Erweiterte Funktionen

Fed: Von Zöllen, Ankern und Brunnen


16.06.25 12:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Trotz regelmäßiger Aufforderungen und Beschimpfungen aus dem Weißen Haus gehen Fed-Watcher und Future Märkte derzeit klar davon aus, dass die US-Notenbank kurzfristig nicht an der Zinsschraube drehen wird, so die Analysten der Helaba.

Mit einem Zielkorridor von 4,25% bis 4,50% bleibe der Leitzins auf einem restriktiven Niveau, das zur immer noch erhöhten Inflationsrate passe.

Wie Marktteilnehmer und Ökonomen im Privatsektor warte auch die Notenbank auf ein klareres Bild, welche Auswirkungen das Trumpsche Zoll-Chaos seit Anfang April haben werde. Einerseits dürfte die Verunsicherung die Konjunktur dämpfen, andererseits würden die Zölle den Preisdruck erhöhen. Bei beiden Effekten fehle aber die Erfahrung, um mit einiger Gewissheit sagen zu können, wie stark und wann sie in den Daten sichtbar würden. Auch die fiskalpolitischen Rahmenbedingungen seien weiterhin im Fluss, da unklar sei, wie viel Steuersenkungen und Ausgabenkürzungen der Kompromiss zwischen den beiden Häusern des Kongresses letztlich bringen werde.

Entgegen der Einschätzung Donald Trumps, der keine Gelegenheit auslasse, Zinssenkungen zu fordern, stehe die Fed nicht unter unmittelbarem Handlungsdruck. Die zeitweise Schwäche am Aktienmarkt und der Zinsanstieg hätten, nicht zuletzt dank der Dollarschwäche, per saldo keine Straffung der monetären Bedingungen gebracht. Unser Monetary Conditions Index lag im Mai wieder fast auf demselben Niveau wie im März, so die Analysten der Helaba.

Während sich die Anzeichen einer konjunkturellen Abkühlung bislang wie antizipiert in Grenzen halten würden, sei - vielleicht etwas überraschender - auch die Wirkung der Zölle auf die Inflation bis jetzt nur eingeschränkt sichtbar gewesen. In den Verbraucherpreisdaten zum Mai sei in dieser Hinsicht wenig zu erkennen gewesen. Dennoch würden sich US-Notenbanker unverändert Sorgen über die Frage machen, ob der Disinflationsprozess in Richtung ihres Ziels von 2% für den PCE-Preisindex weiterlaufe. Das gebetsmühlenartig vorgetragene "Die langfristigen Inflationserwartungen sind verankert!" sei angesichts der zuletzt - vorsichtig formuliert - ziemlich durchwachsenen Datenlage nicht nur erschüttert worden. Darüber hinaus stelle man sich bei der Fed zunehmend die Frage: Sei, in der etwas gruseligen deutschen Redensart, das Kind nicht schon in den Brunnen gefallen, wenn sich die langfristigen Inflationserwartungen erst einmal "entankert" hätten?

Angesichts der Unklarheiten über die Zollpolitik - Wie wirke das schon Geschehene? Wie gehe es weiter? - sei der mittelfristige geldpolitische Ausblick überdurchschnittlich unsicher. Bis Ende des Jahres würden die von Bloomberg befragten Ökonomen mehrheitlich mit einer Senkung des Leitzinses um insgesamt 50 Basispunkte rechnen. Dies entspreche grob auch den Erwartungen, die in den aktuellen Preisen für Fed-Funds-Futures zum Ausdruck kämen.

Während die Analysten der Helaba auf diese Sicht nur eine Lockerung um 25 Basispunkte prognostizieren, teilen sie die Konsens- und Marktmeinung, dass die Federal Funds Rate bis zum Sommer 2026 auf rund 3,5% fallen wird. Die Risiken würden aber auf beiden Seiten dieses Pfades hoch bleiben. (Ausgabe vom 13.06.2025) (16.06.2025/alc/a/a)