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FED: Drei Zinserhöhungen 2019 erwartet


07.01.19 12:48
Goldman Sachs Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Investoren werden im Jahr 2019 weitere Anzeichen dafür sehen, dass der lange Zyklus an seine Grenzen stößt, so Andrew Wilson, CEO für EMEA und Leiter des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.

Ein herausforderndes Jahr 2018 habe die Bewertungen und die Anlegerstimmung erheblich verschoben. Aus Sicht der Experten von Goldman Sachs Asset Management seien diese Verschiebungen aber zu umfangreich gewesen. Damit gebe es durchaus Chancen für positive Überraschungen.

Nachstehend würden die Experten von Goldman Sachs Asset Management vier zentrale Fragen für 2019 beantworten und entsprechende Schlussfolgerungen für Investments ziehen:

1. Werde 2019 ein besseres Jahr für Investoren?

Ja. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management würden damit rechnen, dass 2019 aus drei wesentlichen Gründen bessere Chancen für Investoren biete.

Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum in den USA in diesem Jahr verlangsamen werde, während die konjunkturelle Abschwächung außerhalb der USA hinter uns liegt, so die Experten von Goldman Sachs Asset Management. Viele Schwellenländer seien am Beginn einer Erholungsphase und hätten damit Luft nach oben. Die Unternehmensgewinne und Wertentwicklung von Risikoanlagen würden durch die anhaltende globale Wachstumsdynamik unterstützt.

Die Ausgangslage Anfang 2018 hätte kaum besser sein können. Daher seien die meisten Überraschungen eher negativ gewesen. Für 2019 sei das nicht der Fall. Die makroökonomischen Erwartungen und die Vermögenspreise hätten sich deutlich nach unten korrigiert. Die Messlatte für positive Überraschungen, die die Wertentwicklung beflügeln könnte, liege niedriger.

Verglichen mit den makroökonomischen wie auch den unternehmensspezifischen Fundamentaldaten seien die im letzten Jahr deutlichen Bewertungsverschiebungen übertrieben. Den Investoren würden aber die Reife des Konjunkturzyklus, die Handelsspannungen und die populistische Politik wahrscheinlich auch 2019 Kopfzerbrechen bereiten. Es sei nach Ansicht der Experten jedoch zu früh, um sich für das Ende des Zyklus zu positionieren. Die Märkte hätten diese Risiken bereits zu deutlich eingepreist.

2. Durch den Konjunkturzyklus navigieren: Risiko auf- oder abbauen?

Die Experten von Goldman Sachs Asset Management würden es für verfrüht halten, Risikoanlagen zu verringern. Im Jahr 2019 werde der Fokus auf einem Ende des Konjunkturzyklus liegen. Bevor Anleger allerdings Risiken in ihren Portfolios abbauen würden, müssten deutlichere Anzeichen einer konjunkturellen Verschlechterung auftreten. Dazu dürfte es im ersten Halbjahr 2019 nicht kommen, wenngleich die Risiken im weiteren Jahresverlauf steigen würden.

Historisch gesehen nehme die Aktienvolatilität gegen Ende des Zyklus zu. Die Experten seien in der Tat überzeugt, dass Ende 2017 den Volatilitätstiefpunkt markiert habe. Aus historischer Sicht wäre das nächste typische Marktereignis ein Tiefstand bei den Credit Spreads. Nach Meinung der Experten sei es aber zu früh, sich dafür zu positionieren. Dennoch würden sie die Anleihemärkte im Jahr 2019 genau beobachten. Es bestehe außerdem ein historischer Zusammenhang zwischen einer sich verflachenden oder invertierten Zinskurve der US-Treasuries und einer Rezession. Der Rückgang der Laufzeitprämien könnte dieses Signal allerdings beeinträchtigt haben. Deshalb würden die Experten es für wichtiger halten, sich auf Wirtschaftsdaten zu konzentrieren.

Das Wirtschaftswachstum verlangsame sich zwar, steige aber immer noch. Die Kerninflation ziehe stetig an und nicht zu schnell. Das gelte ebenso für die Straffung der Zentralbankpolitik. Darüber hinaus würden die Gewinnmargen der Unternehmen weiter wachsen und finanzielle Ungleichgewichte seien eher idiosynkratische statt systemische Herausforderungen. Daher würden die Experten von Goldman Sachs Asset Management es für verfrüht halten, Risikoanlagen zu verringern, und würden eher risikoaffin bleiben.

Im Laufe des Jahres dürften spätzyklische Risiken zunehmen: Hierzu würden sinkende Gewinnmargen bei Unternehmen, übermäßige Straffungsmaßnahmen der Zentralbanken und systemische finanzielle Ungleichgewichte zählen. Um sich darauf vorzubereiten, würden die Experten auf der Mikroebene Unternehmen mit hoher Preismacht und auf der Makroebene frühzyklische Volkswirtschaften bevorzugen.

3. Wie weit werde die FED gehen?

Für das Jahr 2019 würden die Experten von Goldman Sachs Asset Management drei Zinserhöhungen der US-Notenbank erwarten, aber es bestünden einige Risiken, die diese Erwartung beeinträchtigen könnten. Seit zwei Jahren straffe die FED die Geldpolitik kontinuierlich. Eine Schlüsselfrage für Investoren - und eine wichtige Überlegung für Risikoanlagen im Jahr 2019 - werde sein, ob es bei diesem Tempo bleibe.

In den letzten zwei Jahren habe der Markt die Leitzinserhöhungen der FED nach Ansicht der Experten nicht ausreichend eingepreist. Das sei nach wie vor der Fall. Es untermauere die Erwartung der Experten bezüglich weiterer Zinserhöhungen seitens der Zentralbank. Sie seien aber weniger davon überzeugt als in den Jahren 2017 und 2018.

Die zuletzt verschärften Finanzierungsbedingungen und die erwartete Wachstumsverlangsamung könnten auch dafür sorgen, dass die Straffungskampagne der FED pausiere. Andererseits bestehe das Risiko, dass die Lohn- und Preisinflation im neuen Jahr aufgrund der angespannten Lage auf dem US-Arbeitsmarkt anziehe. Das könnte die FED veranlassen, die Zinsen jedes Quartal 2019 anzuheben.

Die FED reagiere auf Veränderungen der finanziellen Rahmenbedingungen und erzeuge sie gleichzeitig. Wenn sich die Finanzmarktlage vor allem durch günstiger werdende Aktien weiter verschärfe, sei das weder für die Zentralbank ein zwingender Grund, darauf zu reagieren, noch für Anleger, ihr Risiko zu verringern. Sollte sich die Lage aufgrund steigender langfristiger Zinsen verschärfen, könnte die FED ihr Straffungsprogramm aus unserer Sicht vorübergehend ruhen lassen. Das würde ihr die Möglichkeit geben, den mittel- bis langfristigen Ausblick zu evaluieren, der positiv für Risikoanlagen sein dürfte. Folglich bestünde das wesentliche Abwärtsszenario darin, dass sich das Wirtschaftswachstum verlangsame, aber die steigende Inflation die FED zu weiteren Zinserhöhungen zwinge.

4. Wo lägen die Investmentchancen?

Die Experten von Goldman Sachs Asset Management seien überzeugt, dass die Bewertungen verglichen mit den Fundamentaldaten attraktiv seien. Sie würden Aktien gegenüber Unternehmensanleihen und Unternehmensanleihen gegenüber Zinsen sowie auf regionaler Ebene die Schwellenländer gegenüber Industrieländern bevorzugen. Diese Präferenzen würden auf attraktiven Bewertungen im Verhaltens zu Makrodaten und den Fundamentaldaten der Unternehmen basieren.

Die Experten von Goldman Sachs Asset Management seien überzeugt, dass sich in diesem Jahr der Risikoaufschlag für Aktien verglichen zu letztem Jahr verbessere, denn die Bewertungsmultiplikatoren seien 2018 herabgestuft worden. Die Aktienauswahl sei angesichts höherer Volatilität, mehr politischen und handelsbezogenen Risiken sowie eines sich verlangsamenden Umsatzwachstums und des Margendrucks immer wichtiger.

Ein anhaltendes Wirtschafts- und Unternehmensgewinnwachstum könne dazu beitragen, Herabstufungen und Zahlungsausfälle zu begrenzen. Gleichzeitig werde übermäßig stark verschuldeten Emittenten Zeit gegeben, ihre Kreditqualität zu verbessern. Die Experten würden Emittenten mit starken oder sich verbessernden Bilanzen, hohen Zinsdeckungsquoten und Preismacht angesichts steigender Produktions- und Lohnkosten bevorzugen.

Die Abwertungen von Schwellenländer-Assets - insbesondere bei Währungen und Aktien - würden über das hinausgehen, was die zugrunde liegenden Fundamentaldaten anzeigen würden. Für das Jahr 2019 würden die Experten von Goldman Sachs Asset Management erwarten, dass die Performance der Vermögenswerte aus den Schwellenländern durch ein verbessertes Wachstum und positive Überraschungen zulege. (07.01.2019/alc/a/a)