Fed dürfte Leitzinsen trotz Datenlücke senken


28.10.25 11:42
Ebury

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Trotz der anhaltenden Stilllegung der US-Regierungsbehörden und der damit verbundenen Datenlücke wird die US-Notenbank nach Einschätzung von Matthew Ryan, Head of Market Strategy bei Ebury, bei ihrer Sitzung kommenden Mittwoch den Leitzins um weitere 25 Basispunkte senken.

"Die Fed wird nicht völlig im Blindflug, aber doch in teilweisem Nebel in die Oktobersitzung gehen", berichte Ryan. "Die Zahl der veröffentlichten US-Konjunkturdaten ist seit Beginn des Shutdowns Anfang des Monats gering, insbesondere mit Blick auf den Arbeitsmarkt. Dennoch dürfte die Unsicherheit die geplante Zinssenkung nicht stoppen."

Ryan betone, dass der Beschäftigungsmarkt weiterhin deutliche Schwächeanzeichen zeige. "Die jüngsten Arbeitsmarktdaten - soweit verfügbar - bestätigen das Bild einer abkühlenden Beschäftigungsdynamik", so der Experte. "Das Risiko für die Wirtschaft liegt aktuell klar auf der Seite des Arbeitsmarkts, während die Inflationsrisiken zwar bestehen, aber moderat bleiben."

Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte sei "mehr oder weniger beschlossene Sache" gewesen, lange bevor der Regierungsstillstand begonnen habe. Futuresmärkte hätten den Schritt bereits vollständig eingepreist. Auch Fed-Chef Jerome Powell habe Mitte Oktober in Philadelphia signalisiert, dass der Arbeitsmarkt ein wesentliches Risiko für die Wirtschaft darstelle und die Notenbank zwei weitere Zinssenkungen in diesem Jahr vorsehe.

Ebury rechne damit, dass die Fed in ihrer Erklärung die Risiken für den Arbeitsmarkt erneut hervorheben und zugleich die Unsicherheiten durch den Shutdown ansprechen werde. Weitere Projektionen oder ein neues Dot Plot werde es in dieser Sitzung nicht geben. "Wir erwarten, dass die Fed den Leitzins um weitere 25 Basispunkte senkt und in ihrer Kommunikation einen abwägenden Ton anschlägt", erkläre Ryan. "Powell wird erneut den schmalen Grat zwischen dem Hinweis auf weitere Lockerungen und dem Bemühen um Stabilität in den Markterwartungen gehen müssen."

Ryan erwarte, dass der US-Dollar unmittelbar nach der Sitzung nur verhalten reagiere, sofern die Entscheidung und die Kommunikation im Rahmen der Markterwartungen bleibe. Sollte die Fed jedoch deutlich stärker auf die Arbeitsmarktrisiken eingehen oder eine offenere Haltung zu weiteren Zinsschritten signalisieren, könnte dies den Dollar spürbar belasten: "Mit Blick auf die kommenden Monate rechnen wir mit einer allmählichen Abschwächung des Greenback, sobald die Zinsdifferenzen zu anderen Währungsräumen enger werden."

Ein stärkerer Inflationsimpuls, etwa durch anhaltend hohe Importpreise, könne dem Dollar dagegen temporär Auftrieb verleihen. Insgesamt bleibe die Währung laut Ebury aber anfällig für geldpolitische und politische Schocks - insbesondere, wenn sich die Unsicherheit über die künftige Führung der Notenbank verstärke.

Für dieses Jahr rechne Ebury mit einer annualisierten Wachstumsrate von rund zwei Prozent. Die US-Wirtschaft habe sich bislang widerstandsfähig gezeigt, doch mittelfristig erwarte Ryan eine allmähliche Abkühlung. Belastungsfaktoren seien die verzögert wirkenden hohen Zinsen, die schwächere Beschäftigungslage und potenzielle Handelsrisiken.

"2026 dürfte das Wachstum unter dem diesjährigen Niveau liegen", prognostiziere Ryan. "Die geldpolitische Unterstützung wird zunehmen, aber sie kann die strukturellen Herausforderungen am Arbeitsmarkt nicht vollständig kompensieren." (Ausgabe vom 27.10.2025) (28.10.2025/alc/a/a)





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