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Fixed Income: Auf der Suche nach Gleichgewicht


30.05.17 12:30
Goldman Sachs Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach wie vor spricht das Makroumfeld für Vermögenswerte, die auf Wachstum ausgerichtet sind, so Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

Angeführt von den Industrieländern, schreite die wirtschaftliche Expansion voran und synchronisiere sich weltweit. Die Finanzbedingungen würden zudem positiv bleiben: Die Aktienmärkte würden sich stark entwickeln und Kredite seien günstig. Deshalb denken die Experten von Goldman Sachs Asset Management, dass die Märkte womöglich zu optimistisch sind. In den nächsten Monaten könnte sich diese Inkonsistenz auflösen und wieder ein Gleichgewicht herstellen.

Beunruhigend sei zuletzt gewesen, dass auf dem Markt für europäische Staatsanleihen keine Risikoaufschläge erhoben worden seien - trotz vom wachsenden Populismus ausgelösten Tail Risks. Volatilitäten auf den Märkten für Staatsanleihen seien bislang ausgeblieben und hätten sich zwischen einer moderaten Spreadausweitung und rückläufigen politischen Risiko eingependelt. Obwohl sich Emmanuel Macron bei der zweiten Runde der Präsidentenwahl am 7. Mai gegen Front-National-Kandidatin Marine Le Pen habe durchsetzen konnte, glauben die Experten von Goldman Sachs Asset Management nicht, dass der Sieg Macrons die Gefahr einer Fragmentierung der Eurozone langfristig tilgen kann. Vielmehr stelle der wachsende Nationalismus mittlerweile die dritte große Herausforderung für den Euroraum dar, beginnend mit der Staatsschuldenkrise von 2011 und der Flüchtlingswelle im Jahr 2015.

Die Experten von Goldman Sachs Asset Management gehen davon aus, dass auf den Märkten des Euroraums (mit Ausnahme Deutschlands) bis zur Wahl in Italien in 2018 mehr Risiken eingepreist werden dürften. In Italien strebe die Protestbewegung "Fünf Sterne" ein Referendum über die Mitgliedschaft im Euroraum an und habe sich zu einem ernsten Rivalen der regierenden Mitte-Links-Partei entwickelt. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management halten derzeit keine Positionen in Italien, auch wenn sie der Ansicht sind, dass alle defensiven Trades ihrer Übergewichtung im Euro-Währungsgebiet zugute kommen dürften.

Regional gesehen würden außerdem mittel- und osteuropäische Währungen den Vorteil bieten, dass die zugehörigen Zahlungsbilanzen positiv und Handelsverflechtungen mit dem europäischen Wachstum tief seien. Weiterer Pluspunkt: Sie seien nicht in die Probleme des Euro verwickelt.

Was Großbritannien betreffe, so sei es nach Meinung der Experten zu früh, um abzuschätzen, welche Auswirkungen der Austritt des Landes aus der EU auf die Politik des Euroraums haben werde. Gleichwohl sei es kein Geheimnis, worin die Herausforderungen für die britische Wirtschaft bestünden. Neben dem Inflationsdruck, dem Druck auf die Verbrauchernachfrage und einer hohen Volatilität über den zweijährigen Trennungsprozess könnte das Britische Pfund in Mitleidenschaft gezogen werden. Als Frühindikator beobachte man vor allem die Verhandlungen über die Ausgleichszahlungen - also die Verbindlichkeiten Großbritanniens gegenüber der EU. Sollte sich dieser Prozess als schwieriger als ohnehin gedacht erweisen, würden für die Zukunft eventuell noch größere Schwierigkeiten zwischen beiden Seiten drohen.

In den USA sei man weiterhin auf der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen der sehr positiven Grundstimmung und den harten Fakten, sprich niedrigeren Zinssätzen und einer strafferen Politik der US-Notenbank FED. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management denken, dass die qualitativen und quantitativen Maßnahmen zu einem moderaten Wachstumsanstieg von knapp 2,2 Prozent führen dürften. Sollte die Regierung in puncto Steuerreform vorankommen, könnte das Wachstum auch stärker ausfallen. Allerdings sei nicht davon auszugehen, dass sich Trumps wachstumsfördernden Regulierungs- und Fiskalmaßnahmen vor 2018 bemerkbar machen würden. Nach wie vor bestehe eine Kluft zwischen den geldpolitischen Prognosen der US-Notenbank (FED), den anhaltend niedrigen Zinssätzen und den lockeren Finanzbedingungen.

Die Experten von Goldman Sachs Asset Management rechnen damit, dass sich die US-Zinsen auf höherem Niveau einpendeln werden. Zudem bleibe abzuwarten, ob sich die allgemeinen Finanzbedingungen verschlechtern würden. Dies beeinflusse nicht zuletzt den Ausblick der Experten für die künftige FED-Politik. In ihrem Basisszenario würden die Experten davon ausgehen, dass die FED die Zinsen in diesem Jahr noch zweimal anheben und damit beginnen werde, ihre Bilanz zu bereinigen. Das Tempo für Zinserhöhungen könnte dann in 2018 noch einmal anziehen.

Für die Experten von Goldman Sachs Asset Management bleibt es dabei, dass die Hauptrisiken in den Entwicklungsländern von China ausgehen, nicht zuletzt weil die Märkte hier möglicherweise zu optimistisch agieren. Die Konjunkturabschwächung stelle eine langfristige Herausforderung dar, aber auf kurze Sicht seien vor allem die steigenden Finanzierungskosten der überschuldeten chinesischen Unternehmen beunruhigend. Die Schulden der wichtigsten chinesischen Finanzinstitute seien so hoch, dass ein Eingriff der chinesischen Regierung denkbar sei. Selbst wenn dies so kommen sollte, mache das aber nicht die mangelnde Transparenz in Bezug auf notleidende Kredite in den Bilanzen der chinesischen Banken wett. Die Experten würden folglich an ihrer Überzeugung festhalten, jene asiatischen Währungen unterzugewichten, die den Markt- oder konjunkturellen Turbulenzen in China am stärksten ausgesetzt seien. Hierzu würden etwa der Taiwan-, Singapur- und Hongkong-Dollar zählen.

Die Schwellenländerwährungen würden nach vier turbulenten Jahren ein Comeback feiern und einige der besten Chancen auf den heutigen Märkten bieten. In Teilen der Entwicklungsländer habe man es mit einer seltenen Kombination aus Value und sich verbessernden Fundamentaldaten zu tun, wobei die Währungen im Vergleich zu den Schulden nach wie vor unterbewertet seien. Im Gegensatz zur allgemeinen Auffassung denken die Experten von Goldman Sachs Asset Management, dass die Schwellenländer den Epizentren der heutigen politischen Risiken eher weniger ausgesetzt sind als z.B. die meisten Industrieländer. Kurz gesagt würden die Experten Märkte bevorzugen, die ihrer Meinung nach vom Wachstum in Europa und den USA profitieren könnten, ohne in deren politischen Problemen unterzugehen.

Das heiße nicht, dass das politische Risiko aus den Schwellenländern verschwunden sei. Man denke nur an die Volatilitätssprünge des Südafrikanischen Rands nach der Amtsenthebung des Finanzministers oder die Reaktion der Türkischen Lira auf den Sieg von Präsident Erdoğan beim umstrittenen Verfassungsreferendum. Es handle sich hierbei aber um konkrete Einzelfälle, die weniger Potenzial hätten, auf andere Bereiche überzugreifen. (30.05.2017/alc/a/a)