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Expansive Notenbankpolitik in der Verlängerung


25.07.19 12:15
Moventum

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Auch wenn die Weltwirtschaft nicht in einer Rezession steckt, hat die Gefahr dafür doch zugenommen, so die Anlageexperten der Luxemburger Fondsplattform Moventum.

Die Notenbanken würden in ihrer Geldpolitik wieder expansiver. "Ein weiteres Absinken der Renditen an den Anleihemärkten ist deshalb wahrscheinlich", sage Carsten Gerlinger, Vice President der Moventum Asset Management S.A.. In den Portfolios sei deshalb die Laufzeit noch einmal erhöht worden.

"Was bei Immobilien Lage, Lage, Lage heißt, besteht bei Renteninvestoren derzeit vor allem aus Laufzeit, Laufzeit, Laufzeit", sage Gerlinger. Nur bei langen Laufzeiten sei noch eine einigermaßen auskömmliche Rendite zu erwirtschaften. "Für die Basisinvestments haben wir angesichts der sinkenden Renditen die Duration deshalb auf 6,2 bis 6,5 Jahre erhöht", so Gerlinger. "Auch wenn bei den US-Staatsanleihen nach dem jüngsten Renditerückgang kurzfristig auch Gewinnmitnahmen nicht völlig auszuschließen sind, erwarten wir auf Sicht von drei und zwölf Monaten doch noch weiter sinkende Renditen", sage Gerlinger. Der die Weltwirtschaft belastende Handelskonflikt zwischen den USA und China werde, wenn überhaupt, nur in kleinen Schritten entschärft, was die Spannung im Markt hochhalten werde.

Auch für Euro-Staatsanleihen gelte: Bis auf weiteres würden die Renditen nicht steigen. Allerdings gebe es hier zumindest eine Wahl. Während die Anleihen der Kernstaaten negative oder zumindest nur sehr niedrige Renditen bieten und mit ihrer Safe-Haven-Funktion Absicherung gegen Stresssituationen bieten würden, würden die Papiere der Peripheriestaaten mit positiven Renditen locken - wenn man bereit sei, die damit verbundenen politischen Risiken zu tragen. Da aber sowohl der Brexit als auch die Italien-Frage ungeklärt seien, würden die Risiken hoch bleiben. "Die EZB wird in diesem Jahr sicherlich nicht an der Zinsschraube nach oben drehen. Wir erwarten keine steigenden Renditen, sondern auch in Euroland rückläufige Raten", sage Gerlinger.

Alternativen zu Staatsanleihen würden Unternehmensanleihen oder High Yields bieten. Dank der in den vergangenen Jahren gut laufenden Konjunktur seien die Ausfallraten sehr niedrig, wobei sich dies bei einer schwachen Weltwirtschaft ändern könnte. Zudem würden die Verschuldungsgrade der Unternehmen steigen, was bei nachlassender Wirtschaftsdynamik zu höheren Ausfällen führen könne. Bei europäischen Anleihen aus dem Segment sei wegen der Käufe der Notenbank die Liquidität sehr gering.

Schwellenländeranleihen würden als eine weitere Alternative gelten. Die Entwicklung werde hier zu einem großen Teil von der Entwicklung des US-Dollar und der US-Zinsen beeinflusst. "Der freundliche FED-Kurs mit der Erwartung einer baldigen US-Leitzinssenkung ist grundsätzlich positiv für die in Dollar begebenen Anleihen", sage Gerlinger. Zudem sei die Bewertung relativ gesehen noch attraktiv, vor allem in Asien. "Aktuell sehen wir das Segment noch neutral, aufgrund der schlechteren Konjunkturaussichten aber auf Zwölf-Monats-Sicht mit einer gewissen Zurückhaltung", so Gerlinger. (25.07.2019/alc/a/a)