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Europäische Hochzinsanleihen: "Absicherung gegen Marktschocks selten so günstig"


28.03.25 13:52
Muzinich & Co.

New York (www.anleihencheck.de) - Engere Spreads bedeuten nicht weniger Chancen im europäischen Hochzinsmarkt - Anleger müssen sie nur gezielt suchen. So argumentieren Thomas Samson und Jamie Cane, Portfoliomanager beim auf öffentliche und private Unternehmenskredite spezialisierten Vermögensverwalter Muzinich & Co.

Ihre Gesamteinschätzung laute: "Die engen Spreads im europäischen Hochzinsmarkt sind auf den ersten Blick eine Herausforderung. Doch die breite Streuung eröffnet gezielte Chancen für clevere Investoren. Zugleich bietet die relativ kurze Duration der Anlageklasse eine defensive Absicherung in unsicheren Zeiten."

Im Einzelnen würden sie ihre Sichtweise mit folgenden Argumenten (Auszüge) begründen:

- Seit Ende 2023 sei die Spread-Kompression ein prägendes Merkmal des europäischen Hochzinssegments gewesen. Die Kreditspreads seien auf ein Mehrjahrestief gesunken. Solide Fundamentaldaten und starke technische Faktoren sprächen jedoch dafür, dass die Spreads niedrig bleiben würden. Solange die Renditen auf dem aktuellen hohen Niveau verweilen würden, dürfte die Ertragskomponente (Carry) entscheidend bleiben.

- Auf den ersten Blick scheine es schwer, einen attraktiven Einstiegszeitpunkt in diese Anlageklasse zu finden. Doch wer genau hinschaue, könne vielversprechende Chancen entdecken. Zudem sei es selten so günstig gewesen, sich gegen unerwartete Marktschocks abzusichern.

- Die Sorge, dass sich eine Situation wie 2018 wiederhole - als eine drohende Rezession das Marktgeschehen geprägt habe - scheine unbegründet. Das makroökonomische Umfeld in Europa sei heute stabiler. Auch die technischen Faktoren sprächen für die Anlageklasse.

- Anleger, die sich Sorgen über eine wirtschaftliche Abschwächung machen würden, könnten auf Long-Short-Strategien setzen, die zusätzlichen Schutz für das Portfolio böten. Dazu würden unter anderem Optionen zur Absicherung gehören.

- Aktuell seien die Spreads eng, die Volatilität niedrig und die Renditen weiterhin hoch. Dadurch sei es so günstig wie selten zuvor, Portfolios abzusichern, gemessen am Verhältnis zum Ertragsniveau.

- Trotz der engen Spreads gebe es heute deutlich mehr Streuung als in früheren Phasen mit niedrigen Spreads, etwa 2017. Damals habe die Dispersion bei 37 Prozent gelegen, heute seien es fast 70 Prozent. Das eröffne ein breiteres Universum für gezielte Investments in potenziell fehlbewertete Anleihen. Detaillierte Kreditanalysen hätten vielversprechende Gelegenheiten auf Emittenten-, Sektor- und regionaler Ebene identifiziert.

- Europäische Immobilienwerte böten Chancen, da viele Unternehmen seit Ende 2023 ihre Bilanzen gestärkt und Schulden abgebaut hätten.

- Banken würden von einer deutlich verbesserten Kreditqualität profitieren.

- Frühe Refinanzierungen von Anleihen, die 2026 oder 2027 fällig würden und derzeit unter ihrem Nennwert gehandelt würden, könnten zusätzliche Kursgewinne bieten. Der Primärmarkt könnte zudem attraktive Emissionsprämien liefern, und eine Zunahme neuer Emissionen könnte eine zusätzliche Ertragsquelle darstellen.

- Europäische Hochzinsanleihen erschienen aktuell defensiv, wenn man Spreads im Verhältnis zur durchschnittlichen Duration betrachte.

- Kurzlaufende Anleihen hätten typischerweise engere Spreads als langlaufende Anleihen, da ihr Rückzahlungsrisiko geringer sei.

- Die durchschnittliche Duration liege derzeit bei rund drei Jahren, was kürzer als üblich sei und die Beurteilung der Spreads beeinflussen sollte.

- BB- und B-geratete Anleihen böten derzeit eine Rendite von etwa 4,6 Prozent. Damit könnten sich die Spreads um 150 Basispunkte ausweiten, bevor die Gesamtrendite negativ werde.

- Inklusive CCC-gerateter Anleihen betrage die Rendite 5,5 Prozent, was noch mehr Puffer biete. (28.03.2025/alc/a/a)