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Freude über die SNB-Gewinne ist von kurzer Dauer
10.01.17 17:04
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Die SNB hat ein Jahr mit schwierigen Entscheidungen vor sich, so Ursina Kubli, Ökonomin bei der Bank J. Safra Sarasin AG.
Bund und Kantone dürften sich freuen. Das provisorische Jahresergebnis der SNB zeige einen Jahresgewinn von circa 24 Milliarden Franken, was eine Ausschüttung an Bund und Kantone von rund 1,5 Milliarden Franken erlauben werde. Bemerkenswert sei, dass die Fremdwährungspositionen mit 19 Milliarden Franken den größten Beitrag zu dem guten Jahresergebnis beigetragen hätten, getragen von kräftigen Kursgewinnen bei Obligationen und Aktienmärkten sowie Zins- und Dividendenerträgen. Damit dürfte der innenpolitische Druck gegen die Währungsinterventionen der SNB vorläufig abnehmen. Dennoch werde die SNB in einer unkomfortablen Situation bleiben.
Die Bilanz der SNB werde zukünftig hohen Wertschwankungen unterliegen. Die Devisenreserven würden mehr als 680 Milliarden Franken betragen, was rund 100% des Schweizer BIP entspreche. Kursschwankungen bei Währungen, Obligationen und Aktien würden damit rasch zu zweistelligen Gewinnschwankungen führen. Die innenpolitische Stimmung gegenüber den Währungsinterventionen könne auch rasch wieder kippen.
Außenpolitisch seien die Deviseninterventionen der SNB hingegen verstärkt in den Fokus geraten, nachdem das US-Finanzministerium im Oktober 2016 die Schweiz auf die Liste möglicher Währungsmanipulatoren aufgenommen habe. Ein genauer Blick auf die Entwicklung der SNB Bilanz zeige, dass die SNB mehr oder minder das ganze Jahr hindurch aktiv an den Devisenmärkten interveniert habe. Die SNB habe keineswegs nur auf unvorhergesehene, außerordentliche Marktturbulenzen wie zum Beispiel das Brexit-Referendum im Juni 2016 oder den Wahlsieg von Donald Trump im Dezember 2016 reagiert. Auch in der restlichen Zeit seien die Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB angestiegen, im wöchentlichen Durchschnitt um beachtliche 1,2 Milliarden Franken.
Nicht nur die schockartige Flucht in den sicheren Hafen habe zu einer stärkeren Nachfrage nach dem Franken geführt. Auch der immer geringere Zinsnachteil gegenüber europäischen Anleihen habe die Nachfrage nach dem Franken gestärkt. Anleger würden sich zu Recht fragen, ob sie in europäischen Anleihen, insbesondere vor allem vor den vielen Wahlen in diversen europäischen Ländern, für das damit einhergehende Risiko ausreichend kompensiert würden. Die Nachfrage nach dem Franken werde also auch im Jahr 2017 stark bleiben. Damit stünden der SNB grundsätzlich drei Optionen zur Verfügung, wobei allesamt ihre spezifischen Nachteile hätten.
Erstens habe die SNB die Möglichkeit des Status quo, nämlich Währungsinterventionen und eine de facto EUR-CHF-Untergrenze von 1,07. Aus theoretischer Sicht gebe es zwar keine Obergrenze für die Devisenreserven der SNB und grundsätzlich könnte die SNB auch mit negativem Eigenkapital operieren. Über längere Zeit könnte das der Glaubwürdigkeit der SNB jedoch schaden.
Zweitens könnte die SNB die Zinsen nochmals senken, um die Zinsdifferenzen zur Eurozone wieder zu erhöhen und die Attraktivität des Frankens zu bremsen. Allerdings habe die SNB vermehrt ihre Bedenken bezüglich der negativen Effekte von Negativzinsen geäußert. Drittens könnte die SNB eine stärkere Aufwertung des Frankens zulassen, was das Wirtschaftswachstum in der Schweiz schwächen würde und angesichts der tiefen Inflation nicht erwünscht sei.
Die SNB werde in den einen oder anderen sauren Apfel beissen müssen. Ein plausibles Szenario sei, dass die SNB die Zinsen noch einmal senke und gleichzeitig die Ausnahmen erhöhe, um die Kosten für die Banken nicht zu erhöhen. Da der marginale Zinssatz einen stärkeren Währungseffekt habe als die durchschnittlichen Zinskosten, dürfte diese Maßnahme die Nachfrage nach dem Franken bremsen. Zudem dürfte die SNB nach wie vor punktuell am Devisenmarkt intervenieren. Schließlich würden die Analysten erwarten, dass die Nationalbank im Verlaufe des Jahres einen tieferen EUR-CHF-Wechselkurs von 1,03 zulassen werde, nicht zuletzt aufgrund der Dollar-Aufwertung. (10.01.2017/alc/a/a)
Bund und Kantone dürften sich freuen. Das provisorische Jahresergebnis der SNB zeige einen Jahresgewinn von circa 24 Milliarden Franken, was eine Ausschüttung an Bund und Kantone von rund 1,5 Milliarden Franken erlauben werde. Bemerkenswert sei, dass die Fremdwährungspositionen mit 19 Milliarden Franken den größten Beitrag zu dem guten Jahresergebnis beigetragen hätten, getragen von kräftigen Kursgewinnen bei Obligationen und Aktienmärkten sowie Zins- und Dividendenerträgen. Damit dürfte der innenpolitische Druck gegen die Währungsinterventionen der SNB vorläufig abnehmen. Dennoch werde die SNB in einer unkomfortablen Situation bleiben.
Die Bilanz der SNB werde zukünftig hohen Wertschwankungen unterliegen. Die Devisenreserven würden mehr als 680 Milliarden Franken betragen, was rund 100% des Schweizer BIP entspreche. Kursschwankungen bei Währungen, Obligationen und Aktien würden damit rasch zu zweistelligen Gewinnschwankungen führen. Die innenpolitische Stimmung gegenüber den Währungsinterventionen könne auch rasch wieder kippen.
Nicht nur die schockartige Flucht in den sicheren Hafen habe zu einer stärkeren Nachfrage nach dem Franken geführt. Auch der immer geringere Zinsnachteil gegenüber europäischen Anleihen habe die Nachfrage nach dem Franken gestärkt. Anleger würden sich zu Recht fragen, ob sie in europäischen Anleihen, insbesondere vor allem vor den vielen Wahlen in diversen europäischen Ländern, für das damit einhergehende Risiko ausreichend kompensiert würden. Die Nachfrage nach dem Franken werde also auch im Jahr 2017 stark bleiben. Damit stünden der SNB grundsätzlich drei Optionen zur Verfügung, wobei allesamt ihre spezifischen Nachteile hätten.
Erstens habe die SNB die Möglichkeit des Status quo, nämlich Währungsinterventionen und eine de facto EUR-CHF-Untergrenze von 1,07. Aus theoretischer Sicht gebe es zwar keine Obergrenze für die Devisenreserven der SNB und grundsätzlich könnte die SNB auch mit negativem Eigenkapital operieren. Über längere Zeit könnte das der Glaubwürdigkeit der SNB jedoch schaden.
Zweitens könnte die SNB die Zinsen nochmals senken, um die Zinsdifferenzen zur Eurozone wieder zu erhöhen und die Attraktivität des Frankens zu bremsen. Allerdings habe die SNB vermehrt ihre Bedenken bezüglich der negativen Effekte von Negativzinsen geäußert. Drittens könnte die SNB eine stärkere Aufwertung des Frankens zulassen, was das Wirtschaftswachstum in der Schweiz schwächen würde und angesichts der tiefen Inflation nicht erwünscht sei.
Die SNB werde in den einen oder anderen sauren Apfel beissen müssen. Ein plausibles Szenario sei, dass die SNB die Zinsen noch einmal senke und gleichzeitig die Ausnahmen erhöhe, um die Kosten für die Banken nicht zu erhöhen. Da der marginale Zinssatz einen stärkeren Währungseffekt habe als die durchschnittlichen Zinskosten, dürfte diese Maßnahme die Nachfrage nach dem Franken bremsen. Zudem dürfte die SNB nach wie vor punktuell am Devisenmarkt intervenieren. Schließlich würden die Analysten erwarten, dass die Nationalbank im Verlaufe des Jahres einen tieferen EUR-CHF-Wechselkurs von 1,03 zulassen werde, nicht zuletzt aufgrund der Dollar-Aufwertung. (10.01.2017/alc/a/a)


