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FED-Chef Jerome Powell: kleine Worte, große Wirkung


04.12.18 10:30
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.anleihencheck.de) - Beim Geschehen an den Märkten kommt es bisweilen nur auf Worte und ihre Bedeutung an, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Fondsmanager La Financière de L'Echiquier.

Auf seiner Pressekonferenz am 8. November 2018 habe der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (FED), Jerome Powell, gesagt, dass die Zinssätze "wahrscheinlich noch weit von neutral entfernt sind". Eine Aussage, die der eher restriktiven Haltung der FED und ihrem geldpolitischen Straffungsprogramm entspreche, das bis zu drei Zinsanhebungen für 2019 vorgesehen habe. Vor einigen Tagen habe Powell anlässlich einer Konferenz im Economic Club of New York jedoch erklärt, dass die Zinssätze "knapp unterhalb" der geschätzten Spanne des neutralen Zinsniveaus lägen und dass "die wirtschaftlichen Auswirkungen der allmählichen Zinserhöhungen unsicher sind". Diese von den Märkten als sehr akkommodierend empfundenen Äußerungen hätten zu einem starken Anstieg bei US-Aktien geführt.

Tatsächlich würden diese beiden Sätze den Eindruck vermitteln, dass ein großer Wechsel in der Rhetorik der FED stattfinde. Die grundlegende Botschaft habe sich jedoch nicht völlig geändert: Im Jahr 2019 sei alles möglich. Die Geldpolitik der FED bleibe an die Entwicklung der Konjunkturdaten gebunden, und die Mitglieder des Offenmarktausschusses FOMC würden bei ihren künftigen Entscheidungen Flexibilität an den Tag legen. Dies hätten auch die Protokolle der letzten FED-Sitzung bestätigt, die einen Tag nach der Rede Powells im Economic Club veröffentlicht worden seien. Seine Äußerungen seien allenfalls nur eine Bestätigung dafür, dass die FED bereit sei, das Tempo der Normalisierung notfalls zu verlangsamen, was einige Anleger möglicherweise bezweifelt hätten. Zwar sei ein Großteil des Weges bereits zurückgelegt worden, und Powell habe zweifellos seine Aussagen vom Oktober und November weiter differenzieren wollen, die an den Märkten als sehr restriktiv und als Stressfaktoren wahrgenommen worden seien. Daraus jedoch eine größere Kehrtwende beim FED-Kurs abzulesen, sei vermutlich übertrieben.

Einerseits müssten die Konjunkturdaten und allen voran die Inflationszahlen diesen Trend bestätigen. Sicherlich würden die letzten Veröffentlichungen mit einer Kerninflation (core CPI) und einer an den Ausgaben der privaten Haushalte gemessenen Verbraucherpreisinflation (core PCE), die nicht nur unter den Erwartungen für Oktober gelegen hätten, sondern auch gegenüber September zurückgegangen seien, in diese Richtung gehen. Der Arbeitsmarktbericht vom Freitag müsse aufmerksam geprüft werden, denn eine Beschleunigung der Lohninflation dürfte den akkommodierenden Aussagen von Powell entgegenstehen. Andererseits sei es für den Fall, dass die FED letztlich das Tempo ihrer Zinsanhebungen verlangsamen könnte, ausgeschlossen, dass sie ihren Bilanzabbau bremse. Der Rückgang der weltweiten Liquidität als Hauptfolge der auslaufenden Lockerungsmaßnahmen der Zentralbanken bleibe demnach auf der Tagesordnung weit oben.

Angesichts der jüngsten Daten sei eine restriktivere Haltung der FED nicht gerechtfertigt, und wahrscheinlich sei dies die Botschaft gewesen, die ihr Vorsitzender habe vermitteln wollen. Aber auch eine viel größere Flexibilität sei derzeit durch nichts gerechtfertigt. (04.12.2018/alc/a/a)