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Finanzmärkte: Vorauseilendes Handeln
20.01.15 10:47
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Seit Monaten gibt es an den Finanzmärkten kaum ein weniger diskutiertes Thema als das ob, wann und wie die Europäische Zentralbank (EZB) zu einem breit angelegten Programm der quantitativen Lockerung übergeht, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.
Am Donnerstag sei es nun so weit, nachdem der Europäische Gerichtshof sich letzte Woche ebenfalls nicht als Stolperstein herausgestellt habe. Voraussichtlich werde die Entscheidung auch die Bedenken einiger kritischer Länder wie Deutschland berücksichtigen, die eine gemeinsame Haftung für die Staatsschulden aller Euroland-Mitglieder ablehnen würden. Die Ankündigung, die EZB-Bilanz um fast 50% zu erweitern, sei sicherlich eines der größten Experimente in der Geschichte der Notenbank. In Großbritannien und den USA könnten diese Maßnahmen als Erfolg gelten.
Japan dagegen komme trotz einer starken Bilanzausweitung seit Jahren wirtschaftlich nicht vom Fleck und es sei ebenfalls fragwürdig, ob die Bank of Japan das Volumen an Staatsanleihen auf ihrer Bilanz jemals wieder zurückführen könne. Insofern heiße es abwarten, wie die Wirkung in Euroland tatsächlich sein werde.
Abwarten wollen habe die Schweizerische Zentralbank aber nicht. Zu groß schien ihr wohl die Gefahr, dass die EZB Erfolg haben könnte bei ihrem Versuch, den Euro zu schwächen, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG. Und offensichtlich sei ihr die eigene Bilanz dann doch zu schade gewesen, die Franken-Untergrenze so konsequent zu verteidigen, wie sie es immer angekündigt habe. In einem möge sie recht haben: Die Schweizer Wirtschaft habe sich an die Aufwertung des Franken aus den Jahren 2011 und 2012 inzwischen angepasst. Die Exporte würden wieder laufen. Auch bedeute die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, dass sich die Schweiz einen stärkeren Franken gegenüber dem Euro leisten könne.
Eine so starke und so schnelle Aufwertung wie sie in der letzten Woche zugelassen worden sei, habe dennoch hohe wirtschaftliche Kosten: Es sei daher anzunehmen, dass das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr statt den von der SNB noch im Dezember erwarteten 2% eher bei 1% liegen werde. Zudem werde statt positiven Inflationsraten das Preisniveau in der Schweiz wohl um gut 1% fallen. Die Kosten der abrupten Entscheidung würden jedoch noch weiter gehen. Zu nennen sei hier die Glaubwürdigkeit der SNB, die weniger unter der Abschaffung selbst aber unter den Umständen leide, wie diese kommuniziert worden sei.
Genau wie bei der Einführung der negativen Einlagezinsen ein paar Tage nach dem Quartalstreffen, scheine sie die SNB wieder unter dem Druck der Tagesereignisse gehandelt zu haben. Noch nicht einmal habe sie die Wirkung der negativen Einlagezinsen, die ab Donnerstag gezahlt werden müssten, abwarten wollen. Ruhige Geldpolitik sei etwas anderes, vorausschauende auch. Denn dann wäre ihre Entscheidung auf einem Quartalstreffen gefallen, bei dem grundlegende Überlegungen erwartet würden.
Als Anschauungsmaterial hilfreich sei die unerwartete Entscheidung der SNB nur für diejenigen, die über ähnliche Kehrtwenden ihrer Geld- und Währungspolitik nachdenken würden. Vor allem jene, die aus Unzufriedenheit mit der Entscheidung der EZB am Donnerstag die Europäische Währungsunion verlassen wollten. Sie seien gewarnt: Eine starke Aufwertung der Währung zusammen mit einer Rezession im Exportsektor wären die logischen Folgen. (20.01.2015/alc/a/a)
Am Donnerstag sei es nun so weit, nachdem der Europäische Gerichtshof sich letzte Woche ebenfalls nicht als Stolperstein herausgestellt habe. Voraussichtlich werde die Entscheidung auch die Bedenken einiger kritischer Länder wie Deutschland berücksichtigen, die eine gemeinsame Haftung für die Staatsschulden aller Euroland-Mitglieder ablehnen würden. Die Ankündigung, die EZB-Bilanz um fast 50% zu erweitern, sei sicherlich eines der größten Experimente in der Geschichte der Notenbank. In Großbritannien und den USA könnten diese Maßnahmen als Erfolg gelten.
Japan dagegen komme trotz einer starken Bilanzausweitung seit Jahren wirtschaftlich nicht vom Fleck und es sei ebenfalls fragwürdig, ob die Bank of Japan das Volumen an Staatsanleihen auf ihrer Bilanz jemals wieder zurückführen könne. Insofern heiße es abwarten, wie die Wirkung in Euroland tatsächlich sein werde.
Eine so starke und so schnelle Aufwertung wie sie in der letzten Woche zugelassen worden sei, habe dennoch hohe wirtschaftliche Kosten: Es sei daher anzunehmen, dass das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr statt den von der SNB noch im Dezember erwarteten 2% eher bei 1% liegen werde. Zudem werde statt positiven Inflationsraten das Preisniveau in der Schweiz wohl um gut 1% fallen. Die Kosten der abrupten Entscheidung würden jedoch noch weiter gehen. Zu nennen sei hier die Glaubwürdigkeit der SNB, die weniger unter der Abschaffung selbst aber unter den Umständen leide, wie diese kommuniziert worden sei.
Genau wie bei der Einführung der negativen Einlagezinsen ein paar Tage nach dem Quartalstreffen, scheine sie die SNB wieder unter dem Druck der Tagesereignisse gehandelt zu haben. Noch nicht einmal habe sie die Wirkung der negativen Einlagezinsen, die ab Donnerstag gezahlt werden müssten, abwarten wollen. Ruhige Geldpolitik sei etwas anderes, vorausschauende auch. Denn dann wäre ihre Entscheidung auf einem Quartalstreffen gefallen, bei dem grundlegende Überlegungen erwartet würden.
Als Anschauungsmaterial hilfreich sei die unerwartete Entscheidung der SNB nur für diejenigen, die über ähnliche Kehrtwenden ihrer Geld- und Währungspolitik nachdenken würden. Vor allem jene, die aus Unzufriedenheit mit der Entscheidung der EZB am Donnerstag die Europäische Währungsunion verlassen wollten. Sie seien gewarnt: Eine starke Aufwertung der Währung zusammen mit einer Rezession im Exportsektor wären die logischen Folgen. (20.01.2015/alc/a/a)


