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Französische Präsidentschaftswahl: Unergiebige Reaktion des Marktes
08.05.17 14:15
Legal & General IM
London (www.anleihencheck.de) - Wie von den meisten erwartet hat Emmanuel Macron die französischen Präsidentschaftswahlen gewonnen, so Hetal Mehta, Senior European Economist bei Legal & General Investment Management.
Der Wettstreit zwischen Macron und Le Pen, ein politisch- wie marktrelevantes Ereignis, sei europaweit genauestens beobachtet worden und die Wahl sei die umkämpfteste in der jüngeren Geschichte Frankreichs gewesen. Mit 66% der Stimmen sei Macrons Sieg gewesen, im Vergleich zu Le Pens 34%, allerdings deutlicher als erwartet. Die Wahlbeteiligung sei mit 74% relativ niedrig gewesen.
Die französische Politik bleibe weiterhin wichtig. Am 14. Mai werde Macron offiziell Präsident werden. Danach liege der Fokus auf den Parlamentswahlen am 11. und 18 Juni. Als Kopf der relativ neuen "En Marche"-Bewegung sehe sich Macron nach wie vor der Herausforderung durch die etablierten Parteien gegenüber, die wie er um eine Mehrheit kämpfen würden.
Entsprechend werde diese Wahl seine Möglichkeiten zu regieren sowie die Umsetzung der versprochenen Reformen entscheidend beeinflussen. Ohne eine Mehrheit im Parlament wäre Macron gezwungen, mit einem Premierminister einer anderen Partei zusammenzuarbeiten und mit dessen innenpolitischer Agenda Kompromisse zu finden.
Zu Macrons wichtigsten Wahlversprechen würden zählen: das Defizit um 60 Milliarden Euro reduzieren, 120.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich abschaffen, den Wettbewerb mit einem 50 Milliarden Euro Investmentplan fördern, die Haushalts- und Körperschaftssteuer verringern und sich für die Einführung eines EU-Finanzbudgets sowie -ministers einsetzen.
Obwohl Macron der pro-europäischste der Hauptkandidaten gewesen sei, sollte diese Wahl nicht als überschwängliche Unterstützung der EU missverstanden werden. 49 Prozent derer, die in der ersten Runde der Wahl ihre Stimme abgegeben hätten, hätten dies für Parteien getan, die explizit den Austritt aus dem Euro und/oder der EU befürwortet hätten.
Zusätzlich berge der Rest des europäischen Wahlkalenders 2017 einige weitere Risiken. Die deutsche Bundestagswahl im September sei ein Meilenstein. Das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland werde die Zukunft Europas bestimmen. Wie Macron und sein deutsches Pendant zusammenarbeiten würden, um gegen den aufsteigenden Populismus vorzugehen sowie die Herausforderungen der Immigration und der strukturellen Schwäche zu bewältigen, werde weit oben auf der Agenda stehen.
Schließlich richte sich der Blick nach Italien, wo im Mai 2018 gewählt werde. Das politische Risiko Italiens sollte nicht unterschätzt werden, bedenke man die starke Unterstützung für die gegen das Establishment gerichtete Fünf-Sterne-Bewegung.
Europäische Aktien, der Euro und deutsche Staatsanleihen seien sämtlich gestiegen als Reaktion auf die Nachricht, dass Marine Le Pen nicht die nächste Präsidentin im Elysee Palast werde. Jedoch sei dieser Wahlausgang weitestgehend erwartet worden, weshalb die Reaktion des Marktes eher unergiebig ausfalle.
Die Unruhe auf den Finanzmärkten aufgrund der Möglichkeit eines destabilisierenden Wahlausganges habe ihren Höhepunkt vor einigen Wochen erreicht, unmittelbar vor der ersten Runde der Abstimmung in Frankreich. Das deutlichste Markt-Barometer dieses Risikos sei der Zinsüberschuss französischer Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Anleihen mit derselben Laufzeit gewesen. Dieser sei z von 80 Basispunkten (vor der ersten Wahl-Runde) auf die 20-40 Punkte-Spanneurückgegangen, die charakteristisch für die vergangenen drei Jahre sei.
In Zukunft könnten die Aktienmärkte sich also wieder mit dem eher mondänen Thema der Ertragsaussichten befassen. In dieser Beziehung seien die letzten Nachrichten erfolgsversprechend, da die europäischen Erträge endlich nicht mehr unter ihren Möglichkeiten lägen.
Was den Euro selbst angehe, würden die Experten negativ aufgrund der latenten politischen Risiken (besonders in Italien) und des wahrscheinlich größer werdenden Unterschiedes der Zinsniveaus in Europa und den USA bleiben. Sie würden weiterhin davon ausgehen, dass es angemessen sei, europäisches Währungsrisiko zu sichern.
Möglicherweise lägen die drängendsten Herausforderungen der kommenden Monate bei den europäischen Anleihemärkten. Nach Einschätzungen der Experten besitze die Europäische Zentralbank (EZB) bald beinahe ein Viertel der Staatsanleihen und anderer Schuldtitel. Die Aussicht, dass die EZB das Tempo dieser Käufe drosseln werde, berge das größte Potenzial, die Märkte in der zweiten Jahreshälfte in Unruhe zu versetzen.
Die vergangenen zwölf Monate hätten deutlich gemacht, dass die Politik Bedeutung für die Finanzmärkte habe. Die deutlichere Lehre der vergangenen zwölf Jahre sei jedoch, dass es gefährlich sei, Zentralbanken zu ignorieren. (08.05.2017/alc/a/a)
Der Wettstreit zwischen Macron und Le Pen, ein politisch- wie marktrelevantes Ereignis, sei europaweit genauestens beobachtet worden und die Wahl sei die umkämpfteste in der jüngeren Geschichte Frankreichs gewesen. Mit 66% der Stimmen sei Macrons Sieg gewesen, im Vergleich zu Le Pens 34%, allerdings deutlicher als erwartet. Die Wahlbeteiligung sei mit 74% relativ niedrig gewesen.
Die französische Politik bleibe weiterhin wichtig. Am 14. Mai werde Macron offiziell Präsident werden. Danach liege der Fokus auf den Parlamentswahlen am 11. und 18 Juni. Als Kopf der relativ neuen "En Marche"-Bewegung sehe sich Macron nach wie vor der Herausforderung durch die etablierten Parteien gegenüber, die wie er um eine Mehrheit kämpfen würden.
Entsprechend werde diese Wahl seine Möglichkeiten zu regieren sowie die Umsetzung der versprochenen Reformen entscheidend beeinflussen. Ohne eine Mehrheit im Parlament wäre Macron gezwungen, mit einem Premierminister einer anderen Partei zusammenzuarbeiten und mit dessen innenpolitischer Agenda Kompromisse zu finden.
Zu Macrons wichtigsten Wahlversprechen würden zählen: das Defizit um 60 Milliarden Euro reduzieren, 120.000 Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich abschaffen, den Wettbewerb mit einem 50 Milliarden Euro Investmentplan fördern, die Haushalts- und Körperschaftssteuer verringern und sich für die Einführung eines EU-Finanzbudgets sowie -ministers einsetzen.
Obwohl Macron der pro-europäischste der Hauptkandidaten gewesen sei, sollte diese Wahl nicht als überschwängliche Unterstützung der EU missverstanden werden. 49 Prozent derer, die in der ersten Runde der Wahl ihre Stimme abgegeben hätten, hätten dies für Parteien getan, die explizit den Austritt aus dem Euro und/oder der EU befürwortet hätten.
Schließlich richte sich der Blick nach Italien, wo im Mai 2018 gewählt werde. Das politische Risiko Italiens sollte nicht unterschätzt werden, bedenke man die starke Unterstützung für die gegen das Establishment gerichtete Fünf-Sterne-Bewegung.
Europäische Aktien, der Euro und deutsche Staatsanleihen seien sämtlich gestiegen als Reaktion auf die Nachricht, dass Marine Le Pen nicht die nächste Präsidentin im Elysee Palast werde. Jedoch sei dieser Wahlausgang weitestgehend erwartet worden, weshalb die Reaktion des Marktes eher unergiebig ausfalle.
Die Unruhe auf den Finanzmärkten aufgrund der Möglichkeit eines destabilisierenden Wahlausganges habe ihren Höhepunkt vor einigen Wochen erreicht, unmittelbar vor der ersten Runde der Abstimmung in Frankreich. Das deutlichste Markt-Barometer dieses Risikos sei der Zinsüberschuss französischer Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Anleihen mit derselben Laufzeit gewesen. Dieser sei z von 80 Basispunkten (vor der ersten Wahl-Runde) auf die 20-40 Punkte-Spanneurückgegangen, die charakteristisch für die vergangenen drei Jahre sei.
In Zukunft könnten die Aktienmärkte sich also wieder mit dem eher mondänen Thema der Ertragsaussichten befassen. In dieser Beziehung seien die letzten Nachrichten erfolgsversprechend, da die europäischen Erträge endlich nicht mehr unter ihren Möglichkeiten lägen.
Was den Euro selbst angehe, würden die Experten negativ aufgrund der latenten politischen Risiken (besonders in Italien) und des wahrscheinlich größer werdenden Unterschiedes der Zinsniveaus in Europa und den USA bleiben. Sie würden weiterhin davon ausgehen, dass es angemessen sei, europäisches Währungsrisiko zu sichern.
Möglicherweise lägen die drängendsten Herausforderungen der kommenden Monate bei den europäischen Anleihemärkten. Nach Einschätzungen der Experten besitze die Europäische Zentralbank (EZB) bald beinahe ein Viertel der Staatsanleihen und anderer Schuldtitel. Die Aussicht, dass die EZB das Tempo dieser Käufe drosseln werde, berge das größte Potenzial, die Märkte in der zweiten Jahreshälfte in Unruhe zu versetzen.
Die vergangenen zwölf Monate hätten deutlich gemacht, dass die Politik Bedeutung für die Finanzmärkte habe. Die deutlichere Lehre der vergangenen zwölf Jahre sei jedoch, dass es gefährlich sei, Zentralbanken zu ignorieren. (08.05.2017/alc/a/a)


