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Europäische Anleihen besser als die US-Anleihen


09.12.13 12:33
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Kombination aus lauem europäischem Wachstum und sinkender Inflation (die Verbraucherinflation für das Jahr lag laut Eurostat im Oktober bei nur 0,7%; demgegenüber liegt das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) bei 2%) hat unweigerlich Vergleiche mit der zwei Jahrzehnte währenden Stagnation in Japan heraufbeschworen, so die Experten von Franklin Templeton in der Ausgabe von "Globale Märkte im Fokus".

Dies insbesondere auch aufgrund der jüngsten Stärke des Euro gegenüber dem US-Dollar, die die Exporte bedrohe. Der Anstieg der Realzinsen, der durch die Deflation herbeigeführt werde, mache es südeuropäischen Staaten schwer, ihre öffentliche Verschuldung zu stabilisieren. Dadurch seien erneute geldpolitische Maßnahmen erforderlich geworden. Die EZB habe ihren Leitzins daher auf den historischen Tiefwert von 0,25% gesenkt.

Die EZB scheine noch über weiteren Spielraum zur Bekämpfung der Deflation und eines starken Euro, sofern dies erforderlich werden sollte, zu verfügen. Dies insbesondere, da sie - nach Einschätzungen einiger Marktbeobachter - bisher zur Förderung des Wachstums noch nicht so kühn vorgegangen sei wie die FED oder die Bank of Japan. Die EZB habe zwar auf dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise Staatsanleihen im Wert von 200 Mrd. Euro gekauft. Gleichzeitig sei aber ein entsprechender Betrag aus dem Banksystem abgezogen worden, um das Geldangebot stabil zu halten. Gleichzeitig sei über 1 Bio. Euro, die im Rahmen aufeinander folgender langfristiger Refinanzierungsgeschäfte (LTRO) als Kredite vergeben worden seien, weitgehend zurückgezahlt worden.

Die EZB könnte aber auch andere, unübliche und umstrittene Maßnahmen ergreifen. Hierzu würden mehr langfristige Kredite an Banken, ein Negativzins auf Einlagen oder hochvolumige Anleihenankäufe zur Erhöhung des Geldangebots zählen. Auf jeden Fall habe EZB-Präsident Mario Draghi die Bank auf eine Interventionspolitik verpflichtet - einschließlich weiterer LTRO Programme, sofern diese erforderlich werden sollten. Ziel sei es dabei, die kurzfristigen Marktzinsen entsprechend den mittelfristigen Inflationsaussichten niedrig zu halten.

Die Europäische Kommission habe Anfang November aktualisierte Wachstumsprognosen für die Eurozone veröffentlicht. Die Kommission habe erklärt, sie glaube, das BIP der Eurozone werde dieses Jahr um 0,4% sinken. Sie habe außerdem ihre Prognose für das BIP-Wachstum für 2014 auf 1,1% nach unten korrigiert (von ihrer Prognose von 1,2% im Mai) und ihre Erwartung eines Anstiegs auf 1,7% in 2015 geäußert. Obwohl die Projektionen der Kommission niedriger liegen würden als die einiger individueller Länder, überrasche die neue Prognose nicht wirklich.

Die europäische Wirtschaft sei im dritten Quartal 2013 aus der Rezession gekommen. Aber die Verbesserung der Wirtschaftsleistung erfolge nur schrittweise. Es werde dauern, bis die europäischen Volkswirtschaften Fahrt gewonnen hätten. Es sei deutlich geworden, dass die Erwartungen der Kommission für das Wirtschaftswachstum und die öffentlichen Finanzen in einigen Ländern, insbesondere Spanien, viel niedriger liegen würden als die der jeweiligen nationalen Regierungen.

Allerdings gehe eine wahrnehmbare Stimmungsänderung in Europa vor sich. Die lasse sich nicht nur an steigenden Wirtschaftsindikatoren erkennen, sondern auch an der Entwicklung europäischer "Risikowerte". Europäische Aktien und Anleihen hätten sich in den letzten Monaten im Allgemeinen besser entwickelt als jene in den USA. Anleger hätten wohl die Aussichten für die Region neu bewertet. Das Gefühl, die Eurozone sei erfolgreich durch die Staatsschuldenkrise der vergangenen drei Jahre gekommen, breite sich ebenfalls immer weiter aus. Dies äußere sich im Rückgang der Spreads deutscher Bundesanleihen gegenüber Anleihen von Ländern, die von der Staatsschuldenkrise am schlimmsten betroffen gewesen seien, Irlands erwartetem Ausstieg aus dem strengen Rettungsprogramm, dem es die letzten drei Jahre untergelegen habe, und den wichtigen Fortschritten, die in Hinsicht auf eine Bankunion hätten erzielt werden können.

Die Einstellung der Politik sei ebenfalls hilfreich gewesen. Die Sparpolitik sei nach wie vor ein wichtiges Element bei den Bestrebungen die europäischen Volkswirtschaften wieder auf die Beine zu bringen. Die bisher ergriffenen Maßnahmen hätten jedoch nun auch Raum zur Erwägung verschiedener Formen ökonomischer Anreize geschaffen. Außerdem habe die Europäische Kommission die Haushaltsvorgaben für mehrere Länder gelockert.

Es sei bisher noch nicht ganz klar, ob das Verbrauchervertrauen in Europa voll gerechtfertigt sei. Es bestünden große Unterschiede bei der Wirtschaftsleistung zwischen Ländern wie Griechenland, wo ein negatives BIP-Wachstum von ca. -4% für dieses Jahr erwartet werde, und - außerhalb der Eurozone - in Großbritannien, wo das Wachstum im dritten Quartal den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht habe. Das Wachstum für das aktuelle Quartal werde, aufgrund eines Booms im Dienstleistungssektor, Erwartungen zufolge noch höher liegen.

Generell verfüge die Region nach wie vor über viele überschüssige Kapazitäten. Dies insbesondere in Südeuropa. Auch würden die fortgesetzten Bestrebungen, die staatlichen Finanzen unter Kontrolle zu bringen, um die Vorgaben für die europäischen Haushaltsvorgaben zu erfüllen, immer noch die Volkswirtschaften belasten. Löhne würden stagnieren. Die eurozonenweite Arbeitslosigkeit habe im September 2013 mit 12,2% nach wie vor auf einem Rekordwert gelegen und werde sich laut Europäischer Kommission nur sehr langsam verbessern. Die Realzinsen würden steigen (anders als der Nominalzins) aufgrund der sinkenden Inflation.

Die Kreditvergabe sei schlecht, insbesondere in Ländern, die von der Finanzkrise am schlimmsten betroffen seien. Dies habe zu einem stärker als erwarteten Rückgang des Einzelhandelsabsatzes in der Eurozone im September geführt. Obwohl sie immer noch auf eine umfassende Erholung hinweisen würden, hätten die Einkaufsmanagerindices im Oktober aber auch den Verlust von Momentum gezeigt. Und während krisengebeutelte Länder wie Spanien wichtige Leistungsbilanzüberschüsse nach dem Vorbild Deutschlands hätten verzeichnen können und wichtige Reformen durchgeführt hätten, würden möglicherweise noch mehrere lange Jahre von Angleichungen vor ihnen liegen. Dies schlicht und ergreifend nur um die Verschuldung gegenüber dem BIP auf einem unangenehm hohen Niveau zu stabilisieren. Dies insbesondere dann, falls die Binnennachfrage schwach bleiben sollte.

Eine Erholung in Spanien - oder der Eurozone -, die von Exporten abhängig sei, während bei Investitionen und Binnenkonsum Flaute herrsche, sei anfällig. Gleichzeitig hätten Standard & Poor's (S&P) am 8. November das Rating der Staatsanleihen Frankreichs heruntergesetzt. Die zweite Herabstufung Frankreichs durch S&P in weniger als zwei Jahren. Das verdeutliche, wie weit dieses so genannte "Kernland" der Eurozone noch zu gehen habe, um seine öffentlichen Finanzen unter Kontrolle zu bekommen und das Vertrauen internationaler Anleger wieder zu gewinnen. (Ausgabe November 2013) (09.12.2013/alc/a/a)