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Fiskalausgaben treiben Bundrenditen


17.03.25 09:30
Berenberg

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Dass nicht nur Donald Trump die Finanzmärkte beeinflussen kann, bewies Friedrich Merz am 4. März 2025 mit Ankündigungen zu signifikanten schuldenfinanzierten Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben, so die Analysten von Berenberg.

Die Finanzmärkte hätten damit eine neue Ära eingeläutet und es sei ein Renditeanstieg in einer Geschwindigkeit gefolgt, wie wir ihn zuletzt vor über 30 Jahren gesehen hätten. Innerhalb einer Woche sei die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe um 40 Basispunkte (Bp) von 2,5% auf 2,9% gestiegen. Die Laufzeitenprämie, also die Differenz zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich ebenfalls deutlich ausgeweitet. Die Union und SPD scheinen sich über die fiskalische Ausweitung einig zu sein, obwohl noch wichtige Stimmen der Grünen fehlen, gehen wir davon aus, dass diese oder ähnliche Maßnahmen beschlossen werden, die Analysten von Berenberg.

In der Vergangenheit hätten erwartete Anstiege bei den Fiskalausgaben bereits zu Verwerfungen bei Bundrenditen geführt. Ein Beispiel hierfür sei der Februar 1990, als sich die finanziellen Belastungen aus der Wiedervereinigung Deutschlands zunehmend abgezeichnet hätten. Innerhalb von zwei Wochen seien damals die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen um fast 100 Bp. angestiegen. Aktuell liege der Renditeanstieg bei rund 40 Bp. Auch die Zinsdifferenz zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich ebenfalls merklich (+15 Bp) ausgeweitet. Insbesondere die Renditen bei längeren Laufzeiten seien gestiegen, da mittelfristig mehr Wachstum (durch Investitionen), höhere Inflation und mehr Verschuldung erwartet würden.

Das Infrastrukturpaket solle 500 Mrd. Euro über die nächsten 10 Jahre betragen, Verteidigungsausgaben, die 1% des BIP hinausgehen würden, sollten in der Berechnung der Schuldenbremse unberücksichtigt bleiben und auch die Bundesländer sollen innerhalb der Schuldenbremse Defizitspielraum erhalten. Abstimmungen zu dem Paket sollten am 18. und 21. März stattfinden. So zumindest der Vorschlag von CDU und SPD, zur Verabschiedung könnten sogar noch weitere Zugeständnisse notwendig sein. Zusammengefasst könnte dies mehr als 1 Billion Euro zusätzlicher Schulden bedeuten. (Ausgabe vom 14.03.2025) (17.03.2025/alc/a/a)