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FED bleibt Risikofaktor


23.08.17 11:15
Goldman Sachs Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Steigende Wachstumsprognosen, weniger politische Unsicherheit und Schwellenländer, die sich überdurchschnittlich gut entwickeln: Makroökonomisch gesehen war dieses Jahr bislang recht stabil, so Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

Nun hätten in jüngster Zeit die Inflationserwartungen und der so genannte Trump-Trade kontinuierlich nachgelassen. Wie gehe es also weiter?

Grundsätzlich stehe die weiter wachsende wirtschaftliche Expansion im Einklang mit dem, was die Experten erwartet hätten. Eines ihrer Hauptthemen in diesem Jahr sei der Aufschwung im Konjunkturzyklus, sprich der Anstieg der Wirtschaftsleistung, die voranschreiten werde und sich auf weitere Länder ausweiten dürfte.

Nichtsdestotrotz würden die Zweifel hinsichtlich der Wachstumsdaten wachsen, die zuvor noch konstant positiv überrascht hätten. Das trübe die Stimmung ein wenig. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management sind einerseits überzeugt, dass das globale Wachstum trotzdem über den Vorjahreswerten liegen und die wirtschaftliche Expansion nicht beeinträchtigen wird. Andererseits müsse man anerkennen, dass sich die Lage vor allem gegenüber der positiven ersten Jahreshälfte geändert habe.

Während die Wachstumserwartungen nach oben korrigiert hätten, seien gleichzeitig die Inflationserwartungen gesunken. Die letzten drei US-Verbraucherpreisindices seien besonders stark zurückgegangen. Nach Meinung der Experten von Goldman Sachs Asset Management sprechen diese Daten gegen ein kurzfristiges Aufleben der Inflation. Dadurch, dass freie wirtschaftliche Kapazitäten gebunden seien, dürfte sich dies aber mittelfristig ändern.

In den USA habe es seit 2003 drei Phasen gegeben, in denen der Kern-Verbraucherpreisindex im Jahresvergleich so stark wie zuletzt gesunken sei. Immer sei dies mit einem sichtbar schwächelnden Ölpreiswachstum einhergegangen. Diese Kombination deute darauf hin, dass auch die Kerninflationsrate betroffen sei. Schließlich seien die produktivitätsbereinigten US-Reallöhne in den vergangenen Jahren so hoch wie zuletzt in den 1950er Jahren gewesen. Die Reallohnsteigerungen seien zwar zum Teil ungeplant und auf eine unerwartet niedrige Inflation zurückzuführen gewesen, könnten sich aber auf das künftige Lohnwachstum auswirken. Entscheidend sei, dass all diese erschwerenden Faktoren nur vorübergehend relevant seien und davon auszugehen sei, dass sich die Inflation im weiteren Jahresverlauf stabilisiere.

Wie gehe es nun weiter? Aus volkswirtschaftlicher Sicht sei es wahrscheinlich. Schließlich würden sich zwischen der ersten und zweiten Jahreshälfte viele Parallelen abzeichnen. Der sich ausweitende wirtschaftliche Aufschwung werde die Arbeitsmärkte unter Druck setzen und die Inflationsraten beflügeln. Abzuwarten bleibe zweifellos, wann sich diese Faktoren gegenüber den temporären Inflationshemmnissen durchsetzen würden.

Die Anleihemärkte machen auf den Experten von Goldman Sachs Asset Management nach Jahren enttäuschender Wachstums- und Inflationszahlen und massiven Eingriffen durch die Zentralbanken einen eher gesättigten Eindruck. Die US-Zinsen seien für eine geplante geldpolitische Straffung gleichwohl noch zu niedrig. Es scheine zudem, dass die Märkte unterschätzen würden, wie sich eine Bilanzreduzierung der FED und ein schrittweiser Ausstieg aus dem QE-Programm auswirken dürften.

Die Experten von Goldman Sachs Asset Management stehen Staatsanleihen und insbesondere US-Treasuries skeptisch gegenüber, setzen nichtsdestotrotz auf Relative-Value-Investments. In anderen Ländern - im Gegensatz zu den USA - werde eine mögliche geldpolitische Straffung eher überbewertet. So preise der Markt beispielsweise in Kanada trotz der niedrigeren Inflation, des geringen Lohnwachstums und des erneut schwächelnden Ölpreises mehr Zinserhöhungen ein als in den USA. Um von diesen Unterschieden zu profitieren, würden die Experten auf Relative-Value setzen.

Spreadrisiken schätzen die Experten von Goldman Sachs Asset Management überwiegend neutral ein, bei Assets mit starkem Exposure auf eine geldpolitische Straffung durch die FED sind sie eher zurückhaltend. Hierzu würden beispielsweise Mortgage-Backed Securities (MBS) und Unternehmensanleihen zählen. Verbriefte Kredite einschließlich MBS ohne Staatsgarantie und Collateralized-Loan-Obligations mit AAA-Rating hätten mehr Wertpotenzial.

Schwellenländer sind nach wie vor interessant, wenngleich Staatsanleihen teuer erscheinen, so die Experten von Goldman Sachs Asset Management. In diesem Bereich seien die Bewertungen nach einer starken Rally zu Jahresbeginn weniger attraktiv. Die Experten würden jedoch die Reformbemühungen in den Schwellenländern anerkennen und weiterhin nach möglichen Investments suchen. Generell seien die Fundamentaldaten in der Region vielversprechend wie auch Unternehmensanleihen. Zudem beobachte man genau, ob China es schaffe, sein Verschuldungsniveau abzubauen, ohne das Wachstum zu belasten.

Ein Risikofaktor bleibe weiterhin eine offensivere Geldpolitik seitens der FED, die den US-Dollar stärken und Finanzierungsmöglichkeiten erschweren könnte. Dabei könnte auch die Volatilität von staatlichen Hypothekenanleihen auf den Kreditbereich übergreifen. Letztlich könnten vor allem steigende Löhne zu erhöhter Inflation führen. Angesichts der momentanen Marktlage sei davon auszugehen, dass selbst eine geringfügig höhere Inflation große Marktauswirkungen haben könnte.

Zentral für uns - und für alle Anleihemärkte - ist das Auslaufen der extrem akkomodierenden Geldpolitik der FED, so die Experten von Goldman Sachs Asset Management. Aufgrund eines stabileren Wachstums und angespannter Arbeitsmärkte dürfte die Zinspolitik der US-Notenbank weiter anziehen. Inflationsraten und Leitzinsen dürften in anderen Märkten hingegen wohl relativ niedrig bleiben. (23.08.2017/alc/a/a)