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FED-Zinssitzung: "Wie lange" statt "wie hoch"


12.12.23 11:14
ETHENEA

Munsbach (www.anleihencheck.de) - Am 13. Dezember 2023 wird die US-Notenbank Federal Reserve (FED) ihre letzte Zinssitzung für dieses Jahr abhalten, so die Experten von ETHENEA.

Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei ETHENEA, prognostiziere eine Beibehaltung der aktuellen Zinssätze und richte seinen Blick gespannt auf das kommende Jahr:

"Wir erwarten, dass die FED ihr Zielband für den Leitzins unverändert bei 5,25 Prozent bis 5,50 Prozent belassen wird. Ein entscheidender Faktor hierfür ist die nachlassende Inflation, die auch der FED-Vorsitzende Jerome Powell in seiner jüngsten Rede am Spelman College in Atlanta ansprach. Bereits im Oktober lag die breit gefasste Inflationsrate bei 3,2 Prozent. Diese deutliche Verlangsamung, die vom Markt nicht antizipiert worden war, führte zu einem raschen Rückgang der Renditen entlang der gesamten Renditekurve. Selbst die von der FED bevorzugte PCE-Kerninflation hat sich bereits auf ca. 3,5 Prozent verlangsamt. Powell stellte neulich fest, dass die US-Kerninflation (PCE) in den letzten sechs Monaten jährlich nur um ca. 2,5 Prozent gestiegen sei - knapp über dem Inflationsziel der FED von 2 Prozent.

Deutlich interessanter dürften die verbalen Botschaften sein, die der FED-Vorsitzende auf seiner Pressekonferenz übermitteln wird. Die jüngsten Marktbewegungen - ein massiver Rückgang der Renditen entlang der Kurve und die Erwartung von etwa vier Zinssenkungen im nächsten Jahr - laufen den Interessen der FED eigentlich zuwider, da die finanziellen Konditionen dadurch weniger restriktiv werden und das Bremsen der US-Wirtschaft für die Notenbank erschweren. Powell versuchte bereits Anfang des Monats darauf hinzuweisen, dass Spekulationen über eine Lockerung der Geldpolitik verfrüht seien. Die FED sei bereit, die Zinsen weiter anzuheben, wenn dies notwendig sein sollte. Aus unserer Sicht will sich die FED zwar die Option offen halten, die Zinsen bei Bedarf weiter anzuheben, doch ist dies angesichts der niedrigen Inflation sehr unwahrscheinlich. Die Tendenz der FED, die Inflation weiter zu bekämpfen, wurde von den Märkten jedoch völlig ignoriert. Für uns ist es deshalb absolut klar, dass seitens der US-Zentralbank eine deutlich härtere Kommunikation zu erwarten ist.

Der Fokus verlagert sich allmählich von der Frage "wie hoch" auf die Frage "wie lange". Wir halten die eingepreisten vier Zinssenkungen im kommenden Jahr angesichts der nach wie vor robusten US-Wirtschaft für zu optimistisch." (12.12.2023/alc/a/a)