Strukturreformen, geldpolitische Anreize und neues Wirtschaftswachstum die Chancen der Peripherieländer erheblich verbessert. Die Rückkehr Griechenlands an den Anleihemarkt zeige diesen Wandel sehr deutlich.

3. Das Wachstum sei zurück

Die ultralockere Geldpolitik der EZB bestrafe Sparer, verringere die Kreditkosten und motiviere Anleger, Risiken einzugehen. Das habe die Verbraucher optimistischer gestimmt, den Konsum angeregt und die Assetpreise in die Höhe getrieben. Gerade habe die Eurozone weltweit mit ihren überdurchschnittlich guten Wachstumsdaten überrascht, und das gestern veröffentlichte neue Rekordhoch des ifo-Geschäftsklimaindex könnte bedeuten, dass das Wachstum auf rund 3% in der zweiten Jahreshälfte steige.

4. Die Inflation bleibe ein Problem

Aber: Trotz Stabilisierung der Eurozone, gesunkener Kreditkosten und einem positiven Konjunkturausblick verfehle die EZB weiterhin ihr Inflationsziel von nahe, aber unter 2%. Zwar scheine die Inflationsrate sich wieder in Richtung Preisstabilität zu bewegen - doch das geschehe nur sehr langsam. Jegliche Straffung der EZB-Geldpolitik werde vermutlich ein langwieriger Prozess werden.

5. Die EZB habe ihre Bilanz mit einem Schuldenberg aufgebläht

Das Anleihekaufprogramm der EZB, eingeführt im Januar 2015, sollte 1,1 Billionen Euro in den Markt pumpen und damit die Gefahr einer Deflationsspirale eindämmen, nachdem sie den Anlagezins für Geschäftsbanken 2014 auf unter Null gesenkt habe. Trotzdem sei die EZB schließlich gezwungen gewesen, das Kaufprogramm noch weiter auszudehnen und sitze inzwischen auf einem Anleihevolumen von 4 Billionen Euro. Ein Rückzug aus dieser Geldpolitik dürfte schmerzhaft werden, auch wenn er nach Mario Draghis Willen graduell erfolge - auch in der EZB selbst würden sich manche über die negativen Auswirkungen für das Bankensystem und die "Kreditabhängigkeit" der Eurozone sorgen.

6. Und die Politik?

Populistische Strömungen scheinen viele Industrieländer erfasst zu haben, doch die Ergebnisse der Wahlen in Frankreich und den Niederlanden haben diesen Trend für die Eurozone zunächst einmal gestoppt, so die Experten von M&G. Allerdings könnte Italien mit seiner schwachen Wirtschaft bei den Parlamentswahlen 2018 durchaus für Verstimmungen sorgen. Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone sei zwar etwas gefallen, sei aber vor allem bei jungen Arbeitnehmern immer noch hoch.

Nach Beobachtung der Experten sei sich die EZB sehr bewusst, dass sie die Grenzen der Geldpolitik fast erreicht habe. Und nachdem ihre Maßnahmen eine wirtschaftliche Erholung in Gang gesetzt hätten, die sich selbst tragen könne, dürfte sie für die nächsten fünf Jahre auf ruhigere Zeiten hoffen. (26.07.2017/alc/a/a)