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Europäische Staatsanleihen legen weiter zu
03.09.14 12:02
Franklin Templeton
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Wirtschaftsdaten aus der Eurozone fallen weiterhin ziemlich durchwachsen aus, berichten die Experten von Franklin Templeton.
Unternehmensumfragen würden vermuten lassen, dass der Dienstleistungssektor der Eurozone im Juli so rasch gewachsen sei wie seit drei Jahren nicht - mit PMI-Werten deutlich über 50, der Trennmarke zwischen Expansion und Kontraktion. Ferner hätten die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone im Juni den Anfang August veröffentlichten Eurostat-Daten zufolge so kräftig angezogen wie zuletzt vor sieben Jahren - und doppelt so stark wie erwartet.
Die PMI-Werte für den Produktionssektor hätten dagegen klar enttäuscht. Die von Markit errechneten PMIs für das Produzierende Gewerbe hätten dynamische Aktivität in verschiedenen Ländern wie Irland, Spanien und den Niederlanden angezeigt. Frankreich, die (derzeit) zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, sei jedoch deutlich unter dem Niveau von 50 bei einem spürbaren Rückgang der Neuaufträge geblieben. Auch bei den PMI-Zahlen für den Dienstleistungssektor habe Frankreich sichtlich hinter anderen großen Volkswirtschaften gelegen. Noch besorgniserregender sei aber Italiens langer Abschwung. Zaghafte Hoffnungsschimmer für seine marode Wirtschaft seien erloschen, als das nationale Statistikamt ISTAT fürs zweite Quartal einen Rückgang des italienischen BIP um 0,2% gemeldet habe. Italiens Negativwachstum im ersten Quartal werfe das Land offiziell wieder in die Rezession zurück.
Insgesamt seien die Ergebnisse der Unternehmensumfragen im Produktionssektor der Eurozone als vergleichsweise enttäuschend gewertet worden, worin sich womöglich die Sorgen um die Eskalation der Krise in der Ukraine im Juli niederschlagen würden, die neue westliche Sanktionen gegen Russland zur Folge gehabt habe. In den zentral- und osteuropäischen Ländern mit den engsten wirtschaftlichen Bindungen an Russland habe die Stimmung unter dem verfahrenen Verhältnis zwischen Russland und den Westmächten gelitten. Manche Prognostiker (wie das ifo-Institut in München) hätten auch ihre kurzfristigen Wachstumsprognosen für Deutschland angesichts der Lage nach unten revidiert.
Eine weitere Dauerbelastung für die Eurozone sei die mangelnde Inflation. Die Verbraucherpreisinflation sei laut Eurostat im Juli erneut zurückgegangen (auf 0,4%). Niedrige Inflation dürfte zusätzlichen Druck auf die EZB ausüben, noch unkonventionellere Wachstumsanreize einzuführen - vielleicht sogar ausgewachsene quantitative Lockerungen (QE). Doch was die EZB kurzfristig weiter unternehme - so bald nach ihrer Leitzinssenkung vom Juni und im Hinblick auf das für September anstehende "gezielte" LTRO-Programm - sei offen.
Die schwache Preisentwicklung vom Juli gehe auf rückläufige Energie- und Nahrungsmittelpreise zurück. Die weniger schwankungsanfällige Kernrate, in der diese Güter nicht berücksichtigt seien, habe sich bei 0,8% gehalten. Auch das sei noch bedenklich niedrig, doch dass sich die Kernrate seit Juni nicht verändert habe und gegenüber Mai leicht gestiegen sei, würden Optimisten als mögliche Gipfelbildung der Disinflation deuten.
Tatsächlich könne die EZB auf lockerere Kreditbedingungen als zuversichtlich stimmendes Signal für potenziell steigende Nachfrage verweisen. Die quartalsmäßige EZB-Umfrage zur Kreditvergabe, aus der hervorgehe, dass die Banken ihre Standards für alle Arten von Krediten in den drei Monaten bis Juni gelockert hätten, bestätige die EZB-Politik bislang offenbar. Die anstehende Einführung neuer gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (LTROs) könnte die Vergabe von Krediten an Haushalte und kleine Unternehmen zusätzlich anheizen.
Ebenso bedeutsam sei selbst ohne QE im US-amerikanischen Stil (durch regelmäßige Aufkäufe festverzinslicher Anlagen), dass die nominalen Staatsanleihenrenditen in der Eurozone auf historische Tiefstände gefallen seien. Unter diesen Umständen sei schwer vorstellbar, wie sich QE mehr als nur geringfügig auf Renditen auswirken könnte, die bereits so niedrig seien - vor allem wenn, wie die Optimisten weiterhin glauben würden, die Deflationsangst in diesem und im nächsten Jahr zurückgehe und die Konjunktur in Europa anziehe. Die EZB dürfte unter Druck geraten, mehr gegen die Deflationsgefahr zu unternehmen, die für die Eurozone bestehe - vor allem, da sich die EZB-Bilanz seit 2012 sogar verkürzt habe, weil Banken aus der Eurozone von der Zentralbank im Rahmen früherer LTRO-Programme vergebene Kredite vorzeitig zurückzahlen würden.
Doch die EZB rechne vermutlich auch mit Vorstößen Frankreichs und Italiens unter der Führung neu ernannter Mitte-Links-Regierungschefs zur Lockerung der strengen Haushaltsdisziplin, die ihnen von Eurozone-Pakten auferlegt worden sei, sowie damit, dass umsichtigere Nordeuropäer (insbesondere die Deutschen) einer expansiveren Fiskalpolitik zustimmen könnten.
Währenddessen lege der Markt für europäische Staatsanleihen weiter zu. Verstärkte geopolitische Bedenken (etwa um die neuen Sanktionen gegen Russland), ein verhangener Konjunkturausblick, niedrige Zinsen und die Aussicht auf weitere Maßnahmen der EZB gegen Deflation hätten die Renditen von Staatsanleihen auf vielen europäischen Märkten Anfang August auf Rekordtiefs gedrückt.
Angesichts anziehender Konjunktur in den USA, die dort vermehrt Äußerungen über eine Normalisierung der Politik ausgelöst habe, und parallel dazu fortgesetzter geldpolitischer Lockerungen in der Eurozone könnte es nach Erachten der Experten zu Abweichungen der Renditen von US-Schatzpapieren von europäischen (und japanischen) Benchmark-Anleihen kommen.
Anleihen aus der Eurozone könnten für Anleger auch im Vergleich zu britischen Staatsanleihen attraktiv wirken, da Spekulationen um die Richtung der Geldpolitik in Großbritannien zunehmen würden, das fürs zweite Quartal (wie schon im ersten) ein annualisiertes BIP-Wachstum von 3,1% gemeldet habe.
Gleichzeitig könnte die imposante Rally der Anleihen mancher peripherer Euroländer auslaufen, vor allem wenn es Italien nicht gelinge, bei Wachstum und institutionellen Reformen größere Fortschritte zu erzielen. Währenddessen könnte eine Krise um die größte Bank Portugals, die Staatshilfe benötige, auf das Wachstum in Portugal durchschlagen und lasse vermuten, dass im Bankensektor des Landes noch einiges im Argen liege. (Ausgabe August 2014) (03.09.2014/alc/a/a)
Unternehmensumfragen würden vermuten lassen, dass der Dienstleistungssektor der Eurozone im Juli so rasch gewachsen sei wie seit drei Jahren nicht - mit PMI-Werten deutlich über 50, der Trennmarke zwischen Expansion und Kontraktion. Ferner hätten die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone im Juni den Anfang August veröffentlichten Eurostat-Daten zufolge so kräftig angezogen wie zuletzt vor sieben Jahren - und doppelt so stark wie erwartet.
Die PMI-Werte für den Produktionssektor hätten dagegen klar enttäuscht. Die von Markit errechneten PMIs für das Produzierende Gewerbe hätten dynamische Aktivität in verschiedenen Ländern wie Irland, Spanien und den Niederlanden angezeigt. Frankreich, die (derzeit) zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, sei jedoch deutlich unter dem Niveau von 50 bei einem spürbaren Rückgang der Neuaufträge geblieben. Auch bei den PMI-Zahlen für den Dienstleistungssektor habe Frankreich sichtlich hinter anderen großen Volkswirtschaften gelegen. Noch besorgniserregender sei aber Italiens langer Abschwung. Zaghafte Hoffnungsschimmer für seine marode Wirtschaft seien erloschen, als das nationale Statistikamt ISTAT fürs zweite Quartal einen Rückgang des italienischen BIP um 0,2% gemeldet habe. Italiens Negativwachstum im ersten Quartal werfe das Land offiziell wieder in die Rezession zurück.
Insgesamt seien die Ergebnisse der Unternehmensumfragen im Produktionssektor der Eurozone als vergleichsweise enttäuschend gewertet worden, worin sich womöglich die Sorgen um die Eskalation der Krise in der Ukraine im Juli niederschlagen würden, die neue westliche Sanktionen gegen Russland zur Folge gehabt habe. In den zentral- und osteuropäischen Ländern mit den engsten wirtschaftlichen Bindungen an Russland habe die Stimmung unter dem verfahrenen Verhältnis zwischen Russland und den Westmächten gelitten. Manche Prognostiker (wie das ifo-Institut in München) hätten auch ihre kurzfristigen Wachstumsprognosen für Deutschland angesichts der Lage nach unten revidiert.
Eine weitere Dauerbelastung für die Eurozone sei die mangelnde Inflation. Die Verbraucherpreisinflation sei laut Eurostat im Juli erneut zurückgegangen (auf 0,4%). Niedrige Inflation dürfte zusätzlichen Druck auf die EZB ausüben, noch unkonventionellere Wachstumsanreize einzuführen - vielleicht sogar ausgewachsene quantitative Lockerungen (QE). Doch was die EZB kurzfristig weiter unternehme - so bald nach ihrer Leitzinssenkung vom Juni und im Hinblick auf das für September anstehende "gezielte" LTRO-Programm - sei offen.
Die schwache Preisentwicklung vom Juli gehe auf rückläufige Energie- und Nahrungsmittelpreise zurück. Die weniger schwankungsanfällige Kernrate, in der diese Güter nicht berücksichtigt seien, habe sich bei 0,8% gehalten. Auch das sei noch bedenklich niedrig, doch dass sich die Kernrate seit Juni nicht verändert habe und gegenüber Mai leicht gestiegen sei, würden Optimisten als mögliche Gipfelbildung der Disinflation deuten.
Ebenso bedeutsam sei selbst ohne QE im US-amerikanischen Stil (durch regelmäßige Aufkäufe festverzinslicher Anlagen), dass die nominalen Staatsanleihenrenditen in der Eurozone auf historische Tiefstände gefallen seien. Unter diesen Umständen sei schwer vorstellbar, wie sich QE mehr als nur geringfügig auf Renditen auswirken könnte, die bereits so niedrig seien - vor allem wenn, wie die Optimisten weiterhin glauben würden, die Deflationsangst in diesem und im nächsten Jahr zurückgehe und die Konjunktur in Europa anziehe. Die EZB dürfte unter Druck geraten, mehr gegen die Deflationsgefahr zu unternehmen, die für die Eurozone bestehe - vor allem, da sich die EZB-Bilanz seit 2012 sogar verkürzt habe, weil Banken aus der Eurozone von der Zentralbank im Rahmen früherer LTRO-Programme vergebene Kredite vorzeitig zurückzahlen würden.
Doch die EZB rechne vermutlich auch mit Vorstößen Frankreichs und Italiens unter der Führung neu ernannter Mitte-Links-Regierungschefs zur Lockerung der strengen Haushaltsdisziplin, die ihnen von Eurozone-Pakten auferlegt worden sei, sowie damit, dass umsichtigere Nordeuropäer (insbesondere die Deutschen) einer expansiveren Fiskalpolitik zustimmen könnten.
Währenddessen lege der Markt für europäische Staatsanleihen weiter zu. Verstärkte geopolitische Bedenken (etwa um die neuen Sanktionen gegen Russland), ein verhangener Konjunkturausblick, niedrige Zinsen und die Aussicht auf weitere Maßnahmen der EZB gegen Deflation hätten die Renditen von Staatsanleihen auf vielen europäischen Märkten Anfang August auf Rekordtiefs gedrückt.
Angesichts anziehender Konjunktur in den USA, die dort vermehrt Äußerungen über eine Normalisierung der Politik ausgelöst habe, und parallel dazu fortgesetzter geldpolitischer Lockerungen in der Eurozone könnte es nach Erachten der Experten zu Abweichungen der Renditen von US-Schatzpapieren von europäischen (und japanischen) Benchmark-Anleihen kommen.
Anleihen aus der Eurozone könnten für Anleger auch im Vergleich zu britischen Staatsanleihen attraktiv wirken, da Spekulationen um die Richtung der Geldpolitik in Großbritannien zunehmen würden, das fürs zweite Quartal (wie schon im ersten) ein annualisiertes BIP-Wachstum von 3,1% gemeldet habe.
Gleichzeitig könnte die imposante Rally der Anleihen mancher peripherer Euroländer auslaufen, vor allem wenn es Italien nicht gelinge, bei Wachstum und institutionellen Reformen größere Fortschritte zu erzielen. Währenddessen könnte eine Krise um die größte Bank Portugals, die Staatshilfe benötige, auf das Wachstum in Portugal durchschlagen und lasse vermuten, dass im Bankensektor des Landes noch einiges im Argen liege. (Ausgabe August 2014) (03.09.2014/alc/a/a)


