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Euroraum: Verschuldungsquote sinkt dank neuer Statistik
15.08.14 10:41
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der öffentliche Schuldenstand im Verhältnis zum BIP stellte sich Ende des 1. Quartals 2014 im Euroraum (ER18) auf 93,9% und in der EU28 auf 88,0%, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Ein Jahr zuvor seien es 86,2% und 88,0% gewesen. Gegenüber den ursprünglichen Maastrichter Stabilitätskriterien von 60% des BIP sei die Verschuldungsquote weit entfernt. Die höchsten Verschuldungsquoten würden Griechenland (174,1%), Italien (135,6%) und Portugal (132,9%) verzeichnen. Die niedrigsten Quoten hätten Estland (10,0%), Bulgarien (20,3%) und Luxemburg (22,8%). Im Vergleich zum Vorjahresstand würden 16 Mitgliedstaaten einen Anstieg und zehn einen Rückgang der Quote aufweisen.
Wie könne man die Verschuldungsquote senken? Theoretisch durch Steuererhöhungen, Ausgabensenkungen, Reformen oder, viel einfacher ohne in der Öffentlichkeit Proteste auszulösen, durch eine Änderung der statistischen Berechnungsmethode.
Von Herbst 2014 an werde Eurostat eine neue Methode anwenden (ESA 2010). Eurostat weise darauf hin, dass viele Staaten die Gelegenheit nutzen würden, um methodische Revisionen und Verbesserungen ihrer Daten durchzuführen. Die wichtigste Änderung treffe die Verbuchung von Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E), die künftig als Kapitalbildung gewertet würden, als Investitionen und damit eigenständige Wertschöpfung, die nicht mehr im Produktionsprozess aufgebraucht würden. Das BIP werde dadurch um etwa 2% bis 3% steigen, die Verschuldungsquote in etwa gleichermaßen sinken. Die zweite große Veränderung durch ESA betreffe Militärausgaben. Der Kauf neuer Waffensysteme, Kampflugzeuge oder Kriegsschiffe werde künftig ebenfalls als Kapitalbildung und Investitionen behandelt. Dadurch werde das BIP der Eurozone etwa um 0,1 Pp steigen.
Eurostat verweise darauf, dass dies im Einklang mit weltweiten Leitlinien für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen geschehe, von denen Europa nicht abweichen könne. Die USA hätten diese Berechnungsmethode schon im vergangenen Jahr eingeführt. Das US-BIP habe sich durch die F&E-Einbeziehung um etwa 2,5% erhöht. Schon jetzt dürfe man gespannt sein, ob in einigen Ländern durch die niedrigere Verschuldungsquote wieder eine Diskussion beginne, diesen Spielraum zu zusätzlichen Ausgabenerhöhungen zu nutzen. Schon durch die Nullzinspolitik und die "quantitativen Lockerungen" sei die Bereitschaft zu Reformen der öffentlichen Budgetpolitik gesunken. Wenn jetzt plötzlich die Verschuldungsquote sinke, wozu brauche man dann weitere Reformen? Die Skepsis gegenüber der Fähigkeit, wieder zu den Maastrichter Stabilitätskriterien zurückzukehren, erscheine damit berechtigt.
Eine Senkung der öffentlichen Verschuldungsquote durch eine Änderung der statistischen Erhebungsmethoden sei keine Rückkehr zu einer soliden Finanzpolitik und nicht geeignet, einen Anstieg der langen Renditen als Folge der globalen Prozesse zu verhindern. (Ausgabe vom 14.08.2014) (15.08.2014/alc/a/a)
Ein Jahr zuvor seien es 86,2% und 88,0% gewesen. Gegenüber den ursprünglichen Maastrichter Stabilitätskriterien von 60% des BIP sei die Verschuldungsquote weit entfernt. Die höchsten Verschuldungsquoten würden Griechenland (174,1%), Italien (135,6%) und Portugal (132,9%) verzeichnen. Die niedrigsten Quoten hätten Estland (10,0%), Bulgarien (20,3%) und Luxemburg (22,8%). Im Vergleich zum Vorjahresstand würden 16 Mitgliedstaaten einen Anstieg und zehn einen Rückgang der Quote aufweisen.
Von Herbst 2014 an werde Eurostat eine neue Methode anwenden (ESA 2010). Eurostat weise darauf hin, dass viele Staaten die Gelegenheit nutzen würden, um methodische Revisionen und Verbesserungen ihrer Daten durchzuführen. Die wichtigste Änderung treffe die Verbuchung von Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E), die künftig als Kapitalbildung gewertet würden, als Investitionen und damit eigenständige Wertschöpfung, die nicht mehr im Produktionsprozess aufgebraucht würden. Das BIP werde dadurch um etwa 2% bis 3% steigen, die Verschuldungsquote in etwa gleichermaßen sinken. Die zweite große Veränderung durch ESA betreffe Militärausgaben. Der Kauf neuer Waffensysteme, Kampflugzeuge oder Kriegsschiffe werde künftig ebenfalls als Kapitalbildung und Investitionen behandelt. Dadurch werde das BIP der Eurozone etwa um 0,1 Pp steigen.
Eurostat verweise darauf, dass dies im Einklang mit weltweiten Leitlinien für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen geschehe, von denen Europa nicht abweichen könne. Die USA hätten diese Berechnungsmethode schon im vergangenen Jahr eingeführt. Das US-BIP habe sich durch die F&E-Einbeziehung um etwa 2,5% erhöht. Schon jetzt dürfe man gespannt sein, ob in einigen Ländern durch die niedrigere Verschuldungsquote wieder eine Diskussion beginne, diesen Spielraum zu zusätzlichen Ausgabenerhöhungen zu nutzen. Schon durch die Nullzinspolitik und die "quantitativen Lockerungen" sei die Bereitschaft zu Reformen der öffentlichen Budgetpolitik gesunken. Wenn jetzt plötzlich die Verschuldungsquote sinke, wozu brauche man dann weitere Reformen? Die Skepsis gegenüber der Fähigkeit, wieder zu den Maastrichter Stabilitätskriterien zurückzukehren, erscheine damit berechtigt.
Eine Senkung der öffentlichen Verschuldungsquote durch eine Änderung der statistischen Erhebungsmethoden sei keine Rückkehr zu einer soliden Finanzpolitik und nicht geeignet, einen Anstieg der langen Renditen als Folge der globalen Prozesse zu verhindern. (Ausgabe vom 14.08.2014) (15.08.2014/alc/a/a)


