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"Fallen Angels" - Steigende Chancen an den asiatischen Anleihemärkten
04.05.16 07:57
NN Investment Partners
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Nach einer halbjährigen Wackelpartie wurde das Rohstoffunternehmen Noble Group mit Sitz in Hongkong im Dezember/Januar schließlich von Investment Grade auf High Yield heruntergestuft, so Joep Huntjens, Lead Portfolio Manager, Asian Debt Hard Currency & Lead Portfolio Manager EM Corporate Debt, Singapur bei NN Investment Partners.
Die Folgen würden schwer wiegen: Noble sei nicht nur aus mehreren Investment-Grade-Indices gefallen, die 2020 Anleihen der Gruppe hätten im Dezember und Januar um 22 Prozentpunkte nachgegeben. Inmitten des Kursrutsches seien die Renditen um 35 Prozent nach oben geschossen. Damit sei die Noble Group ein Paradebeispiel für einen "Fallen Angel".
In den Religionen Abrahams seien "gefallene Engel" Himmelswesen, die aus dem Himmel auf die Erde verbannt worden seien. Auf den Anleihemärkten sei diese Bezeichnung für Bonds reserviert, denen das geheiligte Investment-Grade-Rating im Tausch gegen ein High-Yield-Rating aberkannt worden sei.
Damit seien "Fallen Angels" nicht nur von reinen Investment-Grade-Indices ausgeschlossen, auch börsengehandelte Fonds (ETFs), die diese Indices nachbilden würden, seien gezwungen, diese Anleihen abzustoßen - in der Regel mit Verlust. Pensionsfonds und Banken würden oftmals nur High-Grade-Titel in ihren Portfolien halten. So dürften Publikumsfonds im Rahmen von Singapurs nationaler Altersversorgung nur bis zu 5 Prozent ihres Vermögens in hochverzinsliche Anleihen investieren.
Nobles Fall sei jedoch nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil: Der "Sündenfall" des Unternehmens entspreche einem globalen Trend. So seien im Jahr 2015 die 32 EM-Unternehmensanleihen aus dem IG-Index Barclays Global Aggregate gefallen, 2014 seien es nur sieben und 2013 nur sechs gewesen. Zu diesen "gefallenen Engeln" würden auch der staatliche brasilianische Ölriese Petrobras sowie zahlreiche russische Banken und die größten Erdölunternehmen des Landes zählen.
Dieser Trend werde wohl anhalten, denn Rohstoffproduzenten seien infolge des chronischen Überangebots und schwacher Preise besonders von Herabstufungen betroffen. In diesem Frühjahr habe Moody's bereits die Ratings hunderter Öl-, Gas- und Bergbauunternehmen rund um den Globus auf Beobachtung gesetzt und damit die Weichen für den "Sündenfall" weiterer "Engel" gestellt.
Chinas Konjunkturabschwung stelle eine weitere zunehmende Belastung für die Anleihemärkte dar: Der Ausblick für chinesische Staatsanleihen sei dieses Jahr von stabil auf negativ heruntergestuft worden. Bislang würden die Märkte diese Änderungen mit relativem Gleichmut hinnehmen, doch bestehe das Risiko, dass Chinas Staatsanleihen von aktuell AA- herabgestuft würden. Das wiederum hätte negative Folgewirkungen für chinesische Unternehmensanleihen, deren Ratings sich von denen für Staatsanleihen ableiten würden.
Doch es sei durchaus nicht alles düster in diesem Anlageumfeld. So seien die Folgen niedriger Rohstoffpreise für Asien weniger ausgeprägt als für andere Regionen. Asien sei ein Nettorohstoffimporteur und nur 10 Prozent des asiatischen Anleiheuniversums bestehe aus Rohstoff- und Ölunternehmen. Auf EM-Unternehmen würden demgegenüber 21 Prozent entfallen. Bei zahlreichen regionalen Produzenten handle es sich um Staatsunternehmen, die auch weiterhin die Unterstützung ihrer Regierungen genießen würden, unabhängig vom Geschäftsumfeld. Damit sinke das Ausfallrisiko.
Hinzu komme, dass Chinas langfristige Perspektiven trotz kurzfristiger Volatilität weiterhin solide seien. Zwar sei das Wachstum in 2015 auf 6,9 Prozent gesunken (von über 10 Prozent in 2010), doch diese Verlangsamung sei Folge des allmählichen Wandels des chinesischen Wirtschaftsmodells. Konsum und Dienstleistungssektor würden allmählich das produzierende Gewerbe und Investments als Konjunkturlokomotive des Landes verdrängen. Was Reformen betreffe, so habe die Regierung bereits signalisiert, dass sie die Überkapazitäten in ineffizienten Branchen angehen werde. Die Umsetzung dieser Veränderungen brauche Zeit, denn China wolle seine Stabilität nicht riskieren.
Als Investoren, die sich seit 1996 an den asiatischen Anleihemärkten engagieren, sehen die Experten von NN Investment Partners "Fallen Angels" vor allem als Gelegenheit, Rentenwerte zu günstigen Margen aufzunehmen. Eine von Barclays Research am US-Rentenmarkt durchgeführte Studie bestätige ihre Erfahrung: "Fallen Angels" würden zwar vor der Herabstufung schlechter abschneiden als der Investment-Grade-Index, würden aber deutlich in den sechs Wochen nach der Herabstufung outperformen. Seit Beginn des Jahres hätten "Fallen Angels" in den USA den breiteren High-Yield-Markt um über 10 Prozent übertroffen und würden damit ein in der Vergangenheit beobachtetes Muster in zeitlicher Nähe zu Downgrades widerspiegeln.
Im Anschluss an den anfänglichen Schock über Nobles Herabstufung seien die Renditen seit ihrem Höchststand von 35 Prozent auf 18 Prozent zurückgegangen. Relativ gesehen, habe Noble den JPMorgan Asia Credit High-Yield Corporate Index im zweiten und dritten Monat nach Herabstufung um 22 Prozentpunkte übertroffen. Das lasse vermuten, dass der anfängliche Kursrutsch übertrieben gewesen sei und aller Wahrscheinlichkeit nach durch Zwangsverkäufe ausgelöst worden sei, da der Titel nicht mehr in den IG-Indices vertreten gewesen sei.
Anstatt "Fallen Angels" gänzlich zu vermeiden und sich strikt an IG-Indices zu orientieren, sei eine sorgfältige Titelauswahl nach Erfahrung der Experten einträglicher. Letztlich sei es Sache des Anlegers, zu prüfen, ob die Kreditrahmendaten des Emittenten den Preisverfall rechtfertigen würden. Diese Prüfungen sind Teil unseres Tagesgeschäfts, so die Experten von NN Investment Partners. Denn schließlich sei "der intelligente Anleger ein Realist, der von Pessimisten kauft und an Optimisten verkauft" (frei nach Benjamin Graham, Wirtschaftswissenschaftler und Investor). (Ausgabe vom 03.05.2016) (04.05.2016/alc/a/a)
Die Folgen würden schwer wiegen: Noble sei nicht nur aus mehreren Investment-Grade-Indices gefallen, die 2020 Anleihen der Gruppe hätten im Dezember und Januar um 22 Prozentpunkte nachgegeben. Inmitten des Kursrutsches seien die Renditen um 35 Prozent nach oben geschossen. Damit sei die Noble Group ein Paradebeispiel für einen "Fallen Angel".
In den Religionen Abrahams seien "gefallene Engel" Himmelswesen, die aus dem Himmel auf die Erde verbannt worden seien. Auf den Anleihemärkten sei diese Bezeichnung für Bonds reserviert, denen das geheiligte Investment-Grade-Rating im Tausch gegen ein High-Yield-Rating aberkannt worden sei.
Damit seien "Fallen Angels" nicht nur von reinen Investment-Grade-Indices ausgeschlossen, auch börsengehandelte Fonds (ETFs), die diese Indices nachbilden würden, seien gezwungen, diese Anleihen abzustoßen - in der Regel mit Verlust. Pensionsfonds und Banken würden oftmals nur High-Grade-Titel in ihren Portfolien halten. So dürften Publikumsfonds im Rahmen von Singapurs nationaler Altersversorgung nur bis zu 5 Prozent ihres Vermögens in hochverzinsliche Anleihen investieren.
Nobles Fall sei jedoch nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil: Der "Sündenfall" des Unternehmens entspreche einem globalen Trend. So seien im Jahr 2015 die 32 EM-Unternehmensanleihen aus dem IG-Index Barclays Global Aggregate gefallen, 2014 seien es nur sieben und 2013 nur sechs gewesen. Zu diesen "gefallenen Engeln" würden auch der staatliche brasilianische Ölriese Petrobras sowie zahlreiche russische Banken und die größten Erdölunternehmen des Landes zählen.
Chinas Konjunkturabschwung stelle eine weitere zunehmende Belastung für die Anleihemärkte dar: Der Ausblick für chinesische Staatsanleihen sei dieses Jahr von stabil auf negativ heruntergestuft worden. Bislang würden die Märkte diese Änderungen mit relativem Gleichmut hinnehmen, doch bestehe das Risiko, dass Chinas Staatsanleihen von aktuell AA- herabgestuft würden. Das wiederum hätte negative Folgewirkungen für chinesische Unternehmensanleihen, deren Ratings sich von denen für Staatsanleihen ableiten würden.
Doch es sei durchaus nicht alles düster in diesem Anlageumfeld. So seien die Folgen niedriger Rohstoffpreise für Asien weniger ausgeprägt als für andere Regionen. Asien sei ein Nettorohstoffimporteur und nur 10 Prozent des asiatischen Anleiheuniversums bestehe aus Rohstoff- und Ölunternehmen. Auf EM-Unternehmen würden demgegenüber 21 Prozent entfallen. Bei zahlreichen regionalen Produzenten handle es sich um Staatsunternehmen, die auch weiterhin die Unterstützung ihrer Regierungen genießen würden, unabhängig vom Geschäftsumfeld. Damit sinke das Ausfallrisiko.
Hinzu komme, dass Chinas langfristige Perspektiven trotz kurzfristiger Volatilität weiterhin solide seien. Zwar sei das Wachstum in 2015 auf 6,9 Prozent gesunken (von über 10 Prozent in 2010), doch diese Verlangsamung sei Folge des allmählichen Wandels des chinesischen Wirtschaftsmodells. Konsum und Dienstleistungssektor würden allmählich das produzierende Gewerbe und Investments als Konjunkturlokomotive des Landes verdrängen. Was Reformen betreffe, so habe die Regierung bereits signalisiert, dass sie die Überkapazitäten in ineffizienten Branchen angehen werde. Die Umsetzung dieser Veränderungen brauche Zeit, denn China wolle seine Stabilität nicht riskieren.
Als Investoren, die sich seit 1996 an den asiatischen Anleihemärkten engagieren, sehen die Experten von NN Investment Partners "Fallen Angels" vor allem als Gelegenheit, Rentenwerte zu günstigen Margen aufzunehmen. Eine von Barclays Research am US-Rentenmarkt durchgeführte Studie bestätige ihre Erfahrung: "Fallen Angels" würden zwar vor der Herabstufung schlechter abschneiden als der Investment-Grade-Index, würden aber deutlich in den sechs Wochen nach der Herabstufung outperformen. Seit Beginn des Jahres hätten "Fallen Angels" in den USA den breiteren High-Yield-Markt um über 10 Prozent übertroffen und würden damit ein in der Vergangenheit beobachtetes Muster in zeitlicher Nähe zu Downgrades widerspiegeln.
Im Anschluss an den anfänglichen Schock über Nobles Herabstufung seien die Renditen seit ihrem Höchststand von 35 Prozent auf 18 Prozent zurückgegangen. Relativ gesehen, habe Noble den JPMorgan Asia Credit High-Yield Corporate Index im zweiten und dritten Monat nach Herabstufung um 22 Prozentpunkte übertroffen. Das lasse vermuten, dass der anfängliche Kursrutsch übertrieben gewesen sei und aller Wahrscheinlichkeit nach durch Zwangsverkäufe ausgelöst worden sei, da der Titel nicht mehr in den IG-Indices vertreten gewesen sei.
Anstatt "Fallen Angels" gänzlich zu vermeiden und sich strikt an IG-Indices zu orientieren, sei eine sorgfältige Titelauswahl nach Erfahrung der Experten einträglicher. Letztlich sei es Sache des Anlegers, zu prüfen, ob die Kreditrahmendaten des Emittenten den Preisverfall rechtfertigen würden. Diese Prüfungen sind Teil unseres Tagesgeschäfts, so die Experten von NN Investment Partners. Denn schließlich sei "der intelligente Anleger ein Realist, der von Pessimisten kauft und an Optimisten verkauft" (frei nach Benjamin Graham, Wirtschaftswissenschaftler und Investor). (Ausgabe vom 03.05.2016) (04.05.2016/alc/a/a)


