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Europäische Banken in der Zwickmühle
25.10.19 13:30
LYNX Broker
Berlin (www.anleihencheck.de) - Auf der einen Seite wurde der Einlagenzinssatz gerade erst auf minus 0,5 Prozent gesenkt, wodurch für die Banken der Nettozinsertrag sinkt, so die Experten von LYNX Broker.
Zum anderen würden 2022 und 2027 mit Basel 4 neue, noch strengere Regeln für den Bankensektor in Kraft treten. Wären diese bereits heute gültig, müssten die europäischen Banken einer aktuellen Studie von Citi zufolge mit einem Defizit von 130 Milliarden Euro rechnen.
Wenn die Banken in den kommenden Wochen ihre Ergebnisse für das dritte Quartal 2019 vorlegen würden, würden Investoren immer wieder eine Litanei an Problemen zu hören bekommen, die die Ergebnisse jetzt und in Zukunft belasten würden. Besonders die niedrigen Zinsen und die bald in Kraft tretenden Vorschriften von Basel 4 würden dabei angeführt werden.
"Die Commerzbank hat im vergangenen Monat den Anfang gemacht, als sie ihre neue strategische Ausrichtung auf einer Pressekonferenz präsentierte. Vorstand Martin Zielke ließ wenig Zweifel daran, dass harte Zeiten auf die europäischen Banken zukommen. Die niedrigen Zinsen im Euroraum, immer neue Regulatorien und das langsame Wirtschaftswachstum machen nicht nur der Commerzbank zu schaffen und die Hoffnung, dass die EZB unter der Leitung von Christine Lagarde eine neue Richtung einschlagen könnte, wird wohl enttäuscht werden", erkläre Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX.
Eines der Hauptprobleme der Banken seien tatsächlich die kaum noch vorhandenen oder sogar negativen Zinsen, wie Sadowski ausführe. "Auf der einen Seite wurde der Einlagenzinssatz gerade erst auf minus 0,5 Prozent gesenkt, wodurch für die Banken der Nettozinsertrag sinkt. Zum anderen treten 2022 und 2027 mit Basel 4 neue, noch strengere Regeln für den Bankensektor in Kraft. Wären diese bereits heute gültig, müssten die europäischen Banken einer aktuellen Studie von Citi zufolge mit einem Defizit von 130 Milliarden Euro rechnen. Noch ist es glücklicherweise nicht soweit, allerdings preschen einige Länder vor und führen eigene, noch strengere Regeln ein. Die Niederlande sind nur ein Beispiel. Hier müssen Banken für Hypothekendarlehen laut der niederländischen Zentralbank künftig rund 3 Milliarden Euro mehr hinterlegen. Dank des negativen Zinssatzes sinkt damit der Gewinn der Banken zwangsweise! Eine andere Studie der Europäischen Bankenaufsicht berechnet, dass Basel 4 die Tier 1 Eigenkapitalquote der acht größten europäischen Banken um ganze 27 Prozent absenken wird. Für Investoren werden diese Finanzinstitute dann nicht mehr interessant sein. Sollten die Zinsen weiter sinken, wäre der Negativeffekt für Banken in der EU sogar noch verheerender!"
In Deutschland komme zu den Problemen, die niedrige Zinsen besonders in der Kombination mit Basel 4 verursachen würden, ein weiteres hinzu: Banken stünden hierzulande in Konkurrenz zu den Sparkassen und Landesbanken. Da sie sich nicht um Dividendenzahlungen oder Gewinne kümmern müssten, könnten sie Kredite deutlich günstiger anbieten als normale Finanzinstitute. "Der Konkurrenzkampf zwingt die Banken dazu, Kredite teils zu sehr günstigen Konditionen anzubieten. Natürlich macht Kleinvieh auch Mist, aber das große Geld lässt sich damit nicht verdienen", so der Experte.
Abgesehen von diesem, zugegeben deutschen, Problem, würden die beschriebenen Umstände die Banken in Europa vor riesige Herausforderungen stellen, für die nun Lösungen gesucht werden müssten. "Einfluss auf die weitere Politik der EZB haben die Banken kaum, also bleibt ihnen nur übrig, an der Kostenschraube zu drehen. Allerdings ist hier in absehbarer Zeit das Ende der Fahnenstange erreicht, denn man braucht eine gewisse Zahl Mitarbeiter, um zu funktionieren. Und auch hier ist Deutschland wieder ein Sonderfall, denn hier drohen den Banken trotz weniger Personal höhere Kosten, falls sich die Gewerkschaft Verdi einschaltet, wie gerade bei der Postbank. Outsourcing und Digitalisierung bieten noch Möglichkeiten, aber auch hier gibt es Grenzen", erkläre Sadowski und fasse zusammen: "Die Banken in Europa stehen vor riesigen Herausforderungen, für die sie schnell Lösungen finden müssen, um für Investoren weiter interessant zu sein, besonders in Konkurrenz zu den US-Banken, die nicht unter der EZB-Politik und Basel 4 leiden. Sollte das nicht gelingen, könnte es zu einem Konsolidierungsprozess kommen, an dessen Ende es nur einige wenige Überlebende gibt." (25.10.2019/alc/a/a)
Zum anderen würden 2022 und 2027 mit Basel 4 neue, noch strengere Regeln für den Bankensektor in Kraft treten. Wären diese bereits heute gültig, müssten die europäischen Banken einer aktuellen Studie von Citi zufolge mit einem Defizit von 130 Milliarden Euro rechnen.
Wenn die Banken in den kommenden Wochen ihre Ergebnisse für das dritte Quartal 2019 vorlegen würden, würden Investoren immer wieder eine Litanei an Problemen zu hören bekommen, die die Ergebnisse jetzt und in Zukunft belasten würden. Besonders die niedrigen Zinsen und die bald in Kraft tretenden Vorschriften von Basel 4 würden dabei angeführt werden.
Eines der Hauptprobleme der Banken seien tatsächlich die kaum noch vorhandenen oder sogar negativen Zinsen, wie Sadowski ausführe. "Auf der einen Seite wurde der Einlagenzinssatz gerade erst auf minus 0,5 Prozent gesenkt, wodurch für die Banken der Nettozinsertrag sinkt. Zum anderen treten 2022 und 2027 mit Basel 4 neue, noch strengere Regeln für den Bankensektor in Kraft. Wären diese bereits heute gültig, müssten die europäischen Banken einer aktuellen Studie von Citi zufolge mit einem Defizit von 130 Milliarden Euro rechnen. Noch ist es glücklicherweise nicht soweit, allerdings preschen einige Länder vor und führen eigene, noch strengere Regeln ein. Die Niederlande sind nur ein Beispiel. Hier müssen Banken für Hypothekendarlehen laut der niederländischen Zentralbank künftig rund 3 Milliarden Euro mehr hinterlegen. Dank des negativen Zinssatzes sinkt damit der Gewinn der Banken zwangsweise! Eine andere Studie der Europäischen Bankenaufsicht berechnet, dass Basel 4 die Tier 1 Eigenkapitalquote der acht größten europäischen Banken um ganze 27 Prozent absenken wird. Für Investoren werden diese Finanzinstitute dann nicht mehr interessant sein. Sollten die Zinsen weiter sinken, wäre der Negativeffekt für Banken in der EU sogar noch verheerender!"
In Deutschland komme zu den Problemen, die niedrige Zinsen besonders in der Kombination mit Basel 4 verursachen würden, ein weiteres hinzu: Banken stünden hierzulande in Konkurrenz zu den Sparkassen und Landesbanken. Da sie sich nicht um Dividendenzahlungen oder Gewinne kümmern müssten, könnten sie Kredite deutlich günstiger anbieten als normale Finanzinstitute. "Der Konkurrenzkampf zwingt die Banken dazu, Kredite teils zu sehr günstigen Konditionen anzubieten. Natürlich macht Kleinvieh auch Mist, aber das große Geld lässt sich damit nicht verdienen", so der Experte.
Abgesehen von diesem, zugegeben deutschen, Problem, würden die beschriebenen Umstände die Banken in Europa vor riesige Herausforderungen stellen, für die nun Lösungen gesucht werden müssten. "Einfluss auf die weitere Politik der EZB haben die Banken kaum, also bleibt ihnen nur übrig, an der Kostenschraube zu drehen. Allerdings ist hier in absehbarer Zeit das Ende der Fahnenstange erreicht, denn man braucht eine gewisse Zahl Mitarbeiter, um zu funktionieren. Und auch hier ist Deutschland wieder ein Sonderfall, denn hier drohen den Banken trotz weniger Personal höhere Kosten, falls sich die Gewerkschaft Verdi einschaltet, wie gerade bei der Postbank. Outsourcing und Digitalisierung bieten noch Möglichkeiten, aber auch hier gibt es Grenzen", erkläre Sadowski und fasse zusammen: "Die Banken in Europa stehen vor riesigen Herausforderungen, für die sie schnell Lösungen finden müssen, um für Investoren weiter interessant zu sein, besonders in Konkurrenz zu den US-Banken, die nicht unter der EZB-Politik und Basel 4 leiden. Sollte das nicht gelingen, könnte es zu einem Konsolidierungsprozess kommen, an dessen Ende es nur einige wenige Überlebende gibt." (25.10.2019/alc/a/a)


