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FED lässt alles beim Alten
28.07.16 12:41
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Zum fünften Mal in Folge hat die US-Notenbank FED den Schlüsselzins zur Versorgung der Banken mit Geld nicht angefasst und lässt ihn auch fast fünf Wochen nach dem Brexit unverändert bei 0,25% bis 0,50%, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Die Entscheidung sei mit 9 zu 1 Stimmen gefallen. Lediglich die Chefin der FED in Kansas City, Ester George, habe sich für eine Leitzinserhöhung ausgesprochen. Dies könne als Zeichen gedeutet werden, dass eine Anhebung der Zinsen nicht generell vom Tisch sei, aber zumindest bis zum 21.September, dem nächsten FED-Treffen, gewartet werden müsse. Ob sich allerdings dann - so kurz vor der Präsidentschaftswahl - die Notenbanker zu einem solchen Schritt durchringen würden, dürfe bezweifelt werden.
Ursprünglich habe die FED-Chefin eine Erhöhung für Juni oder Juli des Jahres angedeutet, aber auch gestern habe sich der geldpolitische Ausschuss der FED nicht getraut, diesen Schritt zu gehen. Es könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass man die Fantasie zwar am Leben halten möchte und dabei wie bei der Echternacher Springprozession vorgehe. So habe die FED-Chefin auf eine Verringerung der kurzfristigen Risiken für den US-Wirtschaftsausblick und auf die Belebung des US-Arbeitsmarktes verwiesen, aber anscheinend hätten diverse internationale Entwicklungen ein aggressiveres Vorgehen verhindert.
Einerseits möchte man sicherlich gerne mit einem solchen Zinsschritt die Robustheit der US-Wirtschaft unterstreichen, aber zugleich befürchte man die Stärkung der heimischen Währung und die damit geringeren Exportmöglichkeit eigener Waren. Aber auch ein Anstieg der staatlichen Refinanzierungs-Kosten und ein "Störfeuer" für die Aktienkurse an der Wallstreet gelte es zu vermeiden. Um alle diese Aspekte zu berücksichtigen, bedürfe es Fingerspitzengefühl und zwar einer großen Menge.
Am morgigen 29. Juli gebe die EU-Bankenbehörde EBA die Ergebnisse des jüngsten Stresstests für die europäische Finanzbranche bekannt. Die EU-Bankenbehörde EBA wolle ihre Zeugnisse an diesem Tag erst um 22 Uhr veröffentlichen - also dann, wenn auch die US-Börsen geschlossen seien. Damit hätten Investoren genügend Zeit, die Ergebnisse bis zur Öffnung der Märkte am kommenden Montag richtig einzuschätzen.
Angesichts der faulen Kredite, welche die italienischen Banken in den Büchern hätten, seien die Finanzmärkte auf die Zensuren gespannt. Aber auch die beiden größten deutschen Banken, Deutsche Bank und Commerzbank, stünden im Fokus des Interesses. Nachdem klar geworden sei, dass die Commerzbank in diesem Jahr um ihren Milliardengewinn bangen müsse, schrumpfe die Kapitaldecke des Instituts. Und auch die Deutsche Bank stecke im Schlamassel, sehe sie sich doch in den USA mit einer neuen Klage wegen undurchsichtiger Hypothekengeschäfte konfrontiert. Dabei gehöre das Geldhaus mit einer Kernkapitalquote von 10,7% schon jetzt nicht gerade zu den stärksten der Branche.
Doch es seien insbesondere die italienischen Geldhäuser, die durch den Stresstest unter Druck stünden. Sie würden faule Kredite von 360 Mrd. Euro mit sich herumtragen und würden wohl mit besonders schlechten Zensuren zu rechnen haben. Nicht umsonst habe EZB-Chef Mario Draghi bereits eine rasche Lösung der Probleme angemahnt - whatever that means. Es könnte nämlich sein, dass man die Stresstest-Ergebnisse heranziehe, um einen Grund zu haben, die italienischen Banken staatlich zu stützen. Nach einer derartigen Lösung suche ja seit Wochen Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, der den Regeln der Europäischen Bankenunion die Schuld für das eigene Dilemma zuschiebe. Nach seiner Lesart sei es alleine die Brexit-Entscheidung der Briten gewesen, welche die Probleme der italienischen Banken verursacht habe. Und daher müsse man auch den Weg durch die Hintertür der staatlichen Hilfen gehen, den die Bankenunion erlaube, wenn das gesamte Bankensystem in der EU bedroht sei. Dass die italienischen Geldhäuser schon viel länger riskante Kredite mit sich herumtragen würden, werde dabei elegant verschwiegen.
EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny wolle hingegen die Lage der italienischen Banken indessen "nicht überdramatisieren", gestehe aber zu, dass es bei der drittgrößten italienischen Bank, Monte dei Paschi di Siena, "ein aktuelles Problem" gebe. Daher sei es notwendig, "in sehr rascher Zeit eine konkrete Lösung zu finden". Bei den anderen Instituten schätze er die faulen Kredite als "ein lösbares Problem" ein - etwa mit dem bewährten Modell einer Bad Bank.
Sollte es aber tatsächlich zu einem staatlichen Eingriff zur Rettung der italienischen Banken kommen, dürfte Rom alleine dazu schwerlich in der Lage sein. Immerhin sei das Land schon jetzt in Höhe von 137% des BIPs verschuldet. Das seien zwar noch keine griechischen Verhältnisse (175%), aber man wäre auf einem guten Weg dorthin.
Auch in Portugal würden wichtige Banken zunehmend mit Problemen kämpfen. So brauche etwa die größte Bank des Landes, die Novo Banco, mehrere Milliarden an zusätzlichem Geld. Die Großbank Barclays gehe davon aus, dass portugiesische Geldhäuser insgesamt bis zu 7,5 Mrd. Euro an Kapitalhilfen benötigen würden.
Die Branche sei also in vielen europäischen Ländern im Krisenmodus, weshalb eine Rückkehr der Bankenkrise zu befürchten sei. So komme auch auf kleinere Institute in Deutschland ein neuer Branchencheck zu. Diesmal sei es die Bundesbank, die überprüfen wolle, wie kleine und mittlere Banken im Land mit den rekordniedrigen Zinsen zurechtkämen. Ein wichtiger Aspekt, der beim Stresstest für die großen Banken ausgeklammert worden sei.
Zu allem Überfluss habe sich dann zum Thema Banken auch noch Boris Johnson, der neue Außenminister von Großbritannien, zu Wort gemeldet und vollmundig erklärt, dass die britischen Banken auch nach dem Brexit ihren EU-Pass behalten dürften. Eine Sichtweise, die sich nicht jedem Beobachter erschließe und für die er nur Erstaunen geerntet habe.
Nachdem ein US-Gericht den Deal zwischen Volkswagen und US-Klägern abgesegnet habe, sei der Weg frei für den bisher höchsten Vergleich in der Automobilindustrie. Demnach zahle der deutsche Automobilkonzern wegen manipulierter Abgaswerte umgerechnet 13,3 Mrd. Euro an VW-Fahrer und staatliche Institutionen.
Corporate Bonds des Konzerns hätten daraufhin ihren Höhenflug fortgesetzt. So notiere ein bis 10/2021 laufender Titel der VW Financial Services mit rund 102,60% auf einem neuen Jahreshoch. Die Rendite liege hier bei 0,25%. Auch im langfristigen Bereich würden die Anleger weiterhin VW vertrauen. So sei auch ein bis 1/2030 laufender Bond (ISIN XS1167667283 / WKN A1ZUTM) auf sein Jahreshoch geklettert, das bei nun ca. 103,57% liege, und rentiere mit ca. 1,33%.
Die EU-Kommission verschone vorerst die Defizitsünder Spanien und Portugal. So habe die Brüsseler Behörde darauf verzichtet, Strafzahlungen für die beiden Länder vorzuschlagen. Nicht einmal eine symbolische Strafe habe die Kommission gefordert, was sogar Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem kritisiert habe. Die EU hätte theoretisch Strafen von bis zu 0,2% der jeweiligen Wirtschaftsleistung eines Landes verhängen können. Der Hinweis von Jean-Claude Juncker auf das Aussetzen der Gelder aus den Strukturfonds könne in diesem Zusammenhang nur als letzter Versuch gesehen werden, das Gesicht zu wahren.
Nun müssten die Finanzminister der EU-Staaten entscheiden, ob die Empfehlungen der EU-Kommission umgesetzt würden oder ob dennoch Strafen ausgesprochen werden sollten. Auch gegen Länder wie Deutschland und Frankreich seien in der Vergangenheit trotz mehrerer Verstöße gegen den Euro-Stabilitätspakt keine Geldbußen verhängt worden. Vor diesem Hintergrund sei es natürlich nicht ganz einfach, Spanien und Portugal zu erklären, warum sie denn nun zu zahlen hätten. Der Fall zeige aber auch, dass es schwierig sei, seine Prinzipien durchzusetzen, wenn man sie gleich bei erster Gelegenheit schon nicht eingehalten habe. Aber wozu bedürfe es dann eigentlich noch Prinzipien?
Spanien und Portugal werde vorgeworfen, jahrelang übermäßige Haushaltsdefizite aufgebaut zu haben, bzw. nicht konsequent genug gegen ihre Haushaltslöcher vorgegangen zu sein. Spanien habe 2015 ein Defizit von 5,1% aufgewiesen, Portugal habe 4,4% verzeichnet. Erlaubt sei nach den Maastricht-Kriterien eine maximale Neuverschuldung von jährlich 3,0% der Wirtschaftsleistung.
Für die kommende Woche habe die japanische Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe ein neuerliches Konjunkturprogramm angekündigt, in dessen Rahmen die gigantische Summe von ca. 235 Mrd. Euro für eine nachhaltige Belebung der Konjunktur zur Verfügung gestellt werden solle. Bereits diesen Freitag werde die japanische Notenbank (BoJ) bekannt geben, wie man diesen "Kraftakt" unterstützen werde. Man dürfe also durchaus gespannt sein, welche Register gezogen würden.
Die Maßnahmen dürften eine Mischung aus öffentlichen Ausgaben und Anreizen für günstige Kredite umfassen, die dem Privatsektor seitens der Finanzinstitute zur Verfügung gestellt würden. Bei diese Gelegenheit werde auch die BoJ ins Spiel kommen und entweder mit einer Zinssenkung oder der Ausweitung der Ankäufe von Anleihen, Aktien oder ETFs Liquidität in die Märkte pumpen. Der zwischenzeitlich in Erwägung gezogene Einsatz von "Helikopter-Geld" scheine allerdings nicht praktikabel und somit keine Option zu sein.
Bereits die Ankündigung der Maßnahmen zu einem bewussten Konjunkturstimulus habe ausgereicht, um die Aktienkurse der exportorientierten Unternehmen zu beflügeln. Dies wiederum erscheine logisch, da bereits durch die avisierte Geldschwemme eine Schwächung der eigenen Währung initiiert worden sei. Dies könnte der Beginn eines Währungskrieges sein, weshalb es interessant zu beobachten sein werde, wie die exportorientierten Unternehmen außerhalb von Japan auf diese Ansage reagieren würden. Sicher könne man sich nur sein, dass man auf Reaktionen nicht lange werde warten müssen.
Obwohl die vergangenen Tage von einer abwartenden Haltung der Marktteilnehmer geprägt gewesen seien und viele bereits im wohlverdienten Sommerurlaub weilen würden, hätten sich verschiedene Emittenten am Kapitalmarkt aktiv gezeigt.
So habe mit Teva Pharmaceutical Finance ein bekannterer Emittent am Kapitalmarkt begrüßt werden können, der es sogleich geschafft habe, drei Anleihen im Gesamtvolumen von 4 Mrd. Euro zu platzieren. Bei der ersten Tranche handle es sich um eine 1,75 Mrd. Euro schwere Anleihe (ISIN XS1439749109 / WKN A1VQDC), die am 25.07.2020 endfällig und mit einem jährlichen Kupon von 0,375% ausgestattet sei. Gepreist worden sei der Bond bei 99,644%, was einem Emissionsspread von +65 bps über Mid Swap entsprochen habe. Die zweite Tranche (ISIN XS1439749281 / WKN A1VQDA) umfasse 1,5 Mrd. Euro und biete dem Anleger eine jährliche Verzinsung von 1,125% bis zum Laufzeitende am 15.10.2024. Die Anleihe sei zu 99,231% begeben worden (+105 bps über Mid Swap). Der dritte Bond (ISIN XS1439749364 / WKN A1VQDB) im Bunde umfasse ein Volumen von 750 Mio. Euro. Das Papier sei mit einer jährlichen Verzinsung in Höhe von 1,625% bis zur Endfälligkeit am 15.10.2028 ausgestattet. Das Pricing sei mit +120 bps über Mid Swap erfolgt. Folglich habe der Ausgabepreis 98,898% betragen. Der Emittent habe bei allen Bonds ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) in die Anleihebedingungen aufnehmen lassen und sich für eine Mindeststückelung von 100.000 Euro entschieden.
Ebenso habe das im Mobilfunksektor tätige Unternehmen Vodafone den Weg an den Primärmarkt geschafft und 1 Mrd. Euro refinanziert. Dabei sei eine Anleihe (ISIN XS1463101680 / WKN A184MY) mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,6% und Fälligkeit am 29.07.2031 aufgelegt worden. Der Ausgabepreis sei bei +95 bps über Mid Swap und somit bei 99,788% fixiert worden. Vodafone habe sich bei diesem Bond ebenfalls für eine Mindestanlagesumme von 100.000 Euro entschieden, weshalb auch diese Anleihe insbesondere institutionelle Anleger interessieren werde.
Momentan scheinen die gegenläufigen Entwicklungen an den Aktien- und Rentenmärkten der Vergangenheit anzugehören, so Stopp. Hätten noch vor wenigen Wochen fallende Aktienkurse zur Flucht in den sicheren Hafen - und umgekehrt - geführt, so würden beide Assetklassen nun im Gleichschritt schreiten. Wie lange das so sein möge, vermöge allerdings niemand zu prophezeien.
Diese Entwicklung sei einzig und allein der Geldpolitik der führenden Notenbanken geschuldet und weil diesbezüglich keine Trendwende zu vermelden sei, werde diese "Karte" weiterhin seitens der Investoren gespielt. Die Preise der Anleihen und auch der Future-Kontrakte würden sich immer weiter von der Realität entfernen und eine "rote" Linie bei den Negativzinsen, die nicht überschritten werden sollte, scheine es ebenfalls nicht zu geben.
Aus diesem Grunde sei es nicht verwunderlich, dass ein kleiner Abwärtstrend nach oben verlassen worden sei und das Rentenbarometer wieder über der psychologischen Marke von 167% notiere. Dies habe sich auch nach der gestrigen FED-Sitzung nicht geändert. Aktuell notiere der Euro-Bund-Future mit 167,47% in der vom bisherigen Höchstkurs bei 168,86% (24. Juni) und der starken Unterstützung bei 165,61% (mehrere Hochs/Tiefs im Juni) gebildeten Tradingrange.
Bezeichnenderweise habe in dieser Handelswoche Italien mittels der Aufstockung diverser Altemissionen am Kapitalmarkt ca. 10 Mrd. Euro refinanziert. Lediglich Deutschland habe sich ebenfalls aktiv gezeigt und entsprechend dem Emissionskalender bei der bereits 2014 aufgelegten Bundesanleihe (ISIN DE0001102341 / WKN 110234), die am 15.08.2046 endfällig sei, das Emissionsvolumen um 1 Mrd. Euro auf insgesamt 18 Mrd. Euro erhöht. Hierfür seien Kaufaufträge über insgesamt ca. 1,2 Mrd. Euro aufgegeben worden und die Zuteilung sei bei einer Durchschnittsrendite von 0,45% erfolgt.
In den USA seien im gleichen Zeitraum 114 Mrd. USD als T-Bills mit den üblichen Laufzeiten (vier Wochen, drei und sechs Monate) emittiert worden. Zusätzlich seien den Investoren auch T-Notes mit einer Fälligkeit in 2018 für 26 Mrd. USD, in 2021 für 34 Mrd. USD und in 2023 für 28 Mrd. USD zum Kauf angeboten worden. Abgerundet worden sei das Emissionspaket in dieser Woche mit einer zweijährigen Floating Rate Note im Volumen von 15 Mrd. USD.
In dieser Woche hätten in den USA die Nominierungsparteitage der Demokraten und der Republikaner stattgefunden und jetzt sei es amtlich, dass sich erstmals eine Frau um das höchste Amt der USA bewerbe. Ob es Hillary Clinton gelingen werde, das Volk hinter sich zu bringen und als erste US-Präsidentin ins Weiße Haus einzuziehen, müsse abgewartet werden. Entschieden sei dieser Wahlkampf noch lange nicht und es sei zu befürchten, dass er einer der schmutzigsten werden werde.
Doch vor der am 8. November anstehenden Abstimmung hätten die Marktteilnehmer auf das Ergebnis der gestrigen zweitägigen FED-Sitzung gewartet. In Erwartung einer Bestätigung der bisherigen Geldpolitik durch die amerikanische Notenbank habe sich das Währungspaar EUR/USD in den vergangenen Handelstagen als sehr schwankungsarm erwiesen (1,0950 USD/ 1,1058 USD). Beeinflusst durch das gestrige Statement der FED-Chefin, Janet Yellen, notiere die europäische Gemeinschaftswährung inzwischen bei 1,11 USD und somit etwas fester.
Die beiden anderen im Fokus stehenden Währungen (GBP und TRY) hätten sich in den vergangenen Tagen von ihren Tiefstständen etwas entfernen können. In beiden Ländern sei allerdings die weitere Entwicklung sowohl in politischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht nicht absehbar, sodass sich viele Privatanleger mit in diesen Währungen begebenen Anleihen befassen würden und Handelsaktivitäten entfaltet hätten. Darüber hinaus hätten auch Anleihen lautend auf US- und Neuseeland-Dollar sowie Brasilianische Real im Fokus der Investoren gestanden.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (28.07.2016/alc/a/a)
Die Entscheidung sei mit 9 zu 1 Stimmen gefallen. Lediglich die Chefin der FED in Kansas City, Ester George, habe sich für eine Leitzinserhöhung ausgesprochen. Dies könne als Zeichen gedeutet werden, dass eine Anhebung der Zinsen nicht generell vom Tisch sei, aber zumindest bis zum 21.September, dem nächsten FED-Treffen, gewartet werden müsse. Ob sich allerdings dann - so kurz vor der Präsidentschaftswahl - die Notenbanker zu einem solchen Schritt durchringen würden, dürfe bezweifelt werden.
Ursprünglich habe die FED-Chefin eine Erhöhung für Juni oder Juli des Jahres angedeutet, aber auch gestern habe sich der geldpolitische Ausschuss der FED nicht getraut, diesen Schritt zu gehen. Es könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass man die Fantasie zwar am Leben halten möchte und dabei wie bei der Echternacher Springprozession vorgehe. So habe die FED-Chefin auf eine Verringerung der kurzfristigen Risiken für den US-Wirtschaftsausblick und auf die Belebung des US-Arbeitsmarktes verwiesen, aber anscheinend hätten diverse internationale Entwicklungen ein aggressiveres Vorgehen verhindert.
Einerseits möchte man sicherlich gerne mit einem solchen Zinsschritt die Robustheit der US-Wirtschaft unterstreichen, aber zugleich befürchte man die Stärkung der heimischen Währung und die damit geringeren Exportmöglichkeit eigener Waren. Aber auch ein Anstieg der staatlichen Refinanzierungs-Kosten und ein "Störfeuer" für die Aktienkurse an der Wallstreet gelte es zu vermeiden. Um alle diese Aspekte zu berücksichtigen, bedürfe es Fingerspitzengefühl und zwar einer großen Menge.
Am morgigen 29. Juli gebe die EU-Bankenbehörde EBA die Ergebnisse des jüngsten Stresstests für die europäische Finanzbranche bekannt. Die EU-Bankenbehörde EBA wolle ihre Zeugnisse an diesem Tag erst um 22 Uhr veröffentlichen - also dann, wenn auch die US-Börsen geschlossen seien. Damit hätten Investoren genügend Zeit, die Ergebnisse bis zur Öffnung der Märkte am kommenden Montag richtig einzuschätzen.
Angesichts der faulen Kredite, welche die italienischen Banken in den Büchern hätten, seien die Finanzmärkte auf die Zensuren gespannt. Aber auch die beiden größten deutschen Banken, Deutsche Bank und Commerzbank, stünden im Fokus des Interesses. Nachdem klar geworden sei, dass die Commerzbank in diesem Jahr um ihren Milliardengewinn bangen müsse, schrumpfe die Kapitaldecke des Instituts. Und auch die Deutsche Bank stecke im Schlamassel, sehe sie sich doch in den USA mit einer neuen Klage wegen undurchsichtiger Hypothekengeschäfte konfrontiert. Dabei gehöre das Geldhaus mit einer Kernkapitalquote von 10,7% schon jetzt nicht gerade zu den stärksten der Branche.
Doch es seien insbesondere die italienischen Geldhäuser, die durch den Stresstest unter Druck stünden. Sie würden faule Kredite von 360 Mrd. Euro mit sich herumtragen und würden wohl mit besonders schlechten Zensuren zu rechnen haben. Nicht umsonst habe EZB-Chef Mario Draghi bereits eine rasche Lösung der Probleme angemahnt - whatever that means. Es könnte nämlich sein, dass man die Stresstest-Ergebnisse heranziehe, um einen Grund zu haben, die italienischen Banken staatlich zu stützen. Nach einer derartigen Lösung suche ja seit Wochen Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi, der den Regeln der Europäischen Bankenunion die Schuld für das eigene Dilemma zuschiebe. Nach seiner Lesart sei es alleine die Brexit-Entscheidung der Briten gewesen, welche die Probleme der italienischen Banken verursacht habe. Und daher müsse man auch den Weg durch die Hintertür der staatlichen Hilfen gehen, den die Bankenunion erlaube, wenn das gesamte Bankensystem in der EU bedroht sei. Dass die italienischen Geldhäuser schon viel länger riskante Kredite mit sich herumtragen würden, werde dabei elegant verschwiegen.
EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny wolle hingegen die Lage der italienischen Banken indessen "nicht überdramatisieren", gestehe aber zu, dass es bei der drittgrößten italienischen Bank, Monte dei Paschi di Siena, "ein aktuelles Problem" gebe. Daher sei es notwendig, "in sehr rascher Zeit eine konkrete Lösung zu finden". Bei den anderen Instituten schätze er die faulen Kredite als "ein lösbares Problem" ein - etwa mit dem bewährten Modell einer Bad Bank.
Sollte es aber tatsächlich zu einem staatlichen Eingriff zur Rettung der italienischen Banken kommen, dürfte Rom alleine dazu schwerlich in der Lage sein. Immerhin sei das Land schon jetzt in Höhe von 137% des BIPs verschuldet. Das seien zwar noch keine griechischen Verhältnisse (175%), aber man wäre auf einem guten Weg dorthin.
Auch in Portugal würden wichtige Banken zunehmend mit Problemen kämpfen. So brauche etwa die größte Bank des Landes, die Novo Banco, mehrere Milliarden an zusätzlichem Geld. Die Großbank Barclays gehe davon aus, dass portugiesische Geldhäuser insgesamt bis zu 7,5 Mrd. Euro an Kapitalhilfen benötigen würden.
Die Branche sei also in vielen europäischen Ländern im Krisenmodus, weshalb eine Rückkehr der Bankenkrise zu befürchten sei. So komme auch auf kleinere Institute in Deutschland ein neuer Branchencheck zu. Diesmal sei es die Bundesbank, die überprüfen wolle, wie kleine und mittlere Banken im Land mit den rekordniedrigen Zinsen zurechtkämen. Ein wichtiger Aspekt, der beim Stresstest für die großen Banken ausgeklammert worden sei.
Zu allem Überfluss habe sich dann zum Thema Banken auch noch Boris Johnson, der neue Außenminister von Großbritannien, zu Wort gemeldet und vollmundig erklärt, dass die britischen Banken auch nach dem Brexit ihren EU-Pass behalten dürften. Eine Sichtweise, die sich nicht jedem Beobachter erschließe und für die er nur Erstaunen geerntet habe.
Nachdem ein US-Gericht den Deal zwischen Volkswagen und US-Klägern abgesegnet habe, sei der Weg frei für den bisher höchsten Vergleich in der Automobilindustrie. Demnach zahle der deutsche Automobilkonzern wegen manipulierter Abgaswerte umgerechnet 13,3 Mrd. Euro an VW-Fahrer und staatliche Institutionen.
Corporate Bonds des Konzerns hätten daraufhin ihren Höhenflug fortgesetzt. So notiere ein bis 10/2021 laufender Titel der VW Financial Services mit rund 102,60% auf einem neuen Jahreshoch. Die Rendite liege hier bei 0,25%. Auch im langfristigen Bereich würden die Anleger weiterhin VW vertrauen. So sei auch ein bis 1/2030 laufender Bond (ISIN XS1167667283 / WKN A1ZUTM) auf sein Jahreshoch geklettert, das bei nun ca. 103,57% liege, und rentiere mit ca. 1,33%.
Die EU-Kommission verschone vorerst die Defizitsünder Spanien und Portugal. So habe die Brüsseler Behörde darauf verzichtet, Strafzahlungen für die beiden Länder vorzuschlagen. Nicht einmal eine symbolische Strafe habe die Kommission gefordert, was sogar Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem kritisiert habe. Die EU hätte theoretisch Strafen von bis zu 0,2% der jeweiligen Wirtschaftsleistung eines Landes verhängen können. Der Hinweis von Jean-Claude Juncker auf das Aussetzen der Gelder aus den Strukturfonds könne in diesem Zusammenhang nur als letzter Versuch gesehen werden, das Gesicht zu wahren.
Nun müssten die Finanzminister der EU-Staaten entscheiden, ob die Empfehlungen der EU-Kommission umgesetzt würden oder ob dennoch Strafen ausgesprochen werden sollten. Auch gegen Länder wie Deutschland und Frankreich seien in der Vergangenheit trotz mehrerer Verstöße gegen den Euro-Stabilitätspakt keine Geldbußen verhängt worden. Vor diesem Hintergrund sei es natürlich nicht ganz einfach, Spanien und Portugal zu erklären, warum sie denn nun zu zahlen hätten. Der Fall zeige aber auch, dass es schwierig sei, seine Prinzipien durchzusetzen, wenn man sie gleich bei erster Gelegenheit schon nicht eingehalten habe. Aber wozu bedürfe es dann eigentlich noch Prinzipien?
Spanien und Portugal werde vorgeworfen, jahrelang übermäßige Haushaltsdefizite aufgebaut zu haben, bzw. nicht konsequent genug gegen ihre Haushaltslöcher vorgegangen zu sein. Spanien habe 2015 ein Defizit von 5,1% aufgewiesen, Portugal habe 4,4% verzeichnet. Erlaubt sei nach den Maastricht-Kriterien eine maximale Neuverschuldung von jährlich 3,0% der Wirtschaftsleistung.
Die Maßnahmen dürften eine Mischung aus öffentlichen Ausgaben und Anreizen für günstige Kredite umfassen, die dem Privatsektor seitens der Finanzinstitute zur Verfügung gestellt würden. Bei diese Gelegenheit werde auch die BoJ ins Spiel kommen und entweder mit einer Zinssenkung oder der Ausweitung der Ankäufe von Anleihen, Aktien oder ETFs Liquidität in die Märkte pumpen. Der zwischenzeitlich in Erwägung gezogene Einsatz von "Helikopter-Geld" scheine allerdings nicht praktikabel und somit keine Option zu sein.
Bereits die Ankündigung der Maßnahmen zu einem bewussten Konjunkturstimulus habe ausgereicht, um die Aktienkurse der exportorientierten Unternehmen zu beflügeln. Dies wiederum erscheine logisch, da bereits durch die avisierte Geldschwemme eine Schwächung der eigenen Währung initiiert worden sei. Dies könnte der Beginn eines Währungskrieges sein, weshalb es interessant zu beobachten sein werde, wie die exportorientierten Unternehmen außerhalb von Japan auf diese Ansage reagieren würden. Sicher könne man sich nur sein, dass man auf Reaktionen nicht lange werde warten müssen.
Obwohl die vergangenen Tage von einer abwartenden Haltung der Marktteilnehmer geprägt gewesen seien und viele bereits im wohlverdienten Sommerurlaub weilen würden, hätten sich verschiedene Emittenten am Kapitalmarkt aktiv gezeigt.
So habe mit Teva Pharmaceutical Finance ein bekannterer Emittent am Kapitalmarkt begrüßt werden können, der es sogleich geschafft habe, drei Anleihen im Gesamtvolumen von 4 Mrd. Euro zu platzieren. Bei der ersten Tranche handle es sich um eine 1,75 Mrd. Euro schwere Anleihe (ISIN XS1439749109 / WKN A1VQDC), die am 25.07.2020 endfällig und mit einem jährlichen Kupon von 0,375% ausgestattet sei. Gepreist worden sei der Bond bei 99,644%, was einem Emissionsspread von +65 bps über Mid Swap entsprochen habe. Die zweite Tranche (ISIN XS1439749281 / WKN A1VQDA) umfasse 1,5 Mrd. Euro und biete dem Anleger eine jährliche Verzinsung von 1,125% bis zum Laufzeitende am 15.10.2024. Die Anleihe sei zu 99,231% begeben worden (+105 bps über Mid Swap). Der dritte Bond (ISIN XS1439749364 / WKN A1VQDB) im Bunde umfasse ein Volumen von 750 Mio. Euro. Das Papier sei mit einer jährlichen Verzinsung in Höhe von 1,625% bis zur Endfälligkeit am 15.10.2028 ausgestattet. Das Pricing sei mit +120 bps über Mid Swap erfolgt. Folglich habe der Ausgabepreis 98,898% betragen. Der Emittent habe bei allen Bonds ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) in die Anleihebedingungen aufnehmen lassen und sich für eine Mindeststückelung von 100.000 Euro entschieden.
Ebenso habe das im Mobilfunksektor tätige Unternehmen Vodafone den Weg an den Primärmarkt geschafft und 1 Mrd. Euro refinanziert. Dabei sei eine Anleihe (ISIN XS1463101680 / WKN A184MY) mit einem jährlichen Kupon in Höhe von 1,6% und Fälligkeit am 29.07.2031 aufgelegt worden. Der Ausgabepreis sei bei +95 bps über Mid Swap und somit bei 99,788% fixiert worden. Vodafone habe sich bei diesem Bond ebenfalls für eine Mindestanlagesumme von 100.000 Euro entschieden, weshalb auch diese Anleihe insbesondere institutionelle Anleger interessieren werde.
Momentan scheinen die gegenläufigen Entwicklungen an den Aktien- und Rentenmärkten der Vergangenheit anzugehören, so Stopp. Hätten noch vor wenigen Wochen fallende Aktienkurse zur Flucht in den sicheren Hafen - und umgekehrt - geführt, so würden beide Assetklassen nun im Gleichschritt schreiten. Wie lange das so sein möge, vermöge allerdings niemand zu prophezeien.
Diese Entwicklung sei einzig und allein der Geldpolitik der führenden Notenbanken geschuldet und weil diesbezüglich keine Trendwende zu vermelden sei, werde diese "Karte" weiterhin seitens der Investoren gespielt. Die Preise der Anleihen und auch der Future-Kontrakte würden sich immer weiter von der Realität entfernen und eine "rote" Linie bei den Negativzinsen, die nicht überschritten werden sollte, scheine es ebenfalls nicht zu geben.
Aus diesem Grunde sei es nicht verwunderlich, dass ein kleiner Abwärtstrend nach oben verlassen worden sei und das Rentenbarometer wieder über der psychologischen Marke von 167% notiere. Dies habe sich auch nach der gestrigen FED-Sitzung nicht geändert. Aktuell notiere der Euro-Bund-Future mit 167,47% in der vom bisherigen Höchstkurs bei 168,86% (24. Juni) und der starken Unterstützung bei 165,61% (mehrere Hochs/Tiefs im Juni) gebildeten Tradingrange.
Bezeichnenderweise habe in dieser Handelswoche Italien mittels der Aufstockung diverser Altemissionen am Kapitalmarkt ca. 10 Mrd. Euro refinanziert. Lediglich Deutschland habe sich ebenfalls aktiv gezeigt und entsprechend dem Emissionskalender bei der bereits 2014 aufgelegten Bundesanleihe (ISIN DE0001102341 / WKN 110234), die am 15.08.2046 endfällig sei, das Emissionsvolumen um 1 Mrd. Euro auf insgesamt 18 Mrd. Euro erhöht. Hierfür seien Kaufaufträge über insgesamt ca. 1,2 Mrd. Euro aufgegeben worden und die Zuteilung sei bei einer Durchschnittsrendite von 0,45% erfolgt.
In den USA seien im gleichen Zeitraum 114 Mrd. USD als T-Bills mit den üblichen Laufzeiten (vier Wochen, drei und sechs Monate) emittiert worden. Zusätzlich seien den Investoren auch T-Notes mit einer Fälligkeit in 2018 für 26 Mrd. USD, in 2021 für 34 Mrd. USD und in 2023 für 28 Mrd. USD zum Kauf angeboten worden. Abgerundet worden sei das Emissionspaket in dieser Woche mit einer zweijährigen Floating Rate Note im Volumen von 15 Mrd. USD.
In dieser Woche hätten in den USA die Nominierungsparteitage der Demokraten und der Republikaner stattgefunden und jetzt sei es amtlich, dass sich erstmals eine Frau um das höchste Amt der USA bewerbe. Ob es Hillary Clinton gelingen werde, das Volk hinter sich zu bringen und als erste US-Präsidentin ins Weiße Haus einzuziehen, müsse abgewartet werden. Entschieden sei dieser Wahlkampf noch lange nicht und es sei zu befürchten, dass er einer der schmutzigsten werden werde.
Doch vor der am 8. November anstehenden Abstimmung hätten die Marktteilnehmer auf das Ergebnis der gestrigen zweitägigen FED-Sitzung gewartet. In Erwartung einer Bestätigung der bisherigen Geldpolitik durch die amerikanische Notenbank habe sich das Währungspaar EUR/USD in den vergangenen Handelstagen als sehr schwankungsarm erwiesen (1,0950 USD/ 1,1058 USD). Beeinflusst durch das gestrige Statement der FED-Chefin, Janet Yellen, notiere die europäische Gemeinschaftswährung inzwischen bei 1,11 USD und somit etwas fester.
Die beiden anderen im Fokus stehenden Währungen (GBP und TRY) hätten sich in den vergangenen Tagen von ihren Tiefstständen etwas entfernen können. In beiden Ländern sei allerdings die weitere Entwicklung sowohl in politischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht nicht absehbar, sodass sich viele Privatanleger mit in diesen Währungen begebenen Anleihen befassen würden und Handelsaktivitäten entfaltet hätten. Darüber hinaus hätten auch Anleihen lautend auf US- und Neuseeland-Dollar sowie Brasilianische Real im Fokus der Investoren gestanden.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (28.07.2016/alc/a/a)
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Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




