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Europawahl trifft Zinsen und Anleihen
29.05.19 11:30
Wolfgang Steubing AG
Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Das Asset Management Team der Steubing AG stellt sich die Fragen, ob die Wahlen zum europäischen Parlament aus wirtschaftspolitischer Sicht ein Reinfall sind und ob die Wahlergebnisse direkte Auswirkungen auf die weltweite Zinspolitik und damit auch auf Anleihen- und selbstverständlich auch auf die Aktienentwicklung haben.
Die etablierten Parteien hätten sich direkt nach der Wahl glücklich gezeigt, dass die Nationalisten nicht so stark dazu gewonnen hätten - wie erwartet. Dennoch seien gerade in Italien und in Frankreich die Rechtsaußen zu den stärksten Parteien geworden. Das habe konkrete wirtschaftliche Auswirkungen auf Europa, wahrscheinlich sogar weltweit.
Die italienische Wahlgewinnerin Lega Nord schmiede nicht nur eine Parteiengemeinschaft für ein "Europa der Nationen" im Europäischen Parlament. Als italienische Regierungspartei habe man schon im letzten Jahr mehrfach versucht, die Staatsverschuldung Italiens für gemachte Wahlversprechungen nach oben zu treiben. Italienische Bonds würden seitdem knapp am Junk-Status vorbeischlittern. Gestützt durch das Wählersignal der Italiener werde es nun ein leichtes für die drittgrößte europäische Wirtschaftsnation hemmungslos den Schuldenberg zu erhöhen.
Nicht viel anders sehe die Situation in Frankreich aus. Der französische Präsident Macron habe sich einer stabilen europäischen Finanzpolitik verschrieben. Dennoch habe er in den letzten Monaten den Protest der Gelbwesten zu spüren bekommen. Jetzt auch bei einer Wahl. Marie Le Pen schicke aus Frankreich nach der Europawahl die größte Fraktion nach Brüssel. Marie Le Pen sei auch bekennende Europagegnerin. Das komme bei den Protestlern gut an. Denn die europäische Wirtschaftspolitik treffe viele Franzosen hart. Im Sinne von wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit müsse Macron harte Einschnitte in den sozialen Sicherungssystemen Frankreichs vornehmen. Gleichzeitig gehe die Schere aufgrund der niedrigen Leitzinsen zwischen arm und reich weiter auseinander. Kredite zur Vermögensbildung seien nie so billig gewesen wie momentan. Zinsen für eine private Altersvorsorge gebe es nicht mehr.
Nun würden die Wähler versuchen den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Wahrscheinlich werde Macron standhaft bleiben und die Wirtschaft in Frankreich weiter reformieren. Er müsse aber gleichzeitig darauf dringen, dass es eine gemeinsame europäische Finanzpolitik gebe. Die Widerstände aus der deutschen Politik würden an dieser Stelle nicht fruchten können.
Italien werde die Schulden voraussichtlich drastisch erhöhen. Das habe zur Folge, dass die EZB die Zinsen mittelfristig nicht erhöhen werde, denn sonst wäre Italien sehr schnell nicht mehr in der Lage seine Anleihen zu bedienen - dafür müsste dann der Kupon auf italienische Staatsanleihen zu drastisch erhöht werden. Niedrige Zinsen würden aber soziales Ungleichgewicht fördern und letztlich zu politischer Instabilität führen.
Unternehmensanleihen würden sich aus Investorensicht ebenfalls nicht gut entwickeln. Emittenten würden mit ihren Forderungen nach niedrigen Risikoaufschlägen Erfolg haben. Sie würden bei einem nicht völlig wahnsinnigen Kupon immer Käufer finden. Lukrativ werde dies für die Investoren aber nicht. Deswegen werde in absehbarer Zeit der Trend in Aktien zu investieren weiteren Auftrieb erhalten; egal ob die Unternehmenskennziffern dies begründen würden.
Die Analysten der Wolfgang Steubing AG sähen in den nächsten Jahren ein starkes rechtes Spielbein für die politischen Börsen weltweit. Die Signale, die von dieser Europawahl ausgehen würden, seien eindeutig. (29.05.2019/alc/a/a)
Die etablierten Parteien hätten sich direkt nach der Wahl glücklich gezeigt, dass die Nationalisten nicht so stark dazu gewonnen hätten - wie erwartet. Dennoch seien gerade in Italien und in Frankreich die Rechtsaußen zu den stärksten Parteien geworden. Das habe konkrete wirtschaftliche Auswirkungen auf Europa, wahrscheinlich sogar weltweit.
Die italienische Wahlgewinnerin Lega Nord schmiede nicht nur eine Parteiengemeinschaft für ein "Europa der Nationen" im Europäischen Parlament. Als italienische Regierungspartei habe man schon im letzten Jahr mehrfach versucht, die Staatsverschuldung Italiens für gemachte Wahlversprechungen nach oben zu treiben. Italienische Bonds würden seitdem knapp am Junk-Status vorbeischlittern. Gestützt durch das Wählersignal der Italiener werde es nun ein leichtes für die drittgrößte europäische Wirtschaftsnation hemmungslos den Schuldenberg zu erhöhen.
Nun würden die Wähler versuchen den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Wahrscheinlich werde Macron standhaft bleiben und die Wirtschaft in Frankreich weiter reformieren. Er müsse aber gleichzeitig darauf dringen, dass es eine gemeinsame europäische Finanzpolitik gebe. Die Widerstände aus der deutschen Politik würden an dieser Stelle nicht fruchten können.
Italien werde die Schulden voraussichtlich drastisch erhöhen. Das habe zur Folge, dass die EZB die Zinsen mittelfristig nicht erhöhen werde, denn sonst wäre Italien sehr schnell nicht mehr in der Lage seine Anleihen zu bedienen - dafür müsste dann der Kupon auf italienische Staatsanleihen zu drastisch erhöht werden. Niedrige Zinsen würden aber soziales Ungleichgewicht fördern und letztlich zu politischer Instabilität führen.
Unternehmensanleihen würden sich aus Investorensicht ebenfalls nicht gut entwickeln. Emittenten würden mit ihren Forderungen nach niedrigen Risikoaufschlägen Erfolg haben. Sie würden bei einem nicht völlig wahnsinnigen Kupon immer Käufer finden. Lukrativ werde dies für die Investoren aber nicht. Deswegen werde in absehbarer Zeit der Trend in Aktien zu investieren weiteren Auftrieb erhalten; egal ob die Unternehmenskennziffern dies begründen würden.
Die Analysten der Wolfgang Steubing AG sähen in den nächsten Jahren ein starkes rechtes Spielbein für die politischen Börsen weltweit. Die Signale, die von dieser Europawahl ausgehen würden, seien eindeutig. (29.05.2019/alc/a/a)


