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Finanzmarkt: Dunkle Wolken am Horizont
18.03.22 11:07
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Auch drei Wochen nach dem Einmarsch russischer Truppen in das souveräne Nachbarland, die Ukraine, beherrschen der Krieg und dessen Folgen die Finanzmärkte, so Jan Gengel, CEFA, CIIA bei der Weberbank.
Zuletzt hätten allerdings auch wieder die Notenbanken versucht, an Aufmerksamkeit zu gewinnen und hätten richtungsweisende Entscheidungen getroffen.
"Small steps in a dark room" sei die Überschrift einer Rede des EZB-Vertreters Fabio Panetta Ende Februar im Vorfeld der wichtigen Sitzung der Zentralbank am 10. März 2022 gewesen. Und viel treffender habe die Situation aufgrund der geopolitischen Einflüsse nicht beschrieben werden können. Wenn die Unsicherheit zu groß sei und die Konjunktur ins Wanken gerate, sollten keine richtungsändernden Entscheidungen getroffen werden. Die EZB habe mit ihren jüngsten Beschlüssen folglich die Quadratur des Kreises versucht. Einerseits versuche sie sich der erhöhten Inflation entgegenzustellen, gleichzeitig möchte sie mit ihren Maßnahmen die Konjunktur und die Finanzstabilität nicht gefährden. Diese seien aber bei einer weiteren Eskalation der aktuellen Situation, beispielsweise bei einem Embargo von Energieimporten aus Russland, in akuter Gefahr. Abwarten und Tee trinken hätten daher nicht wenige Volkswirte erwartet.
Die EZB habe sich für eine andere Variante entschieden: jetzt handeln, aber alle Schlupflöcher offenlassen. Sie arbeite nun mit verschiedenen Szenarien, um die vielen Unwägbarkeiten einzukalkulieren. In Ihrer Grundannahme wachse der Euroraum mit 3,7 Prozent in diesem Jahr und büße rund 0,5 Prozentpunkte durch den Krieg in der Ukraine ein. Unter dieser Annahme stelle sich die Zentralbank mit einer schrittweisen und vorsichtigen Normalisierung ihrer Geldpolitik dem erhöhten Inflationsdruck entgegen. Vermutlich dürfte sie mit dieser Erwartung auch in der zweiten Jahreshälfte die Zinsen zumindest einmal erhöhen.
In ihren beiden alternativen Szenarien würden die wirtschaftlichen Auswirkungen deutlich größer eingeschätzt. Beide Varianten würden von einem Energiepreisschock ausgehen, der jedoch unterschiedlich lang anhalte. Trotz höherem Preisdruck als in ihrer Basisannahme dürfte die EZB hier nicht mit restriktiverer Geldpolitik reagieren, sondern die Märkte eher weiter unterstützen. Damit habe sich unsere Zentralbank alle Türe offengehalten, um mit größtmöglicher Flexibilität zu reagieren zu können. Für uns als Anleger ist dies kurzfristig durchaus ein gutes Zeichen, so die Analysten der Weberbank. Nur wenn es die wirtschaftliche Entwicklung erlaube, werde die EZB weiter normalisieren und dies vermutlich auch sehr vorsichtig.
Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der letzten pandemiebedingten Notfallzinssenkung im Frühjahr 2020 habe die FED am Mittwochabend die Leitzinsen zum ersten Mal wieder angehoben. Wie erwartet habe sie mit einer Erhöhung um 25 Basispunkte gestartet und ihren Zielkorridor für die FED-Funds-Rate auf 0,25 bis 0,50 Prozent angehoben. Wären aktuell nicht so große Unsicherheiten aufgrund des Ukraine-Konfliktes vorhanden, hätten die Notenbanker vermutlich sogar einen doppelt so hohen Schritt gemacht. Laut der FED sei die Inflationsentwicklung in den USA nicht mehr nur auf Sonderfaktoren zurückzuführen, sondern erfasse immer mehr Bereiche des Lebens. Vor allem der angespannte Arbeitsmarkt dürfte auch in den kommenden Monaten für weiteren Inflationsdruck sorgen. Und diesem möchten sich die Vertreter der FED entschieden entgegenstellen. Trotz geringerer Wachstumserwartungen habe der Vorsitzende der FED Jerome Powell auf jeder der kommenden Sitzungen eine weitere Zinserhöhung signalisiert.
Auch im kommenden Jahr solle der Pfad fortgesetzt werden und das Leitzinsniveau auf rund 2,75 Prozent angehoben werden. Zusätzlich sei ein weiteres restriktiveres Signal gegeben worden, da die Notenbank nun erwäge, dem Markt Liquidität durch Bilanzreduzierungen zu entziehen. Jerome Powell habe im Rahmen der Pressekonferenz davon gesprochen, dass der Startschuss dafür auf der nächsten Sitzung im Mai gegeben werden könnte.
Nicht nur die aktuelle geopolitische Krise zwingt uns zum Umdenken, auch der durch sie erhöhte Inflationsdruck, so die Analysten der Weberbank. Dieser habe so deutlich zugenommen, dass die beiden wichtigsten Zentralbanken - die FED und die EZB - nun nicht mehr zusehen könnten. Trotz aller Unsicherheiten würden die US-amerikanischen Zentralbanker die Zinswende vollziehen und entschlossene Maßnahmen gegen den erhöhten Preisdruck andeuten. Die EZB versuche Schritte, wenn auch sehr vorsichtige, um zumindest die hohen Inflationserwartungen wieder einzufangen.
Für die Kapitalmärkte würden sich damit auch seitens der Geldpolitik unruhigere Zeiten andeuten. Vermutlich würden die Impulse in diesem Jahr noch gut verkraftbar sein und sollte die Unternehmen und deren Gewinn noch nicht belasten, jedoch könnte 2023 ein wenig schwieriger werden. Aktuell würden wir daher an unseren Empfehlungen, sich nicht an den Seitenrand zu stellen, sondern stattdessen mit einem hohen Schwerpunkt in qualitativ hochwertigen Unternehmen investiert zu bleiben, festhalten, so die Analysten der Weberbank. Für zinssuchende Anleger empfehle sich vorerst weiter Vorsicht bei lang laufenden Papieren. Der Druck auf die Renditen dürfte vorerst noch anhalten und die bereits erhöhten Niveaus würden aus Sicht der Analysten in den kommenden Monaten noch höher und damit attraktiver werden. (18.03.2022/alc/a/a)
Zuletzt hätten allerdings auch wieder die Notenbanken versucht, an Aufmerksamkeit zu gewinnen und hätten richtungsweisende Entscheidungen getroffen.
"Small steps in a dark room" sei die Überschrift einer Rede des EZB-Vertreters Fabio Panetta Ende Februar im Vorfeld der wichtigen Sitzung der Zentralbank am 10. März 2022 gewesen. Und viel treffender habe die Situation aufgrund der geopolitischen Einflüsse nicht beschrieben werden können. Wenn die Unsicherheit zu groß sei und die Konjunktur ins Wanken gerate, sollten keine richtungsändernden Entscheidungen getroffen werden. Die EZB habe mit ihren jüngsten Beschlüssen folglich die Quadratur des Kreises versucht. Einerseits versuche sie sich der erhöhten Inflation entgegenzustellen, gleichzeitig möchte sie mit ihren Maßnahmen die Konjunktur und die Finanzstabilität nicht gefährden. Diese seien aber bei einer weiteren Eskalation der aktuellen Situation, beispielsweise bei einem Embargo von Energieimporten aus Russland, in akuter Gefahr. Abwarten und Tee trinken hätten daher nicht wenige Volkswirte erwartet.
Die EZB habe sich für eine andere Variante entschieden: jetzt handeln, aber alle Schlupflöcher offenlassen. Sie arbeite nun mit verschiedenen Szenarien, um die vielen Unwägbarkeiten einzukalkulieren. In Ihrer Grundannahme wachse der Euroraum mit 3,7 Prozent in diesem Jahr und büße rund 0,5 Prozentpunkte durch den Krieg in der Ukraine ein. Unter dieser Annahme stelle sich die Zentralbank mit einer schrittweisen und vorsichtigen Normalisierung ihrer Geldpolitik dem erhöhten Inflationsdruck entgegen. Vermutlich dürfte sie mit dieser Erwartung auch in der zweiten Jahreshälfte die Zinsen zumindest einmal erhöhen.
Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der letzten pandemiebedingten Notfallzinssenkung im Frühjahr 2020 habe die FED am Mittwochabend die Leitzinsen zum ersten Mal wieder angehoben. Wie erwartet habe sie mit einer Erhöhung um 25 Basispunkte gestartet und ihren Zielkorridor für die FED-Funds-Rate auf 0,25 bis 0,50 Prozent angehoben. Wären aktuell nicht so große Unsicherheiten aufgrund des Ukraine-Konfliktes vorhanden, hätten die Notenbanker vermutlich sogar einen doppelt so hohen Schritt gemacht. Laut der FED sei die Inflationsentwicklung in den USA nicht mehr nur auf Sonderfaktoren zurückzuführen, sondern erfasse immer mehr Bereiche des Lebens. Vor allem der angespannte Arbeitsmarkt dürfte auch in den kommenden Monaten für weiteren Inflationsdruck sorgen. Und diesem möchten sich die Vertreter der FED entschieden entgegenstellen. Trotz geringerer Wachstumserwartungen habe der Vorsitzende der FED Jerome Powell auf jeder der kommenden Sitzungen eine weitere Zinserhöhung signalisiert.
Auch im kommenden Jahr solle der Pfad fortgesetzt werden und das Leitzinsniveau auf rund 2,75 Prozent angehoben werden. Zusätzlich sei ein weiteres restriktiveres Signal gegeben worden, da die Notenbank nun erwäge, dem Markt Liquidität durch Bilanzreduzierungen zu entziehen. Jerome Powell habe im Rahmen der Pressekonferenz davon gesprochen, dass der Startschuss dafür auf der nächsten Sitzung im Mai gegeben werden könnte.
Nicht nur die aktuelle geopolitische Krise zwingt uns zum Umdenken, auch der durch sie erhöhte Inflationsdruck, so die Analysten der Weberbank. Dieser habe so deutlich zugenommen, dass die beiden wichtigsten Zentralbanken - die FED und die EZB - nun nicht mehr zusehen könnten. Trotz aller Unsicherheiten würden die US-amerikanischen Zentralbanker die Zinswende vollziehen und entschlossene Maßnahmen gegen den erhöhten Preisdruck andeuten. Die EZB versuche Schritte, wenn auch sehr vorsichtige, um zumindest die hohen Inflationserwartungen wieder einzufangen.
Für die Kapitalmärkte würden sich damit auch seitens der Geldpolitik unruhigere Zeiten andeuten. Vermutlich würden die Impulse in diesem Jahr noch gut verkraftbar sein und sollte die Unternehmen und deren Gewinn noch nicht belasten, jedoch könnte 2023 ein wenig schwieriger werden. Aktuell würden wir daher an unseren Empfehlungen, sich nicht an den Seitenrand zu stellen, sondern stattdessen mit einem hohen Schwerpunkt in qualitativ hochwertigen Unternehmen investiert zu bleiben, festhalten, so die Analysten der Weberbank. Für zinssuchende Anleger empfehle sich vorerst weiter Vorsicht bei lang laufenden Papieren. Der Druck auf die Renditen dürfte vorerst noch anhalten und die bereits erhöhten Niveaus würden aus Sicht der Analysten in den kommenden Monaten noch höher und damit attraktiver werden. (18.03.2022/alc/a/a)


