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FED: Plötzlicher Sinneswandel
10.12.18 12:15
Neuberger Berman
New York (www.anleihencheck.de) - Im Oktober hat der Ausverkauf an den Aktienmärkten für Schlagzeilen gesorgt, so Joseph V. Amato, Vorsitzender und Chief Investment Officer - Equities bei Neuberger Berman.
Die Anleger sollten darüber aber nicht vergessen, dass die wirklich großen Veränderungen an den Anleihemärkten stattgefunden hätten. Oft gehe eine Wende am Anleihemarkt einer Aktienmarktwende voraus, da die Diskontfaktoren, also die Abzinsung von Aktien mithilfe der risikolosen Staatsanleihezinsen berechnet würden und es letztlich die Kreditvergabe sei, die die Privatwirtschaft am Laufen halte.
Erstmals in diesem Jahr seien die Kreditmärkte wirklich unter Druck gekommen. Denn letzte Woche habe FED-Chairman Jerome Powell eine echte Bombe platzen lassen, als er sich zur Zinspolitik geäußert habe.
Noch am 3. Oktober habe Powell erklärt, dass die US-Zinsen "weit entfernt von neutral" seien. Bis zu einem Niveau, auf dem sie die Inflation weder anheizen noch dämpfen würden, sei es noch weit. Letztlich habe genau diese Aussage den Aktienmarktausverkauf im Oktober ausgelöst. Am Mittwoch dann habe Powell die Leitzinsen zur Überraschung vieler Marktteilnehmer als "knapp neutral" beschrieben.
Das Ausmaß dieser 180-Grad-Wende habe sich in der anschließenden Kursentwicklung gezeigt: Der S&P 500-Index stieg an nur einem Tag um 2,3 Prozent, und an den Anleihemärkten schien man plötzlich von nur noch 1,5 Zinsschritten für 2019 auszugehen, während die FED stets drei in Aussicht gestellt hatte, so die Experten von Neuberger Berman. US-Staatsanleihen seien gefragt gewesen, der US-Dollar-Index habe 0,55 Prozent verloren und Emerging-Market-Titel hätten massiven Auftrieb erhalten.
Zinserhöhungszyklen seien für die Märkte oft nicht einfach. Eine mögliche Zinspause oder ein Ende des Zinszyklus könnten daher etwas Gutes sein. Und doch scheine es intuitiv wenig plausibel, dass risikobehaftete Titel auf diese Nachricht so positiv reagiert hätten.
Schließlich habe Powell betont, dass die FED die Wirtschafts- und Finanzdaten "sehr genau beobachten" werde. Offensichtlich fürchte er ein schwächeres Wachstum sowie eine niedrigere Inflation und sorge sich um die Stabilität der Märkte. Wenn die Renditen auch ohne Leitzinserhöhungen weitgehend neutral seien, impliziere dies pessimistischere Wachstumserwartungen, eine höhere Wahrscheinlichkeit von Marktschocks oder sogar beides.
Die Kreditmärkte könnten ähnliche Befürchtungen aufkommen lassen. Im November sei die Stimmung an den Unternehmensanleihemärkten schlecht gewesen. Die Spreads für Hochzinsindices seien nun etwa 60 Basispunkte breiter als zu Jahresbeginn, wobei 75 Prozent dieser Spreads auf den November gefallen seien. Momentan lägen sie gegenüber US-Staatsanleihen bei etwa 400 Basispunkten. Im Euroraum sei der Ausverkauf von High Yield ähnlich stark gewesen.
Am schlechtesten hätten die risikoreichsten High-Yield-Papiere abgeschnitten, also Titel mit CCC-Rating. Zyklische Sektoren wie Energie und Wohnungsbau sowie exportorientierte Branchen wie Automobile hätten die höchsten Verluste verzeichnet. Im Investmentgrade-Bereich wurde das Rating von General Electric (GE) Ende Oktober auf BBB+ herabgestuft, doch im November schienen die Papiere eher als BB-Anleihen wahrgenommen zu werden, so die Experten von Neuberger Berman. Dies habe Zweifel an anderen großen BBB-Emittenten mit nachlassender Kreditqualität geweckt. Man habe sich gefragt, ob der High-Yield-Markt noch mehr gefallene Engel aufnehmen könne.
Nachlassendes Wachstum und Handelskonflikte würden weiter für Schlagzeilen sorgen. Der Markt setze auf ein konstruktives Ergebnis, aber ein umfassenderer neuer Ansatz für den Handel mit China werde ein viel längerfristiges Projekt mit vielen Höhen und Tiefen sein.
Die Entwicklung der Anleihemärkte sollte aber auch aus einer anderen Perspektive betrachtet werden.
Vielleicht sehe die FED dunkle Wolken, die für andere unsichtbar seien. Wahrscheinlicher sei aber, dass die Notenbank jetzt jenen Abschwung registriere, der den Märkten schon seit einiger Zeit bewusst gewesen sei. Das verringere das Risiko, dass sie die Zinsen im nächsten Jahr zu stark anhebe - was für Aktien voraussichtlich gut wäre.
Der Aktienmarktausverkauf im Oktober dieses Jahres sei eher eine spätzyklische Korrektur als ein Ende des Zyklus gewesen. Heute scheine es einen ähnlichen Ausverkauf am Kreditmarkt zu geben.
Sicherlich wecke der Rückzieher der FED in der letzten Woche gewisse Glaubwürdigkeitszweifel. Beruhe das auf Daten oder eher auf bestimmten Twitter-Nachrichten, die von der gesamten Welt in letzter Zeit verfolgt würden?
Unabhängig davon, wenn weiterhin Kredite vergeben, sich die Zinsen stabilisieren würden, und die Unsicherheit im Außenhandel nachlasse, sehe es für die Aktienmärkte etwas weniger beängstigend aus als vor einem Monat.
Die Powell-Rallye risikobehafteter Wertpapiere sei vielleicht doch gar nicht so unplausibel. (10.12.2018/alc/a/a)
Die Anleger sollten darüber aber nicht vergessen, dass die wirklich großen Veränderungen an den Anleihemärkten stattgefunden hätten. Oft gehe eine Wende am Anleihemarkt einer Aktienmarktwende voraus, da die Diskontfaktoren, also die Abzinsung von Aktien mithilfe der risikolosen Staatsanleihezinsen berechnet würden und es letztlich die Kreditvergabe sei, die die Privatwirtschaft am Laufen halte.
Erstmals in diesem Jahr seien die Kreditmärkte wirklich unter Druck gekommen. Denn letzte Woche habe FED-Chairman Jerome Powell eine echte Bombe platzen lassen, als er sich zur Zinspolitik geäußert habe.
Noch am 3. Oktober habe Powell erklärt, dass die US-Zinsen "weit entfernt von neutral" seien. Bis zu einem Niveau, auf dem sie die Inflation weder anheizen noch dämpfen würden, sei es noch weit. Letztlich habe genau diese Aussage den Aktienmarktausverkauf im Oktober ausgelöst. Am Mittwoch dann habe Powell die Leitzinsen zur Überraschung vieler Marktteilnehmer als "knapp neutral" beschrieben.
Das Ausmaß dieser 180-Grad-Wende habe sich in der anschließenden Kursentwicklung gezeigt: Der S&P 500-Index stieg an nur einem Tag um 2,3 Prozent, und an den Anleihemärkten schien man plötzlich von nur noch 1,5 Zinsschritten für 2019 auszugehen, während die FED stets drei in Aussicht gestellt hatte, so die Experten von Neuberger Berman. US-Staatsanleihen seien gefragt gewesen, der US-Dollar-Index habe 0,55 Prozent verloren und Emerging-Market-Titel hätten massiven Auftrieb erhalten.
Zinserhöhungszyklen seien für die Märkte oft nicht einfach. Eine mögliche Zinspause oder ein Ende des Zinszyklus könnten daher etwas Gutes sein. Und doch scheine es intuitiv wenig plausibel, dass risikobehaftete Titel auf diese Nachricht so positiv reagiert hätten.
Schließlich habe Powell betont, dass die FED die Wirtschafts- und Finanzdaten "sehr genau beobachten" werde. Offensichtlich fürchte er ein schwächeres Wachstum sowie eine niedrigere Inflation und sorge sich um die Stabilität der Märkte. Wenn die Renditen auch ohne Leitzinserhöhungen weitgehend neutral seien, impliziere dies pessimistischere Wachstumserwartungen, eine höhere Wahrscheinlichkeit von Marktschocks oder sogar beides.
Am schlechtesten hätten die risikoreichsten High-Yield-Papiere abgeschnitten, also Titel mit CCC-Rating. Zyklische Sektoren wie Energie und Wohnungsbau sowie exportorientierte Branchen wie Automobile hätten die höchsten Verluste verzeichnet. Im Investmentgrade-Bereich wurde das Rating von General Electric (GE) Ende Oktober auf BBB+ herabgestuft, doch im November schienen die Papiere eher als BB-Anleihen wahrgenommen zu werden, so die Experten von Neuberger Berman. Dies habe Zweifel an anderen großen BBB-Emittenten mit nachlassender Kreditqualität geweckt. Man habe sich gefragt, ob der High-Yield-Markt noch mehr gefallene Engel aufnehmen könne.
Nachlassendes Wachstum und Handelskonflikte würden weiter für Schlagzeilen sorgen. Der Markt setze auf ein konstruktives Ergebnis, aber ein umfassenderer neuer Ansatz für den Handel mit China werde ein viel längerfristiges Projekt mit vielen Höhen und Tiefen sein.
Die Entwicklung der Anleihemärkte sollte aber auch aus einer anderen Perspektive betrachtet werden.
Vielleicht sehe die FED dunkle Wolken, die für andere unsichtbar seien. Wahrscheinlicher sei aber, dass die Notenbank jetzt jenen Abschwung registriere, der den Märkten schon seit einiger Zeit bewusst gewesen sei. Das verringere das Risiko, dass sie die Zinsen im nächsten Jahr zu stark anhebe - was für Aktien voraussichtlich gut wäre.
Der Aktienmarktausverkauf im Oktober dieses Jahres sei eher eine spätzyklische Korrektur als ein Ende des Zyklus gewesen. Heute scheine es einen ähnlichen Ausverkauf am Kreditmarkt zu geben.
Sicherlich wecke der Rückzieher der FED in der letzten Woche gewisse Glaubwürdigkeitszweifel. Beruhe das auf Daten oder eher auf bestimmten Twitter-Nachrichten, die von der gesamten Welt in letzter Zeit verfolgt würden?
Unabhängig davon, wenn weiterhin Kredite vergeben, sich die Zinsen stabilisieren würden, und die Unsicherheit im Außenhandel nachlasse, sehe es für die Aktienmärkte etwas weniger beängstigend aus als vor einem Monat.
Die Powell-Rallye risikobehafteter Wertpapiere sei vielleicht doch gar nicht so unplausibel. (10.12.2018/alc/a/a)


