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FED gibt Signal für Zinserhöhung im März


31.01.22 09:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am Mittwochabend waren alle Augen auf die FOMC-Sitzung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (FED) gerichtet, so die Experten von Union Investment.

Die Marktteilnehmer hätten auf ein klares Signal für einen ersten Zinsschritt im März gewartet, welcher am Rentenmarkt bereits eingepreist werde. Der Zentralbankpräsident Jerome Powell habe nach zwei Tagen der Beratung auf der anschließenden Pressekonferenz bekannt gegeben, dass die FOMC-Mitglieder eine baldige Zinserhöhung für angemessen halten würden. Die Forward Guidance bezüglich des Leitzinses sei dementsprechend angepasst worden. Die FED verweise auf eine robuste wirtschaftliche Lage mit einem starken Arbeitsmarkt, welcher das Ziel der Maximalbeschäftigung widerspiegele. Bereits im Dezember sei das zweite geldpolitische Ziel, die Preisstabilität, als erreicht angesehen worden. Somit gebe es nun von beiden Seiten grünes Licht für eine Zinserhöhung.

Jedoch habe Powell sich bewusst vage zum Tempo der weiteren Zinserhöhungsschritte geäußert. Er verweise dabei auf die außerordentliche Situation, in der sich das Land befinde, welche nicht mit der im letzten Zinszyklus 2015 zu vergleichen sei. Deshalb sei es durchaus möglich, dass sich die Zinspolitik diesmal von den vorangegangenen Zyklen unterscheiden werde und die ersten beiden Zinsschritte in einem kürzeren zeitlichen Abstand erfolgen würden. Daraufhin seien die Renditen der zweijährigen US-Staatsanleihen um zwanzig Basispunkte angestiegen und der US-Dollar habe fester gezogen. Der Aktienmarkt dürfte aufgrund der nicht planbaren Geldpolitik in den kommenden Wochen an Volatilität zulegen.

Auf den kommenden FED-Sitzungen werde der künftige Bilanzabbau (Quantitative Tightening/ QT) der Zentralbank diskutiert werden. Dieser werde erst nach Beginn der Zinserhöhungen starten, frühstens im Juni, und primär passiv erfolgen. Das bedeute, dass fällige Anleihen zumindest teilweise nicht mehr reinvestiert würden. Zum Zeitpunkt und zur Höhe des Abbautempos sei aber noch keine Entscheidung getroffen worden. Powell habe aber darauf verwiesen, dass aufgrund der hohen Bilanzausweitungen der letzten Jahre der Abbau schneller starten könnte und das Tempo dieses Mal schneller sein könnte als beim letzten QT.

Die FED wolle nun ihren Hauptfokus auf die Aufwärtsrisiken der Inflation legen. Preisstabilität sei unumgänglich für das Erreichen einer langanhaltenden wirtschaftlichen Expansion, so Powell. Dabei belaste die Omikron-Welle laut Einschätzungen der FED die Wachstumsdynamik in den USA nur im ersten Quartal. Es werde erwartet, dass hier keine Maßnahmen vonseiten der FED notwendig sein werden. Die Geldpolitik bleibe zunächst noch weiterhin wachstumsunterstützend.

Nicht nur in Amerika werde eine Zinserhöhung immer deutlicher. Auch Kanada weise eine gute Ausgangslage auf, um bald eine Erhöhung der Zinsen vorzunehmen: Der hohen Inflationsrate und starken Arbeitsmarktberichten seien Signale eines erhöhten Lohndrucks gefolgt. Die Bank of Canada (BoC) habe am Mittwoch vor der FED getagt und jedoch nicht die von vielen erwartete Zinsanhebung vorgenommen. Es sei wahrscheinlich, dass die BoC zeitgleich mit der FED im März ihre Zinsen erhöhe. Die Situation in China sei eine andere.

Die Chinesische Zentralbank PBoC werde aller Voraussicht nach im Februar ihre Zinsen erneut absenken. Darauf würden die schwachen Konjunkturdaten aus dem Dezember hindeuten, welche das Wachstumsziel von fünf Prozent nachhaltig gefährden könnten. Bereits vergangene Woche habe die PBoC den Zinssatz für Ein-Jahrestender um zehn Basispunkte gesenkt. Im Februar könnte es zu einer Absenkung des Mindestreservesatz für Banken um fünfzig Basispunkte kommen.

In der kommenden Woche finde in China das chinesische Neujahrsfest, Chunjie, statt, das als wichtigster traditioneller chinesischer Feiertag bekannt sei. Die chinesischen Börsen würden deswegen in der nächsten Woche geschlossen bleiben. Ein besonderer Fokus werde in der kommenden Woche auf der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen. Nachdem in dieser Woche die FED getagt habe, werde mit Spannung die Reaktion der EZB auf die Ankündigungen der US-Notenbank erwartet. Auch die Bank of England werde in der kommenden Woche über weitere geldpolitische Maßnahmen entscheiden. (Ausgabe vom 28.01.2022) (31.01.2022/alc/a/a)