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Eurozone: Käufer von Staatsanleihen jetzt in der Todeszone


11.08.14 10:55
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Renditen 10-jähriger europäischer Staatsanleihen sind noch immer oder schon wieder in einer Abwärtsspirale, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Flaue Konjunktursignale und der neuerliche "Run" in sichere Häfen aufgrund geopolitischer Unruhen hätten die Renditen auf historische Tiefstände gedrückt. So z.B. in Deutschland, Frankreich, Niederlande. In Spanien seien die Renditen seit 1789 nicht mehr so tief gewesen. Ähnlich sei es in anderen Regionen der Eurozone. Laut Professor Richard Werner, von der Southampton University, habe es so niedrige Renditen in Europa nicht mehr seit dem 15. Jahrhundert gegeben. Noch vor wenigen Jahren habe der EUR auseinanderzubrechen gedroht und die Renditen der südlichen Peripherieländer seien geradezu explodiert.

Von der fundamentalen Seite her erfahre diese Entwicklung eine Unterstützung durch die gesunkenen Inflationsraten. Die Euro-Teuerung liege jetzt auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2009. Im Juli habe Eurostat eine Jahresrate von nur 0,4% registriert. Die Hauptgründe seien gesunkene Energiepreise (minus 1% gegenüber Vorjahr) und niedrigere Nahrungsmittelpreise (-0,3%) gewesen; die Kernrate sei mit 0,8% stabil. Doch sollte man sich darauf nicht als dauerhaftes Signal verlassen. Das könne sich auch bald wieder ändern.

So würden die Unruhen mit militärischen Aktionen inzwischen 22 Länder umfassen. Im Krisenherd Irak sei die öffentliche Ordnung völlig zusammengebrochen, eine handlungsfähige Regierung sei kaum noch zu erwarten. Wenn die dortige Ölförderung auch noch kollabiere, könnte der Ölpreis weltweit auch schnell wieder steigen. Ähnliches gelte für Libyen und Nigeria. Die Auseinandersetzungen würden immer härter und kompromissloser. Bei einer weiteren Eskalation in den Krisengebieten seien auch wieder Ölpreise um USD 150 pro Barrel wahrscheinlich.

Die geopolitischen Risiken seien auch der wichtigste Grund für internationale Investoren, mit ihren Mitteln "einen sicheren Hafen" anzustreben. In der Eurozone würden die 10-j Bunds nur noch 1,03% bringen, in den USA die Treasuries 2,43%. Der Spread zwischen beiden sei so groß geworden, dass er dem USD gegenüber dem EUR Auftrieb verleihe. Eine Wende in der Geldpolitik sei zuerst in Großbritannien und den USA zu erwarten (Mitte 2015?). Die Erwartungen für dort steigende Leitzinsen würden die angelsächsischen Renditen erhöhen und die der Eurozone mit sich ziehen.

Ein Käufer 10-j. europäischer Staatsanleihen auf dem gegenwärtigen Niveau gehe hohe Risiken ein, mit großer Wahrscheinlichkeit würden Abschreibungen drohen. (Ausgabe vom 10.08.2014) (11.08.2014/alc/a/a)