Flut an neuen Unternehmensanleihen


23.03.12 16:18
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach dem deutlichen Anstieg der Renditen von Bundesanleihen in der Vorwoche hat am Montag eine Konsolidierung eingesetzt, so die Deutsche Börse AG.

"Die Skepsis der Investoren, die sich in den vergangenen Wochen offenbar an robuste Wirtschaftsdaten gewöhnt hatten, wurde durch unerwartet schwache Konjunkturzahlen ausgelöst", erkläre die Helaba und verweise auf den rückläufigen chinesischen HSBC-Einkaufsmanagerindex und enttäuschende Einkaufsmanagerindices in der Eurozone. Die "sicheren Häfen" Bundesanleihen seien wieder gesucht gewesen, Risikoaufschläge für spanische und italienische Anleihen seien nach oben geklettert.

Der Euro-Bund-Future, der Anfang der Woche noch deutlich unter 136 Punkte notiert habe, habe im Wochenverlauf wieder aufgeholt und liege heute zum Wochenende bei 137,27 Prozent. Für zehnjährige Bundesanleihen würden Anleger aktuell nur noch 1,92 Prozent erhalten, am Mittwoch sei noch ein Dreimonatshoch von 2,07 Prozent markiert worden.

Die neuen griechischen Anleihen, die Gläubiger nach dem Schuldenschnitt erhalten hätten, würden unterdessen wenig Anhänger finden. "Es wird durchweg verkauft", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Anleger haben offenbar von Griechenland so die Nase voll, dass sie sogar lieber zum Italiener als zum Griechen essen gehen." Bonds, etwa die mit einer Fälligkeit 2023 (ISIN GR0128010676 / WKN A1G1UA), 2030 (ISIN GR0133008210 / WKN A1G1UH) und 2041 (ISIN GR0138013793 / WKN A1G1UU) hätten jedenfalls schon deutlich an Wert verloren: Zum Beispiel werde das bis 2023 laufende Papier, das am ersten Handelstag zu knapp 29 Prozent über den Tisch gegangen sei, jetzt unter 26 Prozent gehandelt.

Abermals gen Süden sei es im Bereich der Unternehmensanleihen für SolarWorld gegangen, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler melde. Das Papier habe damit seit Mitte Januar rund 40 Prozent an Wert verloren. Deutsche Solarunternehmen würden im Moment unter dem harten internationalen Preiskampf und Förderkürzungen leiden. Zwar habe SolarWorld zusammen mit anderen Unternehmen in den USA Anti-Subventionszölle gegen chinesische Produkte durchgesetzt, diese seien aber deutlich niedriger als erwartet ausgefallen. Zudem habe das Bonner Unternehmen bei der Vorlage der schlechten Zahlen für 2011 am gestrigen Mittwoch wenig Hoffnung auf Besserung gemacht.

Luft anhalten sei derweil bei Praktiker angesagt. Die kriselnde Baumarktkette dränge Anleihegläubiger zum Zinsverzicht: Statt 5,875 Prozent sollten Anleger für die bis 2016 laufende Schuldverschreibung nur noch 1 Prozent erhalten. Die erste Abstimmung dazu finde zwischen dem 22. und dem 25. März statt. Nach dem dramatischen Absturz Anfang März habe sich die Anleihe (SIN DE000A1H3JZ8/ WKN A1H3JZ) etwas erholen können, habe zuletzt aber wieder schwächer notiert.

Gefragt seien Daniel zufolge hingegen eine auf Brasilianisches Real lautende KfW-Anleihe (ISIN XS0754679669 / WKN A1K0WU) sowie das bis 2014 laufende Papier von Air Berlin gewesen. "Nach den schlechten Zahlen in der Vorwoche legte Air Berlin aufgrund des Beitritts zum Luftfahrtbündnis One World zu." Gleichzeitig hätten sich Anleger von einer Anleihe der Deutschen Telekom getrennt. "Da wurden Gewinne mitgenommen." Rege Umsätze mit einem leichten Verkaufsüberhang habe der Händler außerdem bei einem Papier der GFK Capital registriert.

Unterdessen brumme das Emissionsgeschäft. "Kaum war in punkto Griechenland die Katze aus dem Sack, da kam es zu einer wahren Flut an Neuemissionen", erläutere Klaus Stopp von der Baader Bank. Viele Vorstände seien offenbar der Meinung, die Karte "Corporates sind die besseren Staatsanleihen" spielen zu können.

Stark nachgefragt sei etwa eine Neuemission des Essener Baukonzerns HOCHTIEF gewesen, wie Händler berichten würden. Die Anleihe laufe fünf Jahre, der Kupon betrage 5,5 Prozent, die Mindeststückelung 1.000 Euro. Gregor Daniel verweise auf eine neue Anleihe von Daimler: Bei der dritten Bondemission in diesem Jahr habe der Autobauer bis 2019 einen Betrag von 750 Mio. Euro in einer für Privatanleger freundlichen Mindeststückelung von 1.000 Euro zu 2,625 Prozent aufnehmen können.

Petz melde eine Neuemission von Fresenius mit Laufzeit bis 2019 und Nominalzins von 4,5 Prozent (WKN A1G2YN). "Zwar ist der Kupon nicht mehr ganz so interessant, Fresenius gehört aber zu den Lieblingen der Anleger." Seit heute im Handel sei eine Anleihe des Versandhändlers Otto (WKN A1MLOL), wie Petz weiter berichte. Das Papier, das 2017 fällig werde, biete einen Kupon von 4,625 Prozent, die Stückelung sei mit 1.000 Euro kleinanlegerfreundlich. "Die Nachfrage war gut."

Sehr erfolgreich sei im Segment der Mittelstandsanleihen die Emission des Golfmodeanbieters Golfino verlaufen. Die "Liebhaberemission", wie Petz sie bezeichne, sei gleich am ersten Zeichnungstag verkauft gewesen. Die Anleihe biete bei einer Laufzeit von fünf Jahren einen Kupon von 7,250 Prozent.

Bis zum 5. April könne noch die Anleihe der Eyemaxx Real Estate gezeichnet werden, die ebenfalls im Entry Standard für Unternehmensanleihen der Börse Frankfurt gehandelt werden solle. Das Papier biete eine Nominalverzinsung von 7,75 Prozent bei einer Laufzeit bis 2017. Das Unternehmen gehöre zu den führenden Entwicklern und Betreibern von Fachmarktzentren, vor allem in Osteuropa, die Anleihe sei von Creditreform mit BBB+ bewertet. Das im vergangenen Jahr begebene Papier des Unternehmens (ISIN DE000A1K0FA0 / WKN A1K0FA) mit einem Kupon von 7,5 Prozent werde aktuell zu 101 Prozent gehandelt, das ergebe eine Rendite von 7,1 Prozent.

Dass der hohen Rendite der Mittelstandsanleihen auch das entsprechende Risiko gegenüber stehe, verdeutliche das Beispiel von Siag Schaaf. Der Windkraftzulieferer habe am Montag dieser Woche beim Amtsgericht Montabaur Insolvenzantrag gestellt. Das Papier (ISIN DE000A1KRAS1 / WKN A1KRAS), das Ende Februar noch zu rund 100 Prozent gehandelt worden sei, koste derzeit nur noch 7,50 Euro. (23.03.2012/alc/a/a)