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Frankreich vor weiterer Herabstufung?


10.07.24 10:52
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Der überraschende Wahlsieg des französischen Linksbündnisses hat die Börsen bisher kaltgelassen - doch die Erleichterung, dass das Negativszenario einer rechtsextremen Regierung abgewendet wurde, könnte von nur kurzer Dauer sein. Das befürchtet Benoit Anne, Anleiheexperte bei MFS Investment Management.

"Anlegerinnen und Anleger wissen sehr genau, was sie nicht mögen. Sie mögen keine politische Unsicherheit, keine politische Instabilität, keine zunehmenden fiskalischen Risiken und keine Erschütterungen der politischen Glaubwürdigkeit", so Benoit Anne. In Frankreich würden diese Risikofaktoren jedoch nun zusammentreffen. Obwohl der rechtsnationale Rassemblement National ohne Mehrheit im Parlament bleibe, seien die politischen Probleme Frankreichs noch lange nicht gelöst - möglicherweise würden sie sogar gerade erst anfangen.

Zum großen Teil hänge die Unsicherheit mit der alles beherrschenden Frage zusammen, wer 2027 der nächste Präsident oder die nächste Präsidentin Frankreichs werde. Unwahrscheinlich, dass sich das politische Klima verbessern werde, solange diese Frage nicht eindeutig geklärt sei. Bis dahin könnten Unsicherheit und sogar Instabilität vorherrschen - für die Märkte alles andere als ideal.

Aus unserer Sicht verfüge Frankreich derzeit nicht über die Rahmenbedingungen, die für die Wiederherstellung der Haushaltsdisziplin erforderlich wären. Man müsse wohl davon ausgehen, dass die makroökonomische und strukturelle Reform-Agenda - die von Anfang an nie eine Stärke Frankreichs gewesen sei - nun zum Stillstand komme. Anleger sollten daher das Risiko einer künftigen weiteren Herabstufung des Länderratings berücksichtigen, auch wenn dies möglicherweise bereits eingepreist sei. Erst vor wenigen Wochen habe die Ratingagentur S&P die Kreditwürdigkeit Frankreichs auf AA- herabgesetzt.

Auf mittlere Sicht sei es möglich, dass Frankreich sich in die ungeliebte Liste derjenigen Länder eingereiht habe, für die Investoren auf Dauer höhere, politisch bedingte Risikoprämien einpreisen müssten. Deshalb würde Anne Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen bevorzugen - insbesondere Anleihen der französischen Firmen, die durch solide Fundamentaldaten gestützt würden und das schwierige lokale Umfeld überstehen könnten. Staatsanleihen würden nun außerdem ein höheres fiskalisches Risiko bergen.

Allerdings glaubt Benoit Anne, Anleiheexperte bei MFS Investment Management, nicht, dass die Stabilität der Eurozone insgesamt gefährdet ist. Die Situation in Frankreich sollte daher keinen Einfluss auf die EZB haben. (10.07.2024/alc/a/a)