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Europäische Finanzwerte: Was steckt hinter dem Abverkauf?
03.03.16 10:53
Jupiter AM
London (www.anleihencheck.de) - Der Februar hat eine höhere Volatilität auf den Anleihemärkten mit sich gebracht, so Ariel Bezalel, Fondsmanager des Jupiter Dynamic Bond SICAV.
Insbesondere europäische Finanzwerte seien die Hauptleidtragenden der Volatilität und Spread-Ausweitung gewesen. Zu Beginn des Monats habe die Deutsche Bank im Mittelpunkt gestanden, da ihre Anleihen und Aktien starke Abverkäufe hätten hinnehmen müssen. Dies sei geschehen, nachdem ein schwaches Trading Update für das vierte Quartal 2015 bei den Anlegern für Zweifel gesorgt habe, ob die Bank den Coupon auf ihre Additional Tier 1 (AT1)-Wertpapiere auszahlen würde. Die Bank bemühe sich seither, den Anlegern zu versichern, dass sie die im April fälligen Coupons auf diese hybriden Co-Co-Instrumente auszahlen werde. Dass eine der größten Banken Europas für so viel Unsicherheit sorge, habe zu einer stärkeren Risikoaversion von Anlegern gegenüber dem Bankensektor insgesamt geführt.
Besitzer von Bankenanleihen hätten in den letzten Wochen über Vieles nachzudenken gehabt. Die Probleme bei der Deutschen Bank (die die Experten nicht im Portfolio halten würden) seien im Zuge einer schwachen Berichtssaison für global tätige Banken aufgetreten. Dies habe zu neuerlichen Bedenken über die Zukunftsfähigkeit des Investmentbanking-Modells geführt. Zudem seien Anleger in den letzten Monaten durch eine Reihe länderspezifischer Herausforderungen beunruhigt worden, darunter die Insolvenz von vier italienischen Regionalbanken und die beispiellose Entscheidung der Bank of Portugal, einige vorrangige Novo-Banco-Anleihen auf die Bad Bank Banco Espirito Santo zu übertragen. Diese Entwicklungen hätten noch einmal verdeutlicht, dass in einer Reihe von Peripheriestaaten der Eurozone Qualitätsprobleme bei Vermögenswerten noch nicht zufriedenstellend hätten gelöst werden können.
Beide oben genannten Punkte würden Anlass zur Sorge geben. Aber vollständig gerechtfertigt sei nach Meinung der Experten der derzeitige Ausverkauf bei Anleihen globaler Banken durch keines von beiden. Ein Grund hierfür sei, dass die jüngst von Banken vorgelegten Ergebnisse nicht ausnahmslos negativ ausgefallen seien. Eine Reihe von Kreditinstituten, darunter ING, Commerzbank, BBVA und Nationwide, habe die Analystenprognosen übertreffen und verbesserte Fundamentaldaten vorlegen können.
Darüber hinaus verfüge die Deutsche Bank nach Erachten der Experten über reichlich Liquidität, worauf sie im Falle eines Stressszenarios zurückgreifen könne. Dies habe sie kürzlich selbst unter Beweis gestellt, als sie Anlegern den Rückkauf einiger vorrangiger Anleihen angeboten habe. Klarstellungen seitens Banken und Aufsichtsbehörden in Bezug auf die Szenarien, unter denen sie die Auszahlung von AT1-Coupons gestatten würden, wären hilfreich.
Im Hinblick auf die Frage nach dem systemischen- und Ausfallrisiko von Banken gelte es außerdem zu bedenken, dass europäische Banken insgesamt nicht über zu wenig Liquidität verfügen würden. Sollte eine Bank in Schwierigkeiten geraten, könne auch noch auf umfangreiche Sicherheitsreserven der EZB zurückgegriffen werden, sollten sich die Liquiditätsbedingungen verschlechtern. Darüber hinaus sei der Sektor deutlich besser kapitalisiert, als dies während der Krise der Eurozone der Fall gewesen sei (Schätzungen von Goldman Sachs zufolge hätten europäische Banken seit 2007 rund 800 Mrd. Euro an Kapital eingeworben). Angesichts dieser Faktoren würden die oben genannten idiosynkratischen Risiken nicht ausreichen, um den Wertpapierausverkauf global tätiger Banken zu rechtfertigen. Die Experten hätten den Eindruck, als würden technische Faktoren in der Bankenbranche stärker bewertet als Fundamentaldaten.
Nach Erachten der Experten seien makroökonomische Bedenken die Haupteinflussfaktoren hinter der negativen Stimmung bei Bankenanleihen. Das globale Konjunkturbild habe sich in den letzten Monaten angesichts rückläufigen Wachstums und sinkender Inflation erheblich verdunkelt. Seit Anfang 2016 habe sich die Besorgnis der Märkte hinsichtlich einer möglichen globalen Rezession ausgeweitet, wobei der Fokus zunächst noch auf Schwellenländern und dem Energiesektor gelegen habe. Dies habe sich aber mittlerweile auch auf Sektoren ausgeweitet, die von Wachstumsschwächen und Deflationsrisiken in Industrieländern betroffen wären. Diese Probleme seien für europäische Banken von besonderer Bedeutung. Wie EZB-Präsident Mario Draghi im Februar in einer Rede angemerkt habe, "gibt es derzeit Mächte in der globalen Wirtschaft, die sich dazu verschworen haben, die Inflation niedrig zu halten".
Die Sorge der Experten sei es, dass die Märkte allmählich an der Wirksamkeit weiterer Zentralbankinterventionen zweifeln und sie nun über die mittelfristigen Implikationen für die Geschäftsmodelle von Banken grübeln würden. Die jüngst vorgenommene Einführung negativer Zinsen in Schweden und Japan - welche die Netto-Zinsmargen von Banken weiter unter Druck setzen könnte - habe wenig zur Anlegerberuhigung beigetragen. Die negative Stimmung in der Branche dürfte weiter anhalten, bis sich die makroökonomischen Aussichten stabilisieren würden.
In Bezug auf ihe Positionierung bei Finanzwerten würden die Experten ihre optimistische Einschätzung hinsichtlich gut regulierter nationaler Banksektoren wie in Großbritannien, Deutschland und Norwegen beibehalten. Der Schwerpunkt liege allerdings auf Banken mit großem Kapitalpuffer und weniger volatilem Geschäftsmodell wie bei Nationwide Building Society und Lloyds Banking Group. Die Experten würden weder Wertpapiere der Deutschen Bank noch von italienischen Banken halten. Generell würden sie aufgrund ihrer Skepsis in Bezug auf das Universalbankenmodell global tätige Banken meiden, insbesondere diejenigen mit umfangreichem Investmentbanking-Geschäft oder Engagements in Schwellenländern. Derzeit bewege sich ihr AT1/Co-Co-Exposure mit ca. 2 Prozent des Fonds im niedrigen Bereich.
Zudem würden die Experten keine AT1-Papiere von Banken aus Peripheriestaaten halten. Innerhalb der Anlageklasse liege ihr Schwerpunkt vor allem auf weniger volatilen, klassisch nachrangigen Papieren. Hier seieine Kündigung durch die Emittenten wahrscheinlicher, weshalb sie einem geringeren Verlängerungsrisiko unterliegen sollten. Diese Allokation habe sich während der jüngsten Verkaufswelle recht gut bewährt. (03.03.2016/alc/a/a)
Insbesondere europäische Finanzwerte seien die Hauptleidtragenden der Volatilität und Spread-Ausweitung gewesen. Zu Beginn des Monats habe die Deutsche Bank im Mittelpunkt gestanden, da ihre Anleihen und Aktien starke Abverkäufe hätten hinnehmen müssen. Dies sei geschehen, nachdem ein schwaches Trading Update für das vierte Quartal 2015 bei den Anlegern für Zweifel gesorgt habe, ob die Bank den Coupon auf ihre Additional Tier 1 (AT1)-Wertpapiere auszahlen würde. Die Bank bemühe sich seither, den Anlegern zu versichern, dass sie die im April fälligen Coupons auf diese hybriden Co-Co-Instrumente auszahlen werde. Dass eine der größten Banken Europas für so viel Unsicherheit sorge, habe zu einer stärkeren Risikoaversion von Anlegern gegenüber dem Bankensektor insgesamt geführt.
Besitzer von Bankenanleihen hätten in den letzten Wochen über Vieles nachzudenken gehabt. Die Probleme bei der Deutschen Bank (die die Experten nicht im Portfolio halten würden) seien im Zuge einer schwachen Berichtssaison für global tätige Banken aufgetreten. Dies habe zu neuerlichen Bedenken über die Zukunftsfähigkeit des Investmentbanking-Modells geführt. Zudem seien Anleger in den letzten Monaten durch eine Reihe länderspezifischer Herausforderungen beunruhigt worden, darunter die Insolvenz von vier italienischen Regionalbanken und die beispiellose Entscheidung der Bank of Portugal, einige vorrangige Novo-Banco-Anleihen auf die Bad Bank Banco Espirito Santo zu übertragen. Diese Entwicklungen hätten noch einmal verdeutlicht, dass in einer Reihe von Peripheriestaaten der Eurozone Qualitätsprobleme bei Vermögenswerten noch nicht zufriedenstellend hätten gelöst werden können.
Beide oben genannten Punkte würden Anlass zur Sorge geben. Aber vollständig gerechtfertigt sei nach Meinung der Experten der derzeitige Ausverkauf bei Anleihen globaler Banken durch keines von beiden. Ein Grund hierfür sei, dass die jüngst von Banken vorgelegten Ergebnisse nicht ausnahmslos negativ ausgefallen seien. Eine Reihe von Kreditinstituten, darunter ING, Commerzbank, BBVA und Nationwide, habe die Analystenprognosen übertreffen und verbesserte Fundamentaldaten vorlegen können.
Im Hinblick auf die Frage nach dem systemischen- und Ausfallrisiko von Banken gelte es außerdem zu bedenken, dass europäische Banken insgesamt nicht über zu wenig Liquidität verfügen würden. Sollte eine Bank in Schwierigkeiten geraten, könne auch noch auf umfangreiche Sicherheitsreserven der EZB zurückgegriffen werden, sollten sich die Liquiditätsbedingungen verschlechtern. Darüber hinaus sei der Sektor deutlich besser kapitalisiert, als dies während der Krise der Eurozone der Fall gewesen sei (Schätzungen von Goldman Sachs zufolge hätten europäische Banken seit 2007 rund 800 Mrd. Euro an Kapital eingeworben). Angesichts dieser Faktoren würden die oben genannten idiosynkratischen Risiken nicht ausreichen, um den Wertpapierausverkauf global tätiger Banken zu rechtfertigen. Die Experten hätten den Eindruck, als würden technische Faktoren in der Bankenbranche stärker bewertet als Fundamentaldaten.
Nach Erachten der Experten seien makroökonomische Bedenken die Haupteinflussfaktoren hinter der negativen Stimmung bei Bankenanleihen. Das globale Konjunkturbild habe sich in den letzten Monaten angesichts rückläufigen Wachstums und sinkender Inflation erheblich verdunkelt. Seit Anfang 2016 habe sich die Besorgnis der Märkte hinsichtlich einer möglichen globalen Rezession ausgeweitet, wobei der Fokus zunächst noch auf Schwellenländern und dem Energiesektor gelegen habe. Dies habe sich aber mittlerweile auch auf Sektoren ausgeweitet, die von Wachstumsschwächen und Deflationsrisiken in Industrieländern betroffen wären. Diese Probleme seien für europäische Banken von besonderer Bedeutung. Wie EZB-Präsident Mario Draghi im Februar in einer Rede angemerkt habe, "gibt es derzeit Mächte in der globalen Wirtschaft, die sich dazu verschworen haben, die Inflation niedrig zu halten".
Die Sorge der Experten sei es, dass die Märkte allmählich an der Wirksamkeit weiterer Zentralbankinterventionen zweifeln und sie nun über die mittelfristigen Implikationen für die Geschäftsmodelle von Banken grübeln würden. Die jüngst vorgenommene Einführung negativer Zinsen in Schweden und Japan - welche die Netto-Zinsmargen von Banken weiter unter Druck setzen könnte - habe wenig zur Anlegerberuhigung beigetragen. Die negative Stimmung in der Branche dürfte weiter anhalten, bis sich die makroökonomischen Aussichten stabilisieren würden.
In Bezug auf ihe Positionierung bei Finanzwerten würden die Experten ihre optimistische Einschätzung hinsichtlich gut regulierter nationaler Banksektoren wie in Großbritannien, Deutschland und Norwegen beibehalten. Der Schwerpunkt liege allerdings auf Banken mit großem Kapitalpuffer und weniger volatilem Geschäftsmodell wie bei Nationwide Building Society und Lloyds Banking Group. Die Experten würden weder Wertpapiere der Deutschen Bank noch von italienischen Banken halten. Generell würden sie aufgrund ihrer Skepsis in Bezug auf das Universalbankenmodell global tätige Banken meiden, insbesondere diejenigen mit umfangreichem Investmentbanking-Geschäft oder Engagements in Schwellenländern. Derzeit bewege sich ihr AT1/Co-Co-Exposure mit ca. 2 Prozent des Fonds im niedrigen Bereich.
Zudem würden die Experten keine AT1-Papiere von Banken aus Peripheriestaaten halten. Innerhalb der Anlageklasse liege ihr Schwerpunkt vor allem auf weniger volatilen, klassisch nachrangigen Papieren. Hier seieine Kündigung durch die Emittenten wahrscheinlicher, weshalb sie einem geringeren Verlängerungsrisiko unterliegen sollten. Diese Allokation habe sich während der jüngsten Verkaufswelle recht gut bewährt. (03.03.2016/alc/a/a)


