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FED-Sitzung: Geldpolitik in der Warteschleife - nur eine Zinssenkung in 2024


13.06.24 11:45
AB

München (www.anleihencheck.de) - Die amerikanische Notenbank FED hat erwartungsgemäß ihre Leitzinsen unverändert im Korridor zwischen 5,25 und 5,50 belassen, so Eric Winograd, Director - Developed Market Economic Research bei AllianceBernstein.

Gleichzeitig würden die Äußerungen des Notenbankchefs Jerome Powell durchaus erkennen lassen, dass die US-Währungshüter mit ihrem derzeitigen Kurs zufrieden seien. Auch wenn die derzeitigen Prognosen mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor belegt seien, sei die FED - laut Aussagen Powells - "gut positioniert", um auf mögliche weitere Entwicklungen zu reagieren. Wenn die Inflationsdaten einen ähnlichen Trend zeigen würden, wie die aktuellen Veröffentlichungen in dieser Woche, oder sich der Arbeitsmarkt abschwäche, könne die FED die Zinsen senken. Sei dies nicht der Fall, könne sie die Geldpolitik einfach in der aktuellen "Warteschleife" belassen. Sie brauche sich keine Sorgen zu machen, dass die aktuell verhältnismäßig gut laufende Wirtschaft aus dem Gleichgewicht geraten könnte. Ein Vorgehen, das sicher Geduld erfordere, die die FED aber haben sollte. Das Komitee werde sich vorerst zurückhalten und abwarten, bis die Daten in eine eindeutige Richtung zeigen würden.

Wie lange würden die Währungshüter also warten? Viele Marktteilnehmer hätten versucht, eine Antwort im Dotplot der FED zu finden. Im März hätten die Charts noch drei Zinssenkungen für 2024 gezeigt. Angesichts der unerwartet hohen Inflationsdaten im bisherigen Jahresverlauf dürfte dies allerdings längst überholt sein. Bereits im Vorfeld der Sitzung sei daher diskutiert worden, ob der aktuelle Dotplot nur eine Zinssenkung oder zwei für den Rest des Jahres zeigen würde.

Diesmal würden die Punkte eine recht gleichmäßige Verteilung zeigen: Sieben Mitglieder hätte eine Kürzung in diesem Jahr angegeben und acht zwei. Zudem habe es auch vier gegeben, die überhaupt keine Kürzung gezeigt hätten. Die Folge sei gewesen, dass der Median im Vergleich zum März um 50 Basispunkte angestiegen sei und daher nur noch eine Kürzung anzeige. Die relativ gleichmäßige Verteilung der Punkte lege jedoch den Schluss nahe, dass ein reiner Blick auf den Median keinen besonderen Erkenntnisgewinn bringe. Vielmehr scheine das Komitee offen für verschiedene Szenarien - und welchen Weg die Währungshüter letztendlich wählen würden, sei abhängig von den Daten und nicht dem Dotplot von gestern. Insofern sei Winograd überzeugt, dass die relativ gedämpfte Reaktion des Marktes auf das, was sonst durchaus als hawkishe Neuerung bewertet werden hätte können - eine Senkung statt zwei - dies recht treffend widerspiegele. Die Daten seien wichtiger als die Punkte, und die Daten in dieser Woche seien gut gewesen.

Die aktuellen Daten des Verbraucherpreisindex würden sehr gut zeigen, welche Trends die FED sehen wolle, um die Zinsen zu senken. Wenn sich dieser Trend noch ein paar Mal wiederhole, werde die FED handeln. Winograd denke, dass drei Daten, die in die richtige Richtung gehen würden, ausreichen würden, um die FED davon zu überzeugen, dass die Inflation nachhaltig in Richtung 2 Prozent zurückkehre. Davon ausgehend, dass die nächsten beiden Inflationsdaten so ausfallen würden, wie die aktuellen, würde ein Schritt also frühestens im September infrage kommen. Vor dem Hintergrund, dass von den fünf Inflationsdaten in diesem Jahr nur eine Ausgabe positiv ausgefallen sei, bleibe Winograd skeptisch, dass es so weit komme. Er gehe nach wie vor davon aus, dass die FED die Zinsen in diesem Jahr nur einmal senken werde, wobei der Dezember der wahrscheinlichste Monat dafür sei. Zwar würden die Daten von dieser Woche zu einem früheren Beginn des Zyklus tendieren. Das Basisszenario bleibe jedoch unverändert. (13.06.2024/alc/a/a)